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Lammersdorf: Die Waldwichtel bekommen ein neues Zuhause

Lammersdorf : Die Waldwichtel bekommen ein neues Zuhause

Kleine Waldbewohner, wie Wichtel und Waldgeister gibt es doch! „Viele Erwachsene meinen, das sei alles Quatsch, aber ich bin mir da nicht mehr so sicher”, schmunzelt Förster Jörg Melchior zu den Kindern und behauptet im Wald passierten seltsame Dinge.

Die Naturtage für Kinder und Eltern der Gemeinde Simmerath bieten auch in diesem Sommer Abwechslung in den Ferien - und das direkt vor der Haustür. Es galt, den Wald zu erkunden, Waldwissen zu erlangen und mystischen Waldwesen auf die Spur zu kommen. Bevor es am Treffpunkt an der Grundschule Lammersdorf los geht, gibt Jörg Melchior noch einige Anweisungen an die Kinder: „Ihr wisst ja, dass jeder auf sich selbst aufpassen muss”.

Sehen steht im Mittelpunkt

Und auf die Frage, was noch im Wald wichtig ist, wissen die Kinder schon die Antwort: „Sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen!” Heute steht das Sehen im Mittelpunkt der dreistündigen Wanderung. Denn um die winzigen Waldbewohner zu entdecken, muss man schon sehr genau hinschauen.

Vor zehn Jahren hat Melchior die Stelle des stellvertretenden Leiters der Naturkundlichen Bildungsstätte in der Grundschule Lammersdorf übernommen und wurde vier Jahre später Leiter der Einrichtung. Die Erlebnistage in den Ferien gaben es damals schon.

Es wurden große Wanderungen gemacht. „Mir ist dabei aufgefallen, dass sich diese langen Strecken nicht so gut für die Familien mit kleinen Kindern eignen. Also habe ich ein neues Programm zusammengestellt. Wanderungen von nicht zu langer Dauer mit interessanten Themen für die Kids”, erklärt der Förster.

Heilkräuter, Tiere und Handwerk

Dabei geht es bei den verschiedenen Trips im Wald um Pflanzen und Heilkräuter, Tiere aber auch um Handwerkliches, wie bei der Waldwerkstatt-Wanderung, bei der Schnitzen auf dem Programm steht.

Die Naturkundliche Bildungsstätte in der Grundschule Lammersdorf ist im Zuge der Renovierung des Schulgebäudes ausgelagert worden, und es ist noch fraglich, ob und in welcher Größe sie wieder aufgebaut wird. Melchior hat sich aber sehr an die Schule gewöhnt, sodass von dort aus immer noch die Wanderungen gestartet werden.

Als Forstbeamter beim Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde arbeitet der Förster für die Naturtage mit der Gemeinde Simmerath zusammmen.

Viele „alte Bekannte”

Einige Kinder kennt Jörg Melchior schon aus dem Kindergarten und der Grundschule, wo Naturkunde auch durch ihn und seine Wanderungen im Wald gelehrt wird. Er begleitet die Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse. Mindestens einmal im Jahr steht ein Ausflug mit den Kindern an. „Ich versuche ihnen damit den Bezug zum Wald wieder zu geben”, schildert Melchior und sieht seine Arbeit auch als einen Kampf gegen Playstation und Co.. Sinn sei es die Phantasie anzuregen. Im Wald gibt es keinerlei Vorgaben wie die Kinder sich beschäftigen sollen. Die eigene Kreativität ist hier gefragt.

Jörg Melchior möchte mit seiner Wanderung mehr Bewusstsein für die Natur bei den Kindern erreichen. „Sie sollen verstehen, dass sie sich in einem Lebensraum befinden, in dem jede Pflanze und jedes Tier wichtig ist und aus diesem Grund einen respektvollen Umgang verdient”, so der Förster.

„Wie sehen denn Wichtel aus?”, fragt Melchior die kleinen Waldentdecker. Wichtel gehören zu der Familie der Zwerge, sind so groß wie ein Daumen und können ganz schnell rennen. Für die Männchen, von denen man sagt, dass sie auch zaubern können, bauen die Kinder und Eltern einige Häuschen aus Stöcken, Stücke von Baumrinde und alles was man im Wald auf dem Boden findet. „Moos eignet sich zwar gut für das Dach, aber wir reißen das nicht aus, da es sonst stirbt”, versucht der Förster den Kindern klar zu machen. „Wer Wichtelhäuser baut, geht auch bedachter durch den Wald”, hofft der Förster auf das richtige Verhalten im Wald.

Melchior möchte aber auch, dass die Eltern etwas von den Wanderungen lernen. Es sei gar nicht immer notwendig in einen Vergnügungspark zu fahren, der Wald sei ein riesiger Abenteuerspielplatz. Und um dort Spaß zu haben, reichten ein Rucksack mit Proviant und ein paar Ideen.

„Ich habe schon oft bei Wanderungen mitgemacht. Im Wald macht´s immer viel Spaß”, so die siebenjährige Jana Gesa Bayer, die eine Wichtelpfeife aus einem Tannenzapfen bastelt.

Die Aufmerksamkeit wird auch beim Waldgeister basteln trainiert. Hier geht es darum Strukturen an Baumstämmen und Gesichter in der Rinde zu erkennen und mit Nase, Ohren usw. zu ergänzen.

„Auf die kleinen Dinge zu achten, wird heute ja nirgendwo mehr gefordert, aber in der Natur ist das notwendig!”, weiß Förster Jörg Melchior.

Weitere Termine

Die Naturtage der Gemeinde Simmerath bieten noch drei weitere kindgerechte Wanderungen in Begleitung von Förster Jörg Melchior an.

Im Reich der Pflanzen und Heilkräuter: Hier werden die Geheimnisse und Gesetze von kleinen und großen Heilpflanzen gelüftet. Kinder im Alter von 5 bis 10 Jahren können an den beiden Montagen, 14. und 21. Juli, von 13 bis 16 Uhr daran teilnehmen.

Die Tiere unserer Wälder: An den beiden Donnerstagen, 17. und 24. Juli, findet von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr eine Wanderung für Kinder im Alter von 5 bis 10 Jahren statt. Das Erkunden von meist ungesehenen Tieren steht auf dem Programm.

Waldwerkstatt: Bei einer Wanderung für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahre, geht es in den Wald zum Schnitzen. Die Waldwerkstatt findet an den beiden Freitagen, 18. und 25. Juli, von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr statt.

Treffpunkt ist stets die Naturkundliche Bildungsstätte an der Grundschule Lammersdorf. Alle Veranstaltungen sind kostenlos. Voranmeldung wird erbeten im Rathaus Simmerath 02473/607-0.