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Nordeifel: Die Patienten fügen sich in ihr Schicksal

Nordeifel : Die Patienten fügen sich in ihr Schicksal

Hatte vor Inkrafttreten der Gesundheitsreform am 1.Januar die für Kassenpatienten obligatorische Praxisgebühr für hitzige Debatten gesorgt, so scheinen sich die Menschen nun mehr oder weniger in ihr Schicksal gefügt zu haben.

Eine Umfrage in der Praxis von Dr. Hege in Konzen zeigte, dass so gut wie alle Patienten den Geldschein beim Eintritt bereits parat haben und ihn ohne Murren zahlen.

Anders sieht die Akzeptanz des auch „Eintrittsgeld” genannten Betrages allerdings bei Dr. Hege selbst und seinem Personal aus: Wegen des hohen bürokratischen und auch technischen Aufwands, der sowohl mit der Praxisgebühr, als auch sonstigen Neuerungen verbunden ist, sind sie eher schlecht auf die Urheber des Ganzen zu sprechen.

Im Gespräch mit der Lokalredaktion Nordeifel sieht Dr. Hans-Dieter Hege nicht die Praxisgebühr als Einzelmaßnahme, sondern die Summe der eingeführten Regelungen als „weitere Glieder in der bürokratischen Überfrachtung” des Arztes.

Was die 10 Euro pro Quartal angeht, so kommen diese ihn recht teuer zu stehen, obwohl er letzten Endes weder für seine Arbeit noch den Patienten einen Nutzen darin sieht. So musste eine Geldschublade angeschafft werden, ein Nachttresor ist eingebaut worden, in den nächsten Tagen wird ein EC-Lesegerät installiert, für Diejenigen, die lieber per Karte bezahlen möchten. Nicht zuletzt ist die Arbeit einer Helferin nötig, um den Mehraufwand zu bewältigen.

Dr. Hege weist auf die anderen Maßnahmen hin, die „einen Datenschrott produzieren, ohne dass ein Mensch schlauer oder gesünder” wird. So ist, von der Öffentlichkeit unbemerkt, ein Diagnoseschlüssel eingeführt worden, der die Daten des Patienten in einen Buchstaben- und Zahlencode umsetzt, was in teils umständlicher und zeitraubender Kleinarbeit vom Personal in den Computer eingegeben werden muss. Dabei bedauert Dr. Hege, dass die Erklärung dieses Codes dem Arzt wiederum Zeit wegnimmt, die dem Patienten dann fehlt.

Der Wegfall der Kassenleistung für viele bisher verschreibungspflichtige Medikamente und die damit verbundene zusätzliche Ausstellung von Privatrezepten schließlich ist der dritte Grund, warum der Arzt sich von der Gesundheitsministerin „auf den Arm genommen und verhöhnt” fühlt: „Alle drei Dinge zusammen genommen, sind eine enorme Mehrbelastung, ohne dass ein Vorteil für den Patienten sichtbar wird.”

Drei Drucker sind seit dem 1. Januar in der Praxis Hege ständig im Betrieb, um Quittungen für die Praxisgebühr, Kassen- und Privatrezepte sowie endlos viele Überweisungen auszudrucken.

Birgit Reinartz aus dem Praxisteam erzählt, dass sie zum Beispiel für ein Ehepaar sieben Überweisungen für Fachärzte ausgefertigt hat. Der Facharzt, da ist sie sicher, hat nicht so viel Arbeitsaufwand, „weil die Leute ja erst mal zum Hausarzt gehen”.

Ihre Kollegin Anja Offermann glaubt auch, „dass Frau Schmidt sich über Kosten und Aufwand keine Gedanken gemacht hat”. Die Patienten allerdings, wie Sandra van Zantvoort täglich an der Anmeldung erfährt, sind gut informiert über die Neuerungen und lassen ihren eventuellen Ärger nicht am Personal aus. Marion Isaac fügt hinzu, dass sie Patienten, die kein Geld dabei haben, bittet, in der Wartezeit die 10 Euro noch zu holen. Erfreulicherweise täten das auch alle.

Eine Umfrage im Wartezimmer bestätigt den Eindruck des „gehorsamen Patienten”: Achselzuckend, doch mit resigniertem Gesichtsausdruck beantworten die meisten die Frage nach ihrer Reaktion auf die Praxisgebühr. „Ja, wir müssen sie halt bezahlen”, meint Luise Knein aus Imgenbroich, und Maria Reinartz aus Mützenich pflichtet bei „Was von oben kommt, das muss man ja auch machen.”

Manfred Maas, ebenfalls aus Imgenbroich, bringt seine Meinung auf den Punkt: „Das ist nicht gerechtfertigt, die Regierung ist schuld, da muss man jetzt immer das Portemonnaie dabei haben”.

Gabi von den Driesch aus Mützenich, die wegen ihres kleinen Sohnes die Praxis aufsucht, glaubt, dass eher andere Wege zur Finanzierung beschritten werden müssten. Sie plädiert dafür, auch bei Kindern und Jugendlichen eine Rezeptgebühr einzuführen: „Warum werden die Ärzte dazu verdonnert, das Geld einzusammeln, wenn die Kassen zu wenig Geld haben? Das ist Blödsinn und Schmuh.”

Einzig eine junge Frau aus Simmerath, die selbst in einer Apotheke tätig ist, hat eine gegensätzliche Ansicht: „Da ist jahrelang Missbrauch betrieben worden, und jetzt sehen die Leute mal, was das kostet. Das Ärztehopping hört jetzt vielleicht mal auf”.