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Imgenbroich: Eifeler Musikstück feiert in Schanghai Premiere

Imgenbroich : Eifeler Musikstück feiert in Schanghai Premiere

Mozart, Beethoven und Haydn - vielleicht wird Anno Schreier eines Tages in einem Atemzug mit diesen großen Meistern der Klassik genannt. Der Imgenbroicher Komponist hat aber bereits jetzt schon eine beachtliche Karriere hinter sich.

So hat Anno Schreier mit seinen 28 Jahren bereits etliche Opern und Orchesterstücke geschrieben, die von Kritikern mit viel Lob bedacht wurden und unter anderem in London, Brüssel, München, Düsseldorf und am Staatstheater in Mainz aufgeführt wurden.

Von der Eifel aus trägt ihn seine Musik in die weite Welt hinaus. Jetzt verlässt er sogar Europa: Sein neues Orchesterstück „Im Wettstreit” wird nämlich in Schanghai, in China, uraufgeführt.

Als Rahmenprogramm der olympischen Spiele kommt sein Werk darüber hinaus auch in der chinesischen Hauptstadt Peking zur Aufführung.

Dass es ihn einmal mit seiner Musik in das Reich der Mitte verschlagen würde, dass hätte sich Anno Schreier nicht träumen lassen: „Das ist das erste Mal, dass ein Stück von mir außerhalb Europas aufgeführt wird”, sagt er noch ein wenig ungläubig, aber voller Stolz.

Die Scherzo-Skizze „Im Wettstreit” hat der Komponist eigens für das young.euro.classic Festival in Berlin geschrieben. Die Auftritte in China finden ebenfalls in diesem Rahmen statt. Denn für das Festival wurde extra ein Orchester aus deutschen und chinesischen Musikern zusammengestellt. In Schanghai bestehen Orchester und Anno Schreiers Stück ihre Feuertaufe.

Bereits am Wochenende geht es los, dann besteigt Anno Schreier das Flugzeug Richtung China, nächste Woche beginnen die Orchesterproben. Eine spannende Sache, wird sein neues Stück dort doch zum ersten Mal einstudiert: „Es wird ganz interessant sein zu sehen, was die Musiker daraus machen.”

Interessant - das wird seine Reise nach China ohnehin: „Abgesehen von der Musik ist es total aufregend, in dieses Land reisen zu können, das ist ja eine komplett andere Welt”, meint der 28-Jährige. „Eine Stadt wie Schanghai - das sind Größenordnungen, die kann man sich hierzulande gar nicht vorstellen.”

Gleichzeitig treffen bei den Auftritten zwei völlig verschiedene Musiktraditionen aufeinander. „Die Chinesen haben eine viel ältere Kultur als wir, es ist aber schon so, dass europäische Musik mittlerweile in China sehr gefragt ist,” sagt Anno Schreier.

Für Musik hat er sich eigentlich schon immer begeistert, mit zehn Jahren - eigentlich relativ spät - hat der Imgenbroicher angefangen Klavier zu spielen. Erste Versuche selber zu komponieren erfolgten bereits in diesen frühen Jahren.

Von 1999 bis 2005 hat der 28-Jährige an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf Komposition studiert. Es folgten Studienaufenthalte am Royal College of Music in London und der Abschluss der Meisterklasse bei Professor Hans-Jürgen von Bose an der Hochschule für Musik und Theater in München.

Für seine Arbeiten hat er zahlreiche Preise und Auszeichnungen bekommen. Während er sich grundsätzlich der zeitgenössischen klassischen Musik verbunden fühlt, greift er in seinen Kompositionen doch immer wieder verschiedene Stilzitate auf. „Es gibt in der Musik nicht bloß einen Stil, sondern ganz viele und ich bin sozusagen ein Brennpunkt dieser verschiedenen Richtungen.”

Bisheriger Höhepunkt seines Schaffens war die Oper „Kein Ort. Nirgends”, die am Staatstheater Mainz gezeigt wurde. Anno Schreiers Trip in die Volksrepublik China wird aber auf jeden Fall ein weiteres Highlight in seiner noch jungen Karriere setzen. „Dass ich die Möglichkeit bekomme, an so einem Projekt teilzunehmen, ist eine ganz große Sache.”

Aufgeregt ist er dennoch nicht, noch nicht: „Die ganz große Aufregung kommt meist erst kurz vor dem Konzert, oder wenn mein Stück aufgeführt wird.”

Das müsse aber auch so sein, sagt der Komponist. Er habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass ein Stück, wenn sich vor der Aufführung nicht Nervosität breit macht, auch nicht gut wird.

„Hinterher ist es dafür umso schöner, wenn das Konzert vorbei ist, das Stück gespielt und die Aufregung von einem abfällt”, so Anno Schreier. Und da dürfte es selbst den großen Meistern Mozart, Haydn und Co. nicht anders gegangen sein.