Monschau: Die Demokratie erhalten und neues Leid verhindern

Monschau: Die Demokratie erhalten und neues Leid verhindern

Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte hat am Dienstag Heimatforscher Jürgen Siebertz aus Lammersdorf aufgeschlagen, als er jetzt anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor der Klasse 10 der Monschauer Mädchenrealschule St. Ursula in einem Vortrag zur Mut und Wachsamkeit aufrief.

Er hatte Auszüge und Fotos aus seinen nunmehr 14 erschienenen Regionalbüchern mitgebracht und ließ auch eigene Erfahrungen aus der Nachkriegskindheit in seinen Vortrag einfließen.

Wie konnte Hitler zum Führer von Deutschland werden? Warum mussten Millionen Menschen ihr Leben lassen? Und schließlich: Inwieweit verfolgt uns diese Vergangenheit heute und in Zukunft noch? Mit den Antworten auf diese Fragen zog der Heimatforscher die Aufmerksamkeit der 70 Mädchen auf sich und seine Geschichten.

Zu Beginn beschrieb der Heimatforscher, der 1942 geboren wurde, seinen Alltag als „Kriegskind“. „Unsere Spielzeuge waren nicht Smartphones oder Computer, die Spielplätze meiner Generation waren die Bunker und Höckerlinien der Region.“ Der Bezug zu aktuellen Themen, wie Pegida durfte natürlich auch nicht fehlen und wurde immer wieder von ihm aufgegriffen.

Während er den politischen Aufstieg Hitlers über den Putsch in München, die Gründung der NSDAP und schließlich seinen Aufstieg zum „Führer“ beschrieb, spürte man immer wieder Ungläubigkeit und Betroffenheit in den Reihen der Zuhörer.

Hitler verfasste seine Ideologie, als er nach dem Münchener Putsch im Gefängnis landete, in seinem Buch „Mein Kampf“. Siebertz erinnerte daran, wie Hitler dem Volk Arbeit und Wohlstand versprach. Die Hitler-Anhänger zogen uniformiert, mit Trommeln und Fahnen durch die Straßen, berichtete Siebertz. Schließlich konnte die NSDAP die Macht im Berliner Reichstag übernehmen und ihr Anführer wurde zum Reichskanzler ernannt.

Nachdem Deutschland 1939 Polen, Luxemburg, Frankreich, Belgien und Holland den Krieg erklärt hatte, nahm das Regime auch die Verfolgung der Juden auf. Jürgen Siebertz: „Das sagt sich jetzt so locker dahin, aber es waren nicht ein paar hundert, nein es waren sechs Millionen Menschen, vor denen die Nazis kein Pardon kannten. Welch eine größenwahnsinnige Überheblichkeit gegenüber anderen Menschen“, so der Referent.

Weiter berichtet er von einem persönlichen Erlebnis: „Ich habe mir vor einigen Jahren das Konzentrationslager Auschwitz angeschaut. Ihr glaubt nicht, was da für Sadisten am Werk waren, das kann man sich nicht ausdenken oder nachbauen, das ist einfach grauenhaft!“

Siebertz stellte klar: „Es fällt schwer, die Wahrheit zuzugeben, aber es waren deutsche Menschen, die die Juden aus ihren Häusern holten und in die Gaskammern trieben“. Auch in der Eifel seien antisemitische Aktionen vorgekommen. Selbst katholische Pfarrer hätten zur Unterstützung Adolf Hitlers aufgerufen. Mit dem Bau des Westwalls, der Autobahn und der Talsperren habe das Nazi-Regime dem einen gewissen Wohlstand vorgespielt.

Nahezu 80 Millionen Menschen hätten schließlich im Krieg ihr Leben verloren.

Siebertz erinnerte auch an die Traumatisierung der deutschen Soldaten: „Das Gefühl, doch nur die Pflicht getan und Befehle ausgeführt zu haben, hat sie wohl nie mehr losgelassen. Hitlers Machtbesessenheit hatte die Menschen in den Tod und den Ruin getrieben.“

Abschließend appellierte Siebertz an die 70 Schülerinnen, sich bewusst zu machen, wie wertvoll es sei, in einem friedlichen Deutschland aufwachsen zu dürfen: „Wenn Deutschland ein modernes und weltoffenes Land sein soll, dann dürfen wir friedliebende Andersgläubige oder Menschen anderer Nationen nicht anders behandeln, als friedliebende Deutsche.“

Die Schülerinnen ermahnte er, mit dafür zu sorgen, „dass der Frieden erhalten bleibt und dass die Kinder und Enkel der nächsten Generationen niemals so ein Elend und Leid erleben sollen.

Nach einem kurzen Moment des Schweigens brach ein lauter Applaus aus. Nach dem Vortrag schufen Lieder, die von der Schülerin Johanna Kreitz am Keyboard gespielt wurden, Zeit zum Nachdenken und zum Verstehen.

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