Monschau: Durststrecke für Monschauer Bier beendet

Monschau: Durststrecke für Monschauer Bier beendet

Es ist niemand verdurstet, aber die Durststrecke war lang: 18 Jahre nachdem in Monschau das letzte Bier in der altehrwürdigen, 1847 gegründeten Felsenkeller-Brauerei hergestellt wurde, feiert im Sommer 2012 die Braukunst im Felsenkeller-Stammhaus einen Neustart.

Ab Ende September lebt die traditionsreiche Marke Felsquell-Pils wieder auf, und auch das beliebte dunkle Zwickelbier, das sich auch nach der Schließung der Brauerei weiter behaupten konnte und derzeit von der Privatbrauerei Rainer in Linnich produziert wird,, kehrt nach Monschau zurück. Beide Sorten werden künftig in Monschau vor Ort gebraut. Seit Montag steht das neue Sudhaus in der Brauerei, deren äußeres Erscheinungsbild sich nach der Schließung im Jahre 1994 praktisch nicht verändert hat.

Vom 28. bis 30. September wird auf dem Gelände an der Herbert Isaac-Straße drei Tage lang ein großes Fest rund ums Monschauer Bier gefeiert.

„Die Resonanz im Vorfeld ist riesengroß”, sieht Bernhard Theißen aus Höfen (61), seit 2007 Besitzer des Brauereigeländes am Zusammenfluss von kleinem Laufenbach und Rur, einer vielsprechenden Zukunft des neuen Monschauer Biers entgegen. Viele Felsquell-Pils-Genießer wissen trotz langer Durststrecke auch heute noch ziemlich genau wie es (Werbespruch: „Felsquell Pils - der Gaumen wills”) schmecken muss, und da Bernhard Theißen nichts dem Zufall überlassen möchte, hat er die Monschauer Wirte und die Musikvereinigung Lyra Höfen kürzlich zu einer ersten Verkostung eingeladen. Die Testpersonen waren waren laut Theißen „sehr angetan”, kleine Verbesserungsvorschläge sollen wohlwollend in die Rezeptur einfließen.

Die Verantwortung für den künftigen Geschmack des Monschauer Bieres übernimmt Michael Jovy (39) aus Aachen, Braumeister von Beruf. Über die nötige Erfahrung mit Hausbrauereien verfügt er bereits: Der Braukeller in Wassenberg (Kreis Heinsberg) sowie eine wiederbelebte Altbierbrauerei in Neuss haben sich bereits etabliert.

Einen Blick auf die Felsenkeller-Brauerei hatte Jovy, der früher einmal Betriebsleiter bei der Kaiserbrunnen AG war, schon länger geworfen. Auf der Suche nach „Nischen-Produkten” erschien ihm Monschau ein perfekter Standort, in den er immerhin 150.000 Euro für die neue Technik investierte.

Was den typischen Geschmack von Felsquell-Pils betrifft (weich und süffig) , verlässt er sich einerseits auf Beschreibungen aus der Bevölkerung, vertraut aber auch auf seinen eigenen Geschmack, denn ein Produkt herzustellen, dass exakt dem Geschmack des damaligen Felsquell-Pils entspricht, sei schlicht unmöglich, „aber das Bier soll möglichst nahe an das Original heranreichen” und vor allem dem Verbraucher munden.

Zudem spürt Jovy, dass es einen spürbaren Trend des Verbrauchers zu individuell hergestellten Bieren gibt „weg von den Fernsehbieren, die ein Massenprodukt für die Masse herstellen.” Haus- und Kleinbrauereien hätten zunehmend wieder ein Chance - auch in der Gastronomie: „Wenn es an jeder Straßenecke das gleiche Bier gibt, dann kann sich auch die Gastronomie nicht mehr unterscheiden.” Das beste Beispiel für einen vielfältigen Biermarkt sei Belgien, auch wenn es in Deutschland immer noch 1279 Brauereien mit 5000 Sorten Bier gibt.

Auf die regionale Stärke des Produkts setzt auch Bernhard Theißen, der das Monschauer Bier gerne unter der Regionalmarke Eifel vermarkten möchte.

Von den 15 Gastronomen, die derzeit Zwickelbier führen, hat Theißen die Zusage, dass auf das in Monschau gebraute Bier umsteigen möchten. Auch als Flaschenbier mit Bügelverschluss soll es die beiden Sorten bald wieder geben.

Oberstes Ziel für den Braumeister ist es, ein Produkt mit möglichst gleich bleibender Qualität zu liefern. Aus diesem Grund hat er auch das komplette Wasserleitungsnetz im Haus neu verlegt. Unbedingt erhalten und auch genutzt wird weiterhin der Felsenkeller für die Lagerung wo im Sommer wie im Winter durchgehend eine Ideal-Kühl-Temperatur von acht Grand herrscht. Hier, in der Kühle des Felsens, soll das Bier in Ruhe reifen.

Wenn das Monschauer Bier dann demnächst wieder läuft, hofft Bernhard Theißen, dass durch den Brauhaus-Ausschank das abendliche Gastronomieangebot in der Stadt um eine Nuance belebt wird. Und einer runder Abschluss zur Wiedereinführung von Felsquell-Pils wäre es dann noch, wenn er einen Nachfolger für sein Geschäft finden würde.