Die Eifel auf der Frankfurter Buchmesse

Branchentreffen in Frankfurt am Main : Die Eifeler und die Eifel auf der Buchmesse

Beim jährlichen großen Treffen der Buchbranche in Frankfurt am Main sind auch einige Vertreter der Region mit ihren Produkten anzutreffen.

Wenn internationale Gäste mit schweren Taschen und Koffern durch die Straßen von Frankfurt huschen, an jeder Straßenecke ein Buch angepriesen wird und der Herbst Maincity herbstlich angemalt hat, wissen Leseratten aus der ganzen Welt, was das bedeutetet: Die Buchmesse hat eröffnet. Die Messe, die bereits seit 1949 besteht, lockt alljährlich auch Verleger und Autoren aus der Eifel und Grenzregion in die hessische Metropole.

Gerne trifft man sich an einem der zahlreichen, liebevoll und individuell gestalteten Stände und tauscht sich aus. Einer von ihnen ist Krimiautor und KBV-Inhaber Ralf Kramp: „Ich fahre seit 19 Jahren als Verleger nach Frankfurt und seit 1996 als Autor.“ Kramp, der in diesem Jahr das 30-jährige Bestehen seines Krimiverlages feiert, landete vor einigen Wochen mit seinem neuen Buch „Mord mit Eifelblick“ auf der Independent-Bestsellerliste.

Eine Szene spielt im „Café Kaulard“ in der Monschauer Altstadt, eine andere auf der Rurbrücke. Mittlerweile ist aber nicht mehr nur die Eifel Schauplatz angsteinflößender Verbrechen im KBV-Verlag, sondern ganz Deutschland und auch das spanische Benissa. „Charly Weller ist mit seinen Frankfurtkrimis ein echter Quotenbringer, Dirk M. Staats erzählt seine Geschichten in Hannover, Christoph Güsken schreibt über Münster und Cia Born legt die Leiche eines Oberstudienrates in die spanische Kleinstadt Benissa. KBV-Autoren kommen rum“, freut sich Kramp.

Arne Houben vom „Rhein-Mosel-Verlag“ hatte in diesem Jahr „unheimlich viele Neuerscheinungen“ mit auf die Messe gebracht, die vom Unterhaltungsroman, zum Krimi, zum Sachbuch und zum historischen Werk reichen. Während Marion Bischoffs und Tina Grashoffs „Bier mit Dir“ in die Kategorie romantischer Unterhaltungsroman fällt, wagte Houben mit Ernst Heimes „Bevor das Vergessen beginnt“ und „Ich habe immer nur den Zaun gesehen“ den Schritt in die wissenschaftlich-historisch Literatur: „Heimes hat sich mit dem KZ-Außenlager in Cochem befasst. Ohne diesen Mann würden heute noch viele sagen: ‚Da war doch nichts’.

Genau für solche Geschichten ist mein Verlag da“, so der Verleger. Besonders stolz ist Houben, dass die Rhein-Mosel-Verlag-Veröffentlichungen „Heidelbeerkind“, „Heidelbeerfrau“ von Marion Bischoff und „Hanna - Kriegsjahre einer Krankenschwester“ von Sandra Jungen kürzlich in die Liste der rheinland-pfälzischen Schullektüren aufgenommen wurde. Unter dem Titel „Workshop Geschichte“ sind ab sofort Unterrichtsmaterialien für Lehrpersonen erhältlich.

Hubert vom Venns „Ein Schuss verhallt in Ewigkeit“, der siebte Fall für Charly Nusselein, ist eine weitere Neuerscheinung des Verlags aus Zell: „Die Beschreibungen der Nordeifeler und der Nordeifel als Landschaft machen die Krimis interessant. In jedem der sieben Bände geht es um eine ganz andere Form des Verbrechens.“

Viele unterschiedliche Themen deckt auch Sven Nieder vom Dauner Verlag „Kraterleuchten“ ab: „Wir haben das Interesse, besonders schöne Bücher zu machen. Wir machen die Bücher, die wir machen wollen. Daher gibt es bei uns Fotobände, wissenschaftliche Literatur, Kindergeschichten und Kochbücher.“ Unter dem Namen „Edition Bildperlen“ besteht bereits seit einiger Zeit eine Kooperation zwischen „Kraterleuchten“ und dem Münsteraner Zeitschriften-Verlag Fotoforum.

Fotoforum-Herausgeber Martin Breutmann, Fotograf und Journalist, lernte Nieder beim Wandern durch die Eifel kennen. „Wir möchten Fotografen eine angemessene und würdevolle Bühne geben, sich zu präsentieren.“ Auch hierbei setzt der Verlag auf Vielfältigkeit. Während Fotojournalist Jürgen Escher in „Über Leben – 40 Jahre Cam Anamur“ bedrückend festhält, wo die Not am größten ist, präsentiert der Schweizer Wolfgang Bernauer mit „Mein griechisches Dorf“ eine Langzeitstudie über das facettenreiche und ursprüngliche Leben.

„Erfolgreich und super“ ist für Verleger Nieder das neue Foto-Buch von Kabarettist, Musiker und Autor Achim Konejung. Auf 304 Seiten entführt Konejung seine Leser unter die sichtbare Oberfläche der Eifel: „Er hat sich Tunnel, Wasserleitungen, Römerkanäle, Keller und Bunker angeschaut. All das ist vor unserer Haustür und Du kennst es nicht, weil es so versteckt ist“, so Nieder.

Aber nicht nur die deutschsprachige Eifel war auf der Frankfurter Buchmesse vertreten. Die Mützenicherin Susanne Jaspers vom luxemburgischem Capybarabooks-Verlag verbindet EU-Ausland und Eifel: „Wir veröffentlichen Reiseliteratur- und Führer, aber auch Romane, überwiegend von luxemburgischen Autoren. Eine unserer Niederlassungen ist in Mützenich.“ Das jüngste und anrührenste Werk der studierten Sprach- und Literaturwissenschaftlerin ist „Wir sehen uns in Venedig“, das sie gemeinsam mit ihrem an Krebs erkrankten Mann Georges Hausemer schrieb. Er berichtete in einem Blog über seine tödliche Erkrankung. Sie erzählte seine Geschichte zu Ende.

Der aus Ostbelgien stammende Musikproduzent und Neu-Autor Walter Strom, alias Lucas Gauthier, war ebenfalls zu Gast auf der beliebten Büchermesse. Nachdem sein Frankreichroman „Wir sehen uns am Ende der Seine“ bereits zu Beginn des Jahres auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde, präsentiert ihn der Piper-Verlag nun auch in der Hauptstadt am Main.

Im nächsten Jahr trifft sich die Litertaurbranche ab dem 14. Oktober 2020 erneut in der Börsenstadt, um Bücher zu präsentieren, Freunde wiederzusehen und Literaturneuigkeiten kennenzulernen.

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