Die Wasserqualität in der Nordeifel ist gut

Wenig Plastikmüll und niedrige Nitratwerte : Wasserqualität in der Nordeifel lässt nicht zu wünschen übrig

Plastiktüten, Taschentücher und Coffee-to-go-Becher – all das findet man in den Gewässern in der Nordeifel selten. Nicht zuletzt, weil die Flüsse und Bäche bekanntlich durch die freie Natur fließen und wenig Kontakt zu Siedlungen und Straßen haben.

Aber auch die Wasserqualität in den Nordeifeler Talsperren ist sehr gut. Die Wassergewinnungs- und –aufbereitungsgesellschaft Nordeifel mbH (WAG) mit Sitz in Roetgen bereitet ihr Wasser in den Trinkwasseraufbereitungsanlagen Roetgen und Wehebachtalsperre auf. Zum einen nutzt sie dazu das Wasser aus ihren eigenen Talsperren, nämlich der Dreilägerbachtalsperre und der Kalltalsperre, zum anderen Wasser aus dem Obersee der Rurtalsperre und der Wehebachtalsperre.

Neben der bakteriologischen und chemischen Untersuchung innerhalb der Talsperren untersucht die WAG auch die Zuflüsse einmal pro Woche – also beispielsweise den Kallbach, Kelzerbach und Schleebach. „Bakteriologisch sind die Bäche in einem sehr guten Zustand“, sagt Dirk Delsemmé, Fachbereichsleiter „Wassergewinnung und Einzugsgebiet“ bei der WAG. „Auch mit Nitrat und Phosphor haben wir keine Probleme. Die Nitratwerte liegen etwa zwischen sieben und acht Milligramm pro Liter“, erläutert Delsemmé und weist auf den Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter hin, der in der Trinkwasserverordnung festgesetzt ist.

Als eine Ursache für hohe Nitratwerte gilt der übermäßige Einsatz von Dünger. Die bei der Tierhaltung anfallende Gülle soll den Pflanzen auf den Feldern beim Wachsen helfen. Laut Statistischem Bundesamt landen in Deutschland jährlich 200 Millionen Kubikmeter flüssiger Wirtschaftsdünger, darunter auch Gärreste aus Biogasanlagen, auf den Feldern.

Die Wasserversorger in der Nordeifel arbeiten deswegen mit über 200 Landwirten rund um die Talsperren zusammen. „Wir stimmen uns mit ihnen ab und besprechen auch das gewässerschonende Wirtschaften“, sagt Delsemmé. Darunter fallen beispielsweise Randstreifen an Gewässern, die nicht gedüngt werden dürfen. „Das sind tolle Kooperationen und funktionieren sehr gut.“ Zu der Kooperationsvereinbarung mit den Landwirten gehört auch, dass den Wasserwerken mittgeteilt wird, welche Art von Dünger wann und wo verteilt wird.

Auch in der Perlenbachtalsperre in Monschau „ist die Wasserqualität nach wie vor gut“, sagt Elmar Hackling, der beim Wasserwerk Perlenbach Abteilungsleiter im Bereich der Wassergewinnung und Aufbereitung ist. Abhängig von der Jahreszeit gebe es aber auch immer ein paar Schwankungen. „Im Sommer geht der Sauerstoffgehalt im Wasser natürlicherweise zurück. Das führt dazu, dass Eisen und Mangan ansteigen. Im Winter geht’s dann wieder runter“, sagt er.

Auch die Zuläufe, etwa der Perlenbach und Fuhrtsbach, und kleinere Bäche werden von den Mitarbeitern des Wasserwerks Perlenbach ständig kontrolliert. „Insgesamt haben wir sehr geringe Nitratwerte. Im Winter liegen wir bei vier bis fünf Milligramm, im Sommer um die zwei Milligramm Nitrat pro Liter“, erläutert Hackling.

Wie viel Mikroplastik sich in den Gewässern in der Eifel befindet, könne man indes nicht sagen. „Wir haben nicht die Möglichkeiten, das zu untersuchen“, sagt der Abteilungsleiter. Durch die Flockung und die doppelte Filteranlage in der Perlenbachtalsperre würden aber selbst kleinste Partikel zurückgehalten und herausgefiltert. „Das Wasser durchläuft eine zweistufige Filtration – also zwei Filter. Die bestehen jeweils aus einer oberen Schicht aus Filterkohle und einer unteren Schicht aus feinem Sand“, erklärt er.

Auch in der Gemeinde Simmerath ist kaum grober Plastikmüll in den Flüssen und Bächen zu finden. „Die meisten Gewässer fließen durch Wald und Natur und nicht neben Siedlungen und Wegen“, sagt Michael Bongard vom Bauamt. Das bestätigt auch Marcus Seiler, Sprecher beim Wasserverband Eifel-Rur (WVER): „Durch die teilweise sehr dünne Besiedlung ist Plastikmüll in den Gewässern kaum ein Problem.“

Der WVER ist im Bereich der Nordeifel hauptsächlich für die Unterhaltung und Entwicklung von Fließgewässern zuständig, die im Einzugsgebiet der Inde liegen, unter anderem auch für den Dreilägerbach. „Wir beseitigen also Ablagen, umgestürzte Bäume oder kümmern uns um Mäharbeiten am Gewässer“, sagt Seiler.

Chemische Untersuchungen führt der WVER an der Urfttalsperre und der Rurtalsperre durch, sowie im Zulaufbereich. „Nach Regenereignissen kann es punktuell immer Steigerungen bei bestimmten Werten geben, weil dadurch Dinge in die Talsperren hineingespült werden“, sagt er. Aber generell seien die Gewässer in der Eifel nur gering belastet.

Dass das Thema Mikroplastik immer weiter aufkommt, weiß Seiler. „Aber darüber, wie viel Mikroplastik in den Gewässern in der Nordeifel vorhanden ist, haben wir noch keine Erkenntnisse.“ Derzeit gebe es auch noch keine Richtlinien und Grenzwerte seitens der EU. Dass da aber in Zukunft etwas kommen könnte, ist sich Seiler sicher. Damit man dann gewappnet sei und schon die ein oder andere technische Möglichkeit auf Lager habe, habe man in der Kläranlage Soers in Aachen bereits eine sogenannte Ozonanlage installiert, die problematische Mikroverunreinigungen bekämpfen könne. „Relativ gesprochen sind wir beim Thema Mikroplastik aber noch am Anfang der Entwicklung.“

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