Simmerath: Die Hebammen zeigen Flagge

Simmerath: Die Hebammen zeigen Flagge

Eine kleine hellblaue Fahne mit der Aufschrift „Hebamme unterwegs” soll die Geburtshelferinnen im Straßenbild sichtbar machen, wenn sie zu Frauen, Familien, Kindern oder in die Klinik unterwegs sind.

„Hebammen unterwegs für Frauen und Familien” lautet auch das Motto des weltweiten Aktionstag der Hebammen am Dienstag.

Betreuung auch nach der Geburt

Auch die Hebammen aus der Eifel zeigen Flagge für eine Verbesserung der Arbeits- und Lohnsituation in den Kreißsälen und für die bessere Vergütung freiberuflicher Arbeit. Im Krankenhaus Simmerath hat jede Frau ihre freiberufliche Hebamme, die sie als Fachfrau in den Lebensphasen Schwangerschaft, Geburt und wochenbett betreut.

„Frauen erfahren durch die eins zu eins Betreuung von ihrer Hebamme Geborgenheit und Sicherheit, das ist der Startschlüssel zu gesunden Familie”, weiß die Hebamme Eva Krings.

Diese individuelle Geburtshilfe sei am Simmerather Krankenhaus Normalität, während in den meisten Entbindungskliniken die personelle Situation in den Kreißsälen katastrophal sei. Eine angestellte Hebamme betreue, neben den Schwangeren die sich auf der Station befinden, zwei bis drei Frauen während der Geburt.

Unterbesetzung und Arbeitsäberlastung gehörten zum Alltag einer Kreißsaalhebamme. „Frauen wünschen sich neben medizinischer Sicherheit auch ein großes Maß an Geborgenheit - vor allem aber eine Hebamme, die Zeit für sie hat”, sagt Eva Krings.

Eva Krings hat nach ihrer Ausbildung zur Hebamme in der Mainzer Uniklinik drei Jahre als angestellte Hebamme in Köln gearbeitet und weiß, wovon sie spricht. „Eine individuelle Betreuung der Gebärenden war nur selten möglich, die Vergabe an Schmerzmitteln war hoch und die Zufriedenheit der werdenden Mütter und Hebammen gering.”

Das war für sie auch der Hauptgrund für den Wechsel in die Freiberuflichkeit, die ihr von ihrer Mutter als „Allround-Beruf” wohlbekannt war.

Auch ihre Kolleginnen sind in der Eifel alle freiberuflich tätig. Den Hebammen sind die gebärenden Frauen vor der Geburt bekannt, so dass sie ruhigen Gewissens sagen können: „Wir kennen unsere Pappenheimer!”

Auch nach der Geburt gehe die Betreuung nahtlos weiter. „Hier fällt keiner durchs Raster”, betonen die Geburtshelferinnen. Dabei werde die Verantwortung immer größer, erklärt Rita Greuel. Das Berufsbild und dessen Stellenwert habe sich verändert, eine Hebamme habe heute viel mehr die Position einer Vertrauensperson für die schwangeren Frauen und ihre Familien.

Viel Arbeit, wenig Lohn

Die Betreuung durch die Hebammen sei nicht nur im Kreissaal wichtig, sondern auch vor und nach der Geburt. Hinzu komme die ständige Bereitschaft. „Die Frauen können immer anrufen, das Telefon steht neben dem Bett”, sagt Rita Greuel.

Den Aktionstag wollen die Hebammen nutzen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Für ihren großen Einsatz und die Verantwortung, die sie tragen, erhalten sie nämlich eine eher geringe Entlohnung. Rund zehn Euro brutto beträgt ihr Stundenlohn, und auch die Hausbesuche sind nicht gerade gut bezahlt.

Fortbildungen müssen von den Hebammen aus eigener Tasche bezahlt werden. „Aber das ist unser eigenes Interesse, wir wollen ja auf dem Laufenden bleiben”, sagen die Geburtshelferinnen. Ein weiterer Punkt sind die Kosten für eine Haftpflichtversicherung.

„Die Beiträge sind enorm gestiegen, zehn Geburten sind nötig, um das Geld wieder reinzuholen”, erklärt Sabine Stollenwerk. Trotz aller Schwierigkeiten lieben die Hebammen ihren Beruf. „Wir sind mit ganzem Herzen bei der Sache, sonst hätten wir den Job längst geschmissen”, erklären sie unisono.