Eifel: Der Wunsch nach einem guten Rutsch wird in diesem Jahr nicht erfüllt

Eifel: Der Wunsch nach einem guten Rutsch wird in diesem Jahr nicht erfüllt

Alle Leute, die anlässlich der Sonnenwende im Juni beim Grillen im Garten gesagt haben, dass es jetzt ganz schnell gehen würde, bis schon wieder Weihnachten sei, haben Recht behalten, denn jetzt es ist schon wieder so weit.

Man hat es kaum bemerkt, auch weil sich die Außentemperaturen gegenüber Juni nur unwesentlich verändert haben. Wenn das für viele wichtigste Fest des Jahres naht, dann ist es ja immer viel zu schnell gegangen. Wo ist der Advent nur wieder geblieben mit seinen vielen Terminen und Verpflichtungen? Manch einer hat ja nicht einmal Zeit gehabt, alle Weihnachtsfeiern und Plätzchennachmittage, zu denen er eingeladen war, zu besuchen.

Wieder andere schafften es nicht einmal, an den verkaufsoffenen Sonntagen im Dezember alle wesentliche Einkäufe zum Fest so kompetent zu erledigen, dass man sich unter dem Weihnachtsbaum nicht schämen muss. Und dann die ganzen verregneten Weihnachtsmärkte, sieht man einmal vom vierten Adventswochenende ab! Stand man früher Woche für Woche an der Glühweinbude des Vertrauens, so hat es diesmal oft nur zu einem schnellen Punsch im Vorbeifliegen gereicht.

Dabei waren die jahreszeitlich-typischen Heißgetränke ohnehin nicht der Hit. Wer hat bei 15 Grad Außentemperatur schon Lust auf eine erhöhte Glühwein-Schlagzahl? Es soll ja Leute gegeben haben, die in diesem Advent mit Mückenstichen vom Besuch des Weihnachtsmarktes zurückgekehrt sind anstatt mit Frostbeulen. Man spürt ja bei frühlingshaften Temperaturen im übrigen auch schlagartig die Wirkung von alkoholhaltigen Heißgetränken, selbst wenn sie nach altem Hausrezept hergestellt wurden. Anders bei Minusgraden: Beim Glühwein-Schlürfen, das weiß der erfahrene Genießer, müssen Finger und Füße kalt sein, am besten auch Nase und Kopf, dann merkt man erst beim Betreten der guten Stube, dass man auch Punsch & Co nicht unterschätzen sollte.

Wem das Weihnachtsfest mal wieder viel zu schnell und zu plötzlich mit der Tür ins Haus gefallen ist, der sollte sich erinnern, dass er lange genug vorgewarnt worden ist. Bereits Anfang Dezember, als die Menschen im Dauerregen „Zum Glück ist das nicht alles Schnee“ zueinander sagten, gab es bereits gezielte Hinweise auf das bevorstehende zweithöchste Fest der Christenheit. „Wir schenken uns dieses Jahr aber nichts, höchstens was Kleines“, sagten Ehe- und andere Partner zueinander, wenngleich dies nur für solche Zweierbeziehungen galt, bei denen die Familienplanung schon abgeschlossen ist.

Auch weitere gezielte Hinweise, Wochen vor dem Fest, waren nicht zu überhören: „Wenn wir uns nicht mehr sehen sollten, dann wünsche ich Dir und Deiner Familie jetzt schon frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.“ Spätestens dann mussten die Alarmglocken läuten. Wie oft hat man diesen Wunsch, der sich in den zurückliegenden Tagen geradezu überschlagsartig häufte, gehört? Wer hat die guten Wünsche gezählt, die uns wohlwollend in die Festtage, die diesmal ja leider nur auf ein handelsübliches Wochenende fallen, begleiten?

Falls es irgendjemand geben sollte, den diese Wünsche noch nicht erreicht haben, so seien sie an dieser Stelle noch einmal mit besonderer Zuneigung und Eindringlichkeit wiederholt. Auch die Zeitung wünscht frohe und friedliche Festtage, aber ausdrücklich ohne einen guten Rutsch hinterher, denn auch wenn wir uns diesen Rutsch, so fest wie es geht, herbeiwünschen, wird es ihn in diesem Jahr garantiert nicht geben. Dafür müsste es erst noch einmal einen richtigen, echt harten Winter in der Eifel geben. Aber das ist eine andere Geschichte.

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