Eifel: Antrag auf Mütterrente sollte bis Ende April eingereicht sein

Frist bis Ende April : Seniorin aus Simmerath verzweifelt bei Antrag der Mütterrente

Frust. Hilflosigkeit. Verzweiflung. Diese Worte Beschreiben die vergangenen Wochen von Sonja Falke und ihrer fast 89 Jahre alten Mutter. Beide haben in den vergangenen Wochen versucht, für die Seniorin aus Simmerath die Mütterrente zu beantragen.

Bis Ende April muss der Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung eingegangen sein, um rückwirkend Rentenansprüche geltend machen zu können. Stress. Ärger. Ratlosigkeit.

Erst vor Kurzem hat die bald 89-Jährige, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, von einer Freundin erfahren, dass ihr eigentlich eine Mütterrente zusteht. Sie hat zwei Kinder zur Welt gebracht. Ihr Mann ist arbeiten gegangen, sie blieb mit ihrem Sohn und ihrer Tochter zu Hause. 2015 starb ihr Mann. Seitdem erhält sie eine Hinterbliebenenrente, hatte keinen Anspruch auf eine eigene. Aber sie hat einen Anspruch auf Anerkennung der Erziehungszeiten, also auf eine Mütterrente.

Ab dem 1. Juli 2014 konnten für die Mütterrente bis zu zwei Jahren Erziehungszeit für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, angerechnet werden. Ab dem 1. Januar 2019 wurde diese Regelung nun etwas ausgeweitet. Die Mütter (oder Väter) bekommen mit der neuen „Mütterrente II“ pro Kind zusätzlich bis zu einem halben Jahr Erziehungszeit mehr angerechnet, das entspricht einer Erhöhung (im Westen) von rund 16 Euro pro Kind. Wer bereits im Ruhestand ist oder die Rente neu beantragt hat, erhält automatisch die neuen Zahlungen zur Mütterrente.

Die Simmeratherin fällt somit durch das Raster und ist laut Deutscher Rentenversicherung eine der wenigen Ausnahmen, die die Mütterente noch selbstständig beantragen musste. „Es sind sehr wenige, die das betrifft“, sagt Jochen Müller, Pressesprecher der Deutschen Rentenversicherung Rheinland. Die Zahl liege im unteren einstelligen Prozentbereich.

„Ich wusste gar nicht, an wen ich mich wenden sollte und habe bei der Rentenbeauftragten im Rathaus angerufen“, sagt die fast 89-Jährige. Allerdings ist die dortige Beraterin vor zwei Jahren selbst in den Ruhestand gegangen, die Stelle wurde nicht nachbesetzt. Die Gemeinde Simmerath erklärt hierzu: „Die Kommunen sind nicht verpflichtet, eine Rentenberatung anzubieten. Die Berater müssen immer auf dem aktuellen Stand und sehr gut ausgebildet sein und Fortbildungen besuchen. Die Gemeinde hat sich dann entschieden, die Stelle nicht neu zu besetzen.“ Nachfragen gebe es vereinzelt noch, Ratsuchende würden dann an die Deutsche Rentenversicherung verwiesen, genauer: an die Service-Stelle in Aachen.

Lange Warteschleifen

Auch die Seniorin bekam eine Telefonnummer, hing aber lange in der Wartschleife, ohne mit einer Person sprechen zu können. Dudelmusik. Automatische Ansagen. Ungeduld. Das gleiche Spiel bei dem Bürgertelefon für Rentenfragen, dessen Kontakt die Krankenversicherung in einem Schreiben aufführt. Die fast 89-Jährige hatte auch hier kein Glück. „Die Warteschleifen nahmen nie ein Ende. Ich habe es mehrere Tage immer wieder versucht. Ich wollte alles schon sein lassen“, sagt sie. „Sowas macht alte Menschen doch kirre“, sagt ihre Tochter Sonja Falke, die in Mützenich wohnt, und bleibt hartnäckig. „Das Geld steht ihr zu. Dann habe ich herumtelefoniert.“ Sie kontaktierte ehrenamtliche Rentenberater, teilweise waren diese aber krankgeschrieben oder terminlich überlastet. Die Frist Ende April rückte immer näher.

Erneuter telefonischer Versuch bei der Service-Stelle der Deutschen Rentenversicherung: Endlich durchbricht Sonja Falke die Warteschleife und bekommt Auskunft, was zu tun ist. Gleich am nächsten Tag steht sie vor der Tür, mit allen Unterlagen und Vollmacht im Gepäck. „Die konnten mir wirklich weiterhelfen. Ich habe im Namen meiner Mutter den Antrag unterschrieben, und der ist jetzt auf dem Weg nach Berlin“, sagt sie erleichtert. Beantragt ist eine Mütterrente, die rückwirkend bis 2015 ausgezahlt werden soll. Über einen Betrag wollen die beiden nicht sprechen. „Wir haben zwar eine Zahl gehört, aber das glauben wir erst, wenn der Betrag auf dem Konto ist.“

„Schlechter Informationszugang“

Mutter und Tochter kritisieren den schlechten Zugang zu Informationen. „Man benötigte es schwarz auf weiß in einem Brief, was zu tun ist, was man braucht, und an wen man sich wenden sollte“, sagt die Seniorin. Ein Wunsch, der vermutlich nicht erfüllt wird. „Wir können nicht auf Knopfdruck ermitteln, wer Anspruch auf eine Mütterrente hat und diese beantragen muss. Gerade bei der Hinterbliebenenrente gibt es zwei Beteiligte, was die Situation schwieriger macht. So weit sind wir digital noch nicht“, sagt Müller.

Sonja Falke rät, alle Unterlagen zusammenzusuchen und direkt zur Service-Stelle der Deutschen Rentenversicherung nach Aachen zu fahren. Keine ideale Situation für Ältere. „Ich bin sehbehindert und stark eingeschränkt. Wie soll ich allein nach Aachen kommen. Ohne meine Tochter hätte ich keinen Antrag stellen können“, sagt die Mutter. Wer sich nicht sicher ist, ob er Anspruch auf eine Mütterrente hat und diese extra beantragen müsste, sollte sich direkt und trotz langer Warteschlangenzeiten am Telefon bei der Deutschen Rentenversicherung melden, sagt Müller. Auch ehrenamtliche Versichertenberater sowie sogenannte Versichertenälteste beantworten Fragen rund um die Rentenversicherung (Kontaktmöglichkeiten siehe Infokasten).

Wer bis Ende April den Antrag einreicht, kann Ansprüche rückwirkend gelten machen. Danach besteht nur ein Anspruch auf Zahlungen ab Antragstellung.

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