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Nordeifel: Eifeler bauen Kirche im Owamboland

Nordeifel : Eifeler bauen Kirche im Owamboland

Irgendwo in der weiten Steppe Afrikas setzen in diesen Tagen Bauarbeiter Stein auf Stein. Ein Kirchenneubau wächst in die Höhe.

Noch acht Monate dauern die Arbeiten, dann gibt es ein Riesenfest, wie es das Owamboland in Zentral-Namibia schon lange nicht mehr gesehen hat.

Der Termin steht steht bereits fest: Am 21. August 2004 wird in der Nähe von Oshakati die Thomaskirche eingeweiht. Der Besondere an dem einfachen Hallenbau: Die Kirche wird komplett von einer begeisterungsfähigen Gemeinschaft aus der Eifel finanziert.

„Wie haben uns festgebissen an der Idee”, sagt Diakon Friedhelm Grewe aus Steckenborn, der Initiator des ungewöhnlichen Projektes. Grewe, der auch Geschäftsführer von Shalom-Reisen ist, unternahm im Sommer 2002 mit einer Gruppe aus der Eifel eine Rundreise durch Namibia. Zum Programm gehörte auch ein Besuch auf der Missionsstation des aus Waldfeucht stammenden Oblatenpaters Franz Houben (60) im Owamboland.

Hier erlebten die tief ergriffenen Besucher, wie intensiv und ehrlich die Beziehung der Menschen zur Kirche ist und welche zentrale Rolle die Seelsorge in ihrem Leben spielt. Ganz unter diesem Eindruck stehend wurde die Idee geboren, eine Kirche zu bauen, um für die Gläubigen das Gefühl der Gemeinschaft zu verstärken.

Die Reisegruppe wurde von diesem Gedanken nicht mehr losgelassen, und das Projekt „Eine Kirche für Namibia” nahm konkrete Formen an. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet, Handwerker boten ihre Dienste an.

Inzwischen hatte Pater Franz Houben einen geeigneten Platz ausgesucht, und auf der Baustelle herrscht reger Betrieb. Pater Houben, der seit fast 30 Jahren in der Missionsarbeit tätig ist, betreut 42 Gemeinden mit rund 35.000 Christen, und das Einzugsgebiet nur einer Gemeinde ist so groß wie das halbe Bistum Aachen.

Ein Kirchenneubau und die Entstehung einer Gemeinde in Namibia vollzieht sich nach etwas gewöhnungsbedürftigen Gesetzmäßigkeiten. Zunächst scharen sich Menschen rund um einen Baum, der ihnen Schatten spendet und zur Kommunikation einlädt. Mit der Zeit entsteht dann eine kleine Wellblechhütte, und die Gemeinschaft wird größer. Die Gemeinde beginnt sich zu organisieren und der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus wächst.

Zentraler Treffpunkt

Eine solche Situation fand Pater Houben in kleinen St. Thomas vor, wo nun die Steinkirche ganz in der Tradition ortsüblicher Bauwerke als einfache Hallenkirche errichtet wird.

Die spätere Thomaskirche in den Grundmaßen 24 x 9 Meter soll Platz für 300 Menschen bieten, aber nicht selten sind es 500 Gläubige, die bis zu siebenstündige Fußmärsche in Sonntagskleidung auf sich nehmen, um pünktlich am Gottesdienst teilnehmen zu können.

Die Kirche wird weit mehr sein als ein Ort für den Gottesdienst. Sie ist zentraler Treffpunkt, Kommunikationsbörse und Hilfszentrum. Ganz in der Nähe befindet sich auch die Krankenstation des 1998 gegründeten „Catholic Aids Centers”. In Namibia gibt es derzeit rund 80.000 Aidswaisen.

Von der Idee eines Kirchenneubaus in der namibischen Etoshapfanne war auch Architekt Elmar Faust aus Steckenborn rundum begeistert, der als seinen Beitrag zum Projekt die Baupläne (eine Kreuzform mit zwei Seitenkapellen) lieferte, die inzwischen ein örtlicher Bauunternehmer in den Händen hält.

„Mit Grenzabständen gab es zum Glück keine Probleme”, schmunzelt der Architekt, der ebenso angetan von Idee war, wie auch Diplom-Ingenieur Manfred Breuer aus Strauch, der die Statik für das Stahlkorsett der Kirche zur Verfügung stellte und erleichtert war, dass er mögliche Schneelasten diesmal nicht einrechnen musste.

„Alle sind Feuer und Flamme für das Projekt”, freut sich Friedhelm Grewe über die anhaltende Euphorie. Spenden und viele private Aktionen der Reiseteilnehmer führten dazu, dass sich inzwischen 16.000 Euro auf dem Spendenkonto befinden. Die insgesamt erforderlichen 25.000 Euro für den Bau werden bis August mit Sicherheit vorhanden sein.

Die Beteiligten fiebern so langsam schon dem Tag der Einweihung der Thomaskirche durch den dortigen Bischof entgegen. Selbstverständlich wird die 24-köpfige Reisegruppe mit Friedhelm Grewe dann fast komplett erneut vor Ort sein, um am großen Fest für die Gemeinde teilzuhaben.

Besonders gespannt wird dann auch Ulrich Braun aus Steckenborn sein, der versprochen hat, ein massives Holzkreuz aus Eifelholz für die Thomaskirche ganz nach afrikanischer Tradition zu zimmern. Im Laufe des Jahres wird das Kreuz nach Namibia verschifft. Am großen Tag der Einweihung werden dann alle gemeinsam singen und tanzen - zur Ehre Gottes und als Ausdruck der eigenen Freude über das gelungene Gemeinschaftswerk.