Nordeifel: „Double Drums“ und Roger Willemsen beim Kulturfestival

Nordeifel: „Double Drums“ und Roger Willemsen beim Kulturfestival

Zehn Orte - zehn Events: Nach diesem bewährten Prinzip verfährt auch in diesem Jahr das Kulturfestival in der Städteregion Aachen. Zwei Veranstaltungen finden auch in der Nordeifel statt. In Lammersdorf ist Roger Willemsen gemeinsam mit Isabelle Faust zu Gast und Roetgen die World of Percussion.

Der lebendige Geist dieser Veranstaltungsreihe, die 2003 als Straßentheaterfestival des damaligen Kreises Aachen geboren wurde, ist immer noch präsent. Das Kulturfestival hat eine Mission, und die heißt „Lust machen“. Jedes Event für sich macht Lust auf Kultur und darauf, Liveauftritte im Kontrast zu der üblichen medialen Berieselung schätzen zu lernen. Es macht mit seinen sehr unterschiedlichen Schauplätzen aber auch Lust, die Städteregion einmal näher zu erkunden.

Schließlich zentralisieren die Organisatoren die Lesungen, Konzerte, Kabarett und Ausstellungen ganz bewusst nicht, sondern schöpfen die Schätze der variantenreichen Städteregion Aachen voll aus. Das Kulturfestival lädt dazu ein, ohne großen Aufwand gleich nebenan tolle Konzerte und mehr zu erleben, aber auch mal einen Ausflug in andere Ecken der eigenen Heimat zu unternehmen, neue Menschen kennenzulernen und bleibende Eindrücke mit nach Hause zu nehmen.

Roger Willemsen & Isabelle Faust sind mit ihrem Programm „In aller Stille“ am Freitag, 29. Mai, 20 Uhr (Einlass: 19.30 Uhr) in Lammersdorf, in der katholische Kirche St. Johann Baptist zu Gast.

Stille als Thema eines Abends, der Musik und Literatur vereint? Kein Widerspruch, wenn es sich bei den Auftretenden um den bekannten Autoren Roger Willemsen und mit Isabelle Faust um eine der renommiertesten Geigerinnen der Gegenwart handelt. Die Trägerin des Cannes Classical Awards, die schon mit Größen der Klassikszene wie Claudio Abbado, Yehudi Menuhin und Heinz Holliger arbeitete, lässt einige der atemlos stillen Kompositionen für Solovioline zwischen Bach und Kurtag erklingen.

Der charismatische Fernsehmoderator Roger Willemsen, dessen Liste von Persönlichkeiten, mit denen er zusammentraf, ebenso eindrucksvoll ist, unter anderem John Malkovich, Audrey Hepburn, Jassir Arafat und zahlreiche weitere umfasst, liest im Wechsel leise Texte. Nicht um größer, schneller, besser geht es an diesem Abend. Vielmehr ist es ein gemeinsames Innehalten, eine bewusste Entschleunigung, ein zeitweiliger Ausstieg aus dem Hamsterrad des Alltags.

Beide Künstler wollen ihr Publikum dabei begleiten, sich der Stille zu widmen und sie zu genießen. Der Kommunikationslärm der Gegenwart, der Drang, immer und überall erreichbar und up-to-date zu sein, all das, was jeden von sich selbst und den eigenen Empfindungen ablenkt, ist stumm geschaltet. Den Raum füllen nur zarte Töne und eingängige Worte. Wer sich darauf einlässt, erfährt die Stille auf ganz neue Art und Weise.

Ein Kontrastprogramm dazu bietet das Konzert der „Double Drums“. Das Konzert findet am Freitag, 26. Juni, 20 Uhr (Einlass: 19.30) in Roetgen, Evangelische Kirche (Rosentalstraße 10) statt.

So mancher große Schlagzeuger hat seine Karriere auf den elterlichen Kochtöpfen begonnen. Alexander Glöggler und Philipp Jungk scheinen eben jene Sozialisation mitgemacht zu haben. Denn bis heute spielen die Dinge des Alltags eine wichtige Rolle im Bühnenleben der beiden ausgemachten Multi-Percussionisten.

Als weltweit gefeiertes Duo heben die studierten Schlagwerker nicht nur ein gewaltiges Arsenal von Trommelinstrumenten aus aller Welt oder exotische Eigenbauten auf die Bühne — darüber hinaus ist so ziemlich nichts, was der heimische Hobbykeller hergibt, vor ihnen und ihren filigranen Tempofingern sicher.

Ob Stehleiter oder Akkuschrauber, Ölkanne oder Alublech — Glöggler und Jungk entlocken scheinbar allem Irdischen einen mitreißenden Rhythmus. Dabei sind es vor allem die spielerischen Aspekte ihrer vor Energie sprudelnden Bühnenshow, die das Publikum begeistern. Kein verbissenes Abspulen, keine übertriebene Theatralik, stattdessen unbändige Spielfreude, die auch schon mal im freundschaftlichen „Battle“ an den Instrumenten ausufert. Double Drums beweisen, dass es keiner vielköpfigen Formation bedarf, um taktgewaltiges Feuer beim Publikum zu entfachen.

Zwei Männer, dazu stimmungsvoll eingesetzte Licht- und Soundtechnik — das sind die Zutaten für große Momente im Zeichen des Rhythmus. Seit Jahren sind die beiden Meisterschüler der Münchener Hochschule für Musik als Solisten und mit Projekten zwischen Peking und Straubing unterwegs. Als Profis, die ihre Arbeit spielerisch verkörpern — auch in Workshops an Grundschulen. Bei zahlreichen Fernsehauftritten präsentierten sie ihre Kunst in deutschen Wohnzimmern. Und sogar dem Volksmusikprinzen Florian Silbereisen brachten Double Drums schon eine überfällige Portion Groove bei.