Einruhr: Die St. Nikolaus ganz sanft auf das Eis des Obersees gelegt

Einruhr : Die St. Nikolaus ganz sanft auf das Eis des Obersees gelegt

Um Punkt 14.10 Uhr am Freitag kam das neue Rurseeschiff erstmals in Berührung mit Wasser — allerdings handelte es sich um gefrorenes Wasser. Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein neues Schiff bei der Einwässerung auf eine geschlossene Eisdecke trifft. Diese besondere Note gab es bei der spektakulären Aktion, als das neue Fahrgastschiff der Rurseeschifffahrt Schwammenauel, die St. Nikolaus, an ihrem Bestimmungsort zu Wasser gelassen wurde.

Rund 200 Schaulustige hatten sich am Oberseeufer Einruhr eingefunden, und vertrieben sich bei eisiger Kälte die Zeit bis zum Höhepunkt des Tages. Ehe aber die beiden 150-Tonnen-Kräne die 72 Tonnen schwere neue St. Nikolaus am Haken hatten und in die Höhe heben konnten, sollten noch einige Stunden vergehen, denn anders als geplant verschob sich die Einwässerung um einige Stunden. Die angrenzenden Cafés öffneten in dieser Zeit gerne ihre Türen.

Zahlreiche Zaungäste verfolgten von der Rurbrücke Einruhr aus gespannt das Einsetzen des neuen Schiffes in den Obersee. Foto: P. Stollenwerk

90 Minuten für 200 Meter

Auch Schiffseigner Franz-Josef Heuken legte bei den Vorbereitungsarbeiten mit Hand an. Foto: P. Stollenwerk

Anfang der Woche hatte sich der Schwertransport der Firma Kübler mit der 30 Meter langen und 7,20 Meter breiten St. Nikolaus von der Lux-Werft bei Bonn auf die 95 Kilometer lange, beschwerliche Reise in die Nordeifel begeben. Als die Fähre ab der Werft den Rhein überquerte, nahmen die Schiffseigner, die Familie Heuken, schon einmal die Nottaufe vor. Dies ist Tradition, wenn sich ein neues Schiff erstmals aufs Wasser begibt. Die eigentlich geplante Testwasserung auf dem Rhein war sprichwörtlich wegen Hochwassers ins Wasser gefallen.

Das letzte Stück der Reise erwies sich für das Schwertransportteam als besondere Herausforderung. Am Donnerstag gegen 22 Uhr war der Truck vom Parkplatz Walber-hof bei Vogelsang aus gestartet und traf bereits gegen 0.30 Uhr am Kiosk in Einruhr ein. Für die letzten 200 Meter bis zum Parkplatz am Obersee benötigte das Gefährt dann noch einmal rund 90 Minuten. Hier war absolute Präzisionsarbeit gefragt.

Bereits kurz nach acht Uhr am Freitag herrschte viel Leben in Einruhr. Immer mehr Schaulustige fanden sich ein, die zitterten und bei minus fünf Grad geduldig warteten. Viele Fotografen brachten sich in Position, während das Kran- und Transportteam routiniert die erforderlichen Vorarbeiten abwickelte. Zwischendurch wurde den Gästen dann ein Spektakel geboten, als die „Eifel“ mit aller vorhandenen Kraft ihres Elektroantriebes ins Packeis des Obersees stieß, um Platz zu schaffen für die St. Nikolaus, denn allzu große Lackschäden sollten beim Einsetzen des neues Flaggschiffes vermieden werden. Auch die Mannschaft der Rurseeschifffahrt beobachtete, diesmal aber vom Ufer aus, das Geschehen.

Start am Gründonnerstag

Weil sich das Einsetzen des Schiffes in die Länge zog, begannen die Mitarbeiter der Rurseeschifffahrt schon einmal damit, die Reling zu montieren. Ansonsten ist das neue Schiff startbereit; auch die Innenausstattung ist bereits komplett. Letzte Detailarbeiten werden noch vor Ort vorgenommen, ehe dann am Gründonnerstag, 29. März, die Schiffstaufe mit Jungfernfahrt stattfindet und damit auch gleichzeitig der Saisonbetrieb in vollem Umfang startet.

Nach stundenlangem Ausharren war es dann kurz vor 14 Uhr soweit. Die beiden Kräne hoben wie in Zeitlupe die St. Nikolaus an, schoben das Schiff zwischen den beiden Auslegern hindurch in Richtung Wasser, um es dann sanft aufs Eis zu legen. Dann gab es noch einmal Einsatzzeit für die Eifel, die das neue elegante Schiff bis zur Anlegestelle zog. Von den zahlreichen Zuschauern, die sich vornehmlich auf der Rurbrücke eingefunden hatten, gab es kräftigen Beifall. Es hatte alles geklappt.

Durchatmen konnte auch Elmar Miebach, Chef der Lux-Werft, auch wenn es ihm nicht gefiel, dass das neue in achtmonatiger Bauzeit entstandene Schiff gleich zu Beginn mit Eisschollen kollidieren musste. Der logistische Teil der Aktion aber verlief planmäßig: „Da gibt es viele Punkte zu berücksichtigen, und alles muss ineinander greifen“, sagt Miebach.

Erleichtert und stolz zeigte sich auch Franz-Josef Heuken, der Geschäftsführer der Rurseeschifffahrt, der die ersten Pläne für die St. Nikolaus im Jahr 2015 entwickelte. Für die Schifffahrt auf dem Obersee verspricht er sich durch die barrierefreie St. Nikolaus eine neue Attraktivität: „Das wird sich bestimmt gut entwickeln“, meinte er voller Zuversicht.