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Hürtgenwald: Die Ästhetik im Alltäglichen

Hürtgenwald : Die Ästhetik im Alltäglichen

Schier endlos schlängelt sich die Straße von Hürtgenwald nach Simonskall. Kurve folgt auf Kurve, durch die dichte Bewaldung liegt die Strecke selbst tagsüber im Halbdunklen. Aufeinander zufahrende Autos müssen geschickt ausweichen, um nicht zu kollidieren, so eng ist die alte Straße an vielen Stellen.

Der Weg in die abgelegene, 70 Einwohner kleine Enklave der Gemeinde Hürtgenwald lohnt dennoch, ganz besonders dieser Tage; denn vergangenen Samstag eröffnete im Haus des Gastes eine Ausstellung mit Seltenheitswert, eine „wirkliche Rarität”, wie Bürgermeister Axel Buch bei der Vernissage fast andächtig raunte.

Peter Stollenwerk (50), Redakteur des Zeitungsverlages Aachen in der Monschauer Lokalredaktion, darf, muss als einer der besten und renommiertesten Fotografen der Region bezeichnet werden. Ausstellungen seiner Fotos lehnt er dennoch fast grundsätzlich ab. „Zuviel Arbeit”, entgegnet er meist, und es bleibt unklar, ob Gesagtes als Ausrede oder letztlich doch als Bescheidenheit zu werten ist.

Hecken und Westwall

„Erst nach Augenscheinnahme des Haus des Gastes”, einem verwinkelten, 453 Jahre alten Fachwerkhaus am Ortsende, sei Stollenwerks „Widerstand gebrochen”, sagte Franz Tiedtke, Mitglied des Vereines „Höhenart”, der zweimal im Jahr Ausstellungen in Simonskall organisiert.

Ausgestellt sind rund 50 Fotos, die in den vergangenen 20 Jahren in der Nordeifel entstanden sind. Ihn als Eifelfotograf zu bezeichnen, würde seinem Talent jedoch kaum gerecht werden, obschon er sich überwiegend auf landschaftliche Motive - von Hecken bis zum Westwall - aus seiner Heimat kapriziert.

Keine spektakulären Motive

Peter Stollenwerk inszeniert keine spektakulären Motive, um sie mit alltäglichem handwerklichen Geschick fotografisch festzuhalten; vielmehr sind seine Motive Ausschnitte aus dem Alltäglichen, festgehalten in handwerklich bisweilen spektakulärer Manier. Stollenwerk zeigt auf seinen Bildern also nichts grundsätzlich Neues, sondern eröffnet Sichtweisen auf Bekanntes aus vollkommen neuen Perspektiven, schärft den Blick des Betrachters für die Ästhetik des Alltäglichen. Die Bezeichnung Kunst, durch inflationären Gebrauch beinahe etwas abgewertet, ist für Stollenwerks Fotos mithin die einzig angemessene.

Kaspar Vallot, Ex-Chefredakteur der „Nachrichten”, gab eine erschöpfende Einführung ins Wesen der Fotografie als „zu Unrecht verkannte Kunstform”. Die Ausstellung läuft bis 18. Juli ist und mittwochs und samstags zwischen 14 und 18 Uhr, sonn- und feiertags zwischen 10 und 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.