Monschau: Dumm gelaufen: Tankstellenräuber gerät an die Falschen

Monschau: Dumm gelaufen: Tankstellenräuber gerät an die Falschen

Dumm gelaufen. Wenn diese Phrase jemals den Nagel auf den Kopf traf, dann am Dienstagabend in Monschau. Wenn man als Räuber seine Flucht zu Fuß plant und dann ausgerechnet einem ganzen Pulk der laufstärksten Mitbürger der Stadt begegnet, dann ist man wahrlich an die Falschen geraten. Aber der Reihe nach.

Jeden Dienstag um halb Acht trifft sich die Laufgruppe des TV Konzen an der Grundschule, um ein gut einstündiges Ründchen in der Umgebung zu drehen. Im Sommer geht’s dann meist ins nahegelegene Venn oder das Eicherscheider Heckenland, im Winter eher auf beleuchteten, festen Wegen Richtung Imgenbroich und Menzerath, natürlich mit Warnwesten, Stirnlampe und fröhlichem Gezeter.

Der Ort des Geschehens: Hier rutschte der 22-jährige Täter aus und wurde dann von den Läufern überwältigt. Foto: Heiner Schepp

Auf der Runde der Konzener Laufgruppe liegt die Tankstelle Klein am Hargard zwischen Imgenbroich und Monschau, wo der knapp 30-köpfige Pulk um Leiter Helmut Hoff am Dienstag kurz vor 20 Uhr eintraf. Die ersten Läufer der Gruppe kamen gerade um die Ecke, als sie auch schon die Hilferufe einer weiblichen Stimme hörten. Tankstellenmitarbeiterin Ingrid Mingers (56) rief laut, sie sei gerade überfallen worden, und deutete auf eine Person, die gerade über die Bundesstraße huschte und im Dunkeln eines gegenüberliegenden Feldweges verschwand.

Sekunden zuvor — sie hatte gerade die Wischwasserkannen hereinholen wollen — hatte ein vermummte Mann die Angestellte schroff angesprochen, mit einer Waffe bedroht und aufgefordert: „Los, rein! Geld holen!“. „Da ist kein Geld“, hatte die verängstigte Frau kurz entgegnet, und als ihr Gegenüber seiner Forderung gerade mit vorgestreckter Waffe Nachdruck hatte verleihen wollen, kam auch schon der Lauftreff um die Ecke. Der Vermummte nahm Reißaus, doch die Flucht des Mannes war nicht von Erfolg gekrönt. Denn mit Monschau-Marathonsieger Markus Werker (27) und dem Polizeibeamten Thomas Rubel (Marathon-Bestzeit 3:09 Stunden) nahmen ausgerechnet zwei Topläufer der Gruppe, die auch an diesem Abend vorneweg joggten, die Verfolgung auf.

Ein Ausdauerlauf war allerdings nicht nötig, um den Täter zu stellen. Bereits nach wenigen hundert Metern bergab auf dem unteren Gräfgesweg, einem dunklen und stellenweise rutschigen Wirtschaftsweg, verlor der türmende Tankstellenräuber zunächst seinen Rucksack und schließlich das Gleichgewicht. Sekunden später standen Werker und Rubel neben dem Übeltäter und hielten ihn fest.

„Groß gewehrt hat er sich nicht. Ich glaube er hatte schon realisiert, dass er da an die falschen Gegner geraten war“, erzählte Thomas Rubel am Mittwoch. Mit vereinten Kräften schaffte man das Bürschchen zurück zur Tankstelle, wo die erleichterte Frau von der Tankstelle bereits die 110 gewählt hatte. „Keine zehn Minuten später waren Polizei und kurz darauf die Kripo vor Ort“, lobte Polizeikommissar Rubel die Kollegen für schnelles Erscheinen am Tatort.

Übrigens war der 32-Jährige nicht der einzige Polizist in der Laufgruppe: Kollegin Janina Call (25), zurzeit in Mutterschutz und am Dienstag in Begleitung ihres Australian Sheperd Amie (2), beteiligte sich auch an den Ermittlungen und fand später noch eine zweite Waffe, die der Flüchtende weggeworfen hatte. „Es handelte sich glücklicherweise um Spielzeugwaffen, aber das weiß man meist erst hinterher“, meinte Polizeisprecher Paul Kemen, und Thomas Rubel stellte fest: „Also ich hätte nicht sagen können, ob die Waffen echt waren.“

In jedem Fall gereichten sie zu einem heftigen Schock der 56-Jährigen Tankstellenmitarbeiterin, die auch am Tag danach noch sichtlich geschafft war von den Erlebnissen des Vortages. „Das muss man erst mal wegstecken“, hatte Tankstelleninhaber Walter Klein Verständnis für seine Angestellte und stellte den Sinn der Tat in Frage: „Im Zeitalter von Kartenzahlung ist hier nichts zu holen. Und einen Alarmknopf haben wir auch. Was soll das also?“ warnte er Nachahmungstäter, bedankte sich aber herzlich bei den tatkräftigen Hobbyläufern. „Das nenn‘ ich mal Zivilcourage.“

Wie sich später herausstellte, handelte es sich beim jungen Täter um einen 22-Jährigen aus Imgenbroich, der aufgrund finanzieller Probleme versucht hatte, die Tankstelle auszurauben, wie Polizeisprecher Paul Kemen am Mittwoch berichtete. Zum Zeitpunkt der Tat stand der bisher nicht polizeibekannte junge Mann unter Alkoholeinfluss, ihm wurde noch am Abend eine Blutprobe entnommen. Er wurde am Mittwoch beim Amtsgericht Schleiden vorgeführt.

Der Laufgruppe aus Konzen schmeckte das erfrischende Getränk danach am Dienstagabend besonders gut, am Tag danach gab es nicht nur auf der Facebookseite des Vereins ein großes Echo und viel Lob. Und Polizeisprecher Paul Kemen hielt fest: „Der Lauftreff des TV Konzen hatte eine sehr erfolgreiche Trainingseinheit...“

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