Rurberg/Einruhr: Die letzte offizielle Fahrt der St. Nikolaus

Rurberg/Einruhr: Die letzte offizielle Fahrt der St. Nikolaus

Nein, über die Bordlautsprecher ertönte nicht das herzergreifende „Time to say godbye“ von Sarah Brightman und Andrea Bocelli, als die „St. Nikolaus“ bei wolkenverhangenem Himmel, Nieselregen und einer frischen Brise am Anleger der Rurseeschifffart in Einruhr festmachte.

Das Wetter passte eigentlich zum Anlass, da das 53 Jahre alte Ausflugsschiff mit dem Anlegen offiziell seine letzte Fahrt auf dem Obersee beendet hatte. Ein größeres und modernes Schiff wird die St. Nikolaus im Frühjahr ersetzen, die dann eventuell schon über den österreichischen Wolfgangsee oder ein anderes Gewässer schippert.

Entscheidender Einschnitt

Kapitän Ralf Keppler, der seit 14 Jahren das Ruder in der Hand hält, war bei der „Abschiedsfahrt“ auf der sogenannten Nationalparkroute schon ein wenig wehmütig und gab unumwunden zu, dass die Trennung von der St. Nikolaus schon ein „entscheidender Einschnitt“ in seinem Leben sei. „Das fällt mir schon schwer und bricht mir auch das Herz“, räumt er ein, während er das fast zwanzig Meter lange Schiff über den Obersee steuert.

An diesem Tag ist die St. Nikolaus im übrigen das einzige Schiff der Rurseeschiffart, das auf dem Rur- und Obersee verkehrt. Wegen des aufgekommenen Sturms hat man den Schiffsverkehr auf beiden Seen vorsichtshalber eingestellt. Lediglich die kleine und nicht so windanfällige St. Nikolaus ist auf dem Obersee unterwegs.

Ihre letzte Tour hatte um 15 Uhr in Einruhr mit 22 Passagieren an Bord begonnen. Über Jägersweiler war es dann nach Rurberg gegangen, wo die meisten Fahrgäste ausstiegen. Mit dem Rurberger Damm im Rücken trieb der 10 PS starke Elektromotor dann das Ausflugsschiff bei durchgebrochener Sonne vorbei an den herbstlich gefärbten Hängen des Nationalparks in Richtung Urftmauer.

Rudolf Baum, Bereichsleiter der Weißen Flotte für den Obersee, kommt bei diesem Anblick nach unzähligen Fahrten auch heute immer noch ins Schwärmen. Sowohl er als auch Kapitän Keppler betonten, dass keine Fahrt wie die andere war und aufgrund der Schönheit der Natur keine Langeweile aufkam.

An der Anlegestelle an der Urftmauer herrschte reger Andrang. Gut 70 Personen nebst zwei Kinderwagen, einem Fahrrad und einem Hund strömten auf das Schiff, wo viele trotz aufziehender Wolken und einsetzendem Regen auf dem Oberdeck Platz nahmen.

Der Familie Groß aus Stolberg und dem Rentnerehepaar Breuer aus Aachen war dabei wie den meisten anderen Fahrgästen nicht bewusst, dass sie an der letzten offiziellen Fahrt der St. Nikolaus teilnahmen.

In dem Zusammenhang verweist Ralf Keppler allerdings auf die vielen Stammgäste des Schiffes, die über das Ende der Ära der St. Nikolaus bestens informiert waren. „Die haben in den letzten Tagen noch einmal die Gelegenheit genutzt, um mit ihrer St. Nikolaus mit zu fahren“, erzählt er und weist mit sichtlichem Stolz darauf hin: „Das Schiff hat einen eigenen Fan-Club.“

Nachdem sich am Anleger in Rurberg die meisten Fahrgäste verabschiedeten, drehte Kapitän Keppler den Bug in Richtung Einruhr, wo man dann kurz vor 17 Uhr „vor Anker“ ging.

(ho)