Derzeit kein Pflegefachkraft-Mangel in der Nordeifel

Demografische Entwicklung : Pflegefachkraft-Mangel zeichnet sich in der Nordeifel derzeit nicht ab

Die demografische Entwicklung und der medizinische Fortschritt führen bereits seit Jahren dazu, dass der Bedarf an Pflegepersonal kontinuierlich steigt. Waren 2015 laut dem Statistischen Bundesamt noch 2,9 Millionen Menschen pflegebedürftig, waren es 2017 schon rund 3,4 Millionen.

Deutschlandweit fehlen jedoch viele Fachkräfte, die sich um diese Menschen kümmern. Davon ausgenommen scheint – zumindest momentan – noch die Nordeifel zu sein, wie zwei von sechs Pflegeeinrichtungen und -diensten durchblicken lassen.

„Wir haben derzeit keine unbesetzten Stellen“, sagt dazu Frank Schade, der Geschäftsführer des Maria-Hilf-Stift-Seniorenzentrums in Monschau. Aber er betont auch: „Wir sind, glaube ich, die Ausnahme.“ Er könne nicht sagen, warum es bei vielen anderen Pflegeeinrichtungen oder Pflegediensten nicht klappe, er könne nur vermuten, warum es im Maria-Hilf-Stift keine Probleme mit der Werbung und Haltung von Personal gebe. „Menschen, die einen Beruf in der Pflege erlernt haben, wollen ja davon auch leben können“, sagt er. Das setzte eine Vollzeitbeschäftigung voraus. Diese sei in der Pflegebranche bei vielen Arbeitsgebern nicht immer gegeben, da es leichter sei, die Dienstpläne mit Teilzeitkräften zu gestalten. Er biete jedoch hauptsächlich 90- und 100-Prozent-Stellen an. „Das stellt uns beim Dienstplan aber manchmal natürlich vor Herausforderungen“, räumt Schade ein.

Bezahlt werden die Pflegekräfte dort nach den Arbeitsvertragsrichtlinien des Deutschen Caritasverbandes. „Damit bekommt ein Vollbeschäftigter rund 2900 Euro brutto im Monat, plus ein 13. Monatsgehalt. Darüber hinaus gibt es noch ein Betriebsrentensystem und Zeitzuschläge“, erklärt Schade.

Auch die Caritaspflegestation in Simmerath bezahlt ihre Mitarbeiter nach diesen Richtlinien. Und auch dort gibt es derzeit kein Problem, neues Personal zu finden. Das liege auch an der Region, glaubt Pflegedienstleiterin Brigitte Bickendorff. „Anscheinend wohnen viele interessierte Pflegekräfte in der Eifel“, sagt sie. Momentan stelle man rund einmal im Monat eine neue Fachkraft ein. „Wir sind stolz, dass das so ist. Aber es ist die rühmliche Ausnahme“, betont auch sie. Die Bedürftigkeit der Menschen werde immer größer. Teilweise würden sie mit Wartelisten für die Kunden arbeiten. „Es ist ein Wettlauf zwischen neuem Personal einstellen und neue Kunden aufnehmen“, sagt Bickendorff.

Auch bei ihr würden 100-Prozent-Stellen vergeben werden, sagt sie, hauptsächlich seien es jedoch 75-Prozent-Stellen. Wichtig sei es, auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen, um sie auch langfristig halten zu können. „Wir bieten zum Beispiel für Mütter mit kleinen Kindern Touren an, die erst beginnen, wenn der Kindergarten geöffnet hat und sie ihre Kinder dort abgegeben haben“, erklärt sie. Man achte auch darauf, dass schwangere oder ältere Mitarbeiterinnen Aufgaben übernehmen, die ihrer körperlichen Konstitution angemessen seien. „Man muss seine Mitarbeiter gut behandeln und auch mal nachfragen, wie es ihnen geht und wie die Touren gelaufen sind. Wertschätzung ist wichtig“, sagt Bickendorff.

Auch die Nachwuchsförderung ist essenziell, um dem Fachkräftemangel in der Nordeifel entgegenzuwirken. Drei Auszubildende zur Pflegefachkraft gibt es bei der Caritaspflegestation derzeit. Im Maria-Hilf-Stift-Seniorenzentrum sind es sogar 14 Azubis. „Im Anschluss übernehmen wir auch viele“, sagt Schade. Um neue Auszubildende zu finden, stehe er unter anderem in Kontakt mit dem Fachseminar für Altenpflege der Städteregion Aachen in Würselen. Dieses habe eine Verbindung nach Marokko aufgebaut und vermittle marokkanische Auszubildende mit guten Deutschkenntnissen, die sich von dort aus als Pflegefachkraft bewerben würden. Diese Art der Arbeitsmigration wird auch vom Bundeskabinett gefördert, erst im Dezember hatte es ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz beschlossen, um die Hürden für die Einreise von Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten zu senken.

(nt)