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Kall: Eifel-Elvis sang gegen die Uhr

Kall : Eifel-Elvis sang gegen die Uhr

Ganz Kall schlief gegen 3.45 Uhr noch unter einer dicken Schicht Neuschnee. Die Winterdienste hatten ihre Arbeit noch nicht aufgenommen. Die Gehwege waren schlicht unpassierbar, und alles hatte noch das Flair einer stillen Winternacht.

Nur am „Bürgerhof” in Kall bahnten sich zwei Transporter durch die Schneemassen. Ab und an drehte ein Reifen durch, schließlich blieben die Fahrzeuge stehen.

Stimmbänder „tip-top”

Der Elvis-Presley-Imitator Franz Nübel war pünktlich. Und er schien putzmunter: „Ich habe mit der frühen Uhrzeit nicht die geringsten Probleme”, ließ der gelernte Bäcker verlauten und fing gleich an, Verstärker, Lautsprecher und Plakatwände aus seinem Wagen zu wuchten.

Obwohl er sich besser hätte schonen sollen. Lagen doch über 42 Stunden Gesangsmarathon vor ihm.

„Meine Stimmbänder sind tipptopp”, freute er sich. Sein Arzt sei daher zuversichtlich, dass er die Gesangsstrapaze gut verkraften werde.

Sound-Check

Beim Einrichten der Bühne tremolierte und trällerte das Elvis-Imitat ohne Ende, ließ immer mal wieder die Hüften probeweise kreisen und machte schließlich einen aufwändigen Sound-Check, um beim noch nicht vorhandenen Publikum gut rüberzukommen.

Um 4 Uhr trudelte ein unausgeschlafenes Kamerateam vom WDR in Kall ein. Wenig später hatte ein weiteres Fernsehteam von Sat 1 in die weiße Eifel gefunden. Beide wollten „Elvis the Pelvis” unbedingt noch vor seinem Start interviewen.

Mangels geeigneter Räumlichkeiten verschwand der Weltrekordkandidat kurzerhand mit den Fernsehteams auf die Toilette, wo er vor laufender Kamera in sein blutrotes, acht Kilo schweres Elvis-Ornat schlüpfte.

60 Titel auf Lager

Weitere Fernsehteams von RTL und sogar von der ARD seien im Anmarsch, erzählte Nübel. Allerdings werde er keine Gelegenheit mehr haben, mit den Reportern zu reden, da das Guinness-Reglement jede Kommunikation zwischen dem Weltrekordler und seinem Publikum verbiete.

Folglich fand man im „Bürgerhof” auch allerorten Plakate mit der Aufschrift „Bitte nicht ansprechen!”, was Mitveranstalter Alexander Kuffner zu der Bemerkung „Wie im Zoo” hinriss.

Halb fünf war schon verstrichen, als der „Eifel-Elvis” endlich seine Perücke zurechtrückte, den engen Bauchriemen stramm zog und seine Brustkamellen, Salbei-Bonbons und Calcium-Tabletten in Reichweite platzierte.

60 Titel

Noch rasch ein Sandwich heruntergewürgt, ein paar Schlückchen Wasser, und es konnte losgehen mit „Viva Las Vegas”, „His Latest Flame” und „A Boy like me, a Girl like you”. 60 Elvis-Titel hatte sich Nübel zurechtgelegt. „Ich brauche ungefähr drei Stunden, um alle einmal zu singen”, erklärte er vor Beginn seines Rekordversuchs.

Bei 42 Stunden Dauersingen könnten eingefleischte Fans also insgesamt 14 Mal in den Genuss von Songs wie beispielsweise „Fever”, „Love me tender” oder „In the Ghetto” kommen.

15 Sekunden Pause

So früh am Morgen hatten sich allerdings erst zwei Elvis-Freunde vor Ort eingefunden. Seit Freitagabend aber hat sich das Bild geändert, der Saal wurde voller.

Damit in Sachen Weltrekordversuch alles seine Richtigkeit hatte, musste Elvis Schwester Carola ein strenges Protokoll führen. Darin wurde genau vermerkt, wie viele Sekunden ihr Bruder beispielsweise zwischen den einzelnen Stücken pausierte. Mehr als 15 Sekunden waren nicht erlaubt. Und selbstverständlich werde der komplette Weltrekordversuch auf Video aufgezeichnet.

Ansonsten strebte der ungewöhnliche Weltrekordversuch am Freitag seinem Höhepunkt entgegen. Gegen Mitternacht wollte sich der neue Rekordhalter feiern lassen.