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Aus der Natur unserer Heimat: Der Vogel des Jahres ist aus der Gegend verschwunden

Aus der Natur unserer Heimat : Der Vogel des Jahres ist aus der Gegend verschwunden

Die Vogelzählungen zum Braunkehlchen ergeben über Jahrzehnte immer weniger Exemplare – bis zum Erlöschen der Population.

Im Jahre 1975, als erst wenige Vogelfreunde in unserer Region ihre Vogelbeobachtungen notierten, gab es während der Brutzeit in folgenden Gebieten Sichtungen von Braunkehlchen: Gut Stillbusch, NSG Lenzbach bei Paustenbach, Wiesen zwischen Kesternich und Witzerath, im Gebiet Brückborn und Gisges, Harth bei Konzen, im Quellgebiet des Tiefenbaches und im Gewerbegebiet Simmerath.

Am 10. Mai 1981 organisierte der Deutsche Bund für Vogelschutz (DBV) aus Aachen zum ersten Mal eine systematische Erfassung der Braunkehlchen. Im Gebiet zwischen der Quelle der Kall am Bahnhof Konzen und der Mündung des Heppenbaches in die Kall wurden 20 Paare dieses kleinen Singvogels erfasst.

Im Jahre 1994 wurden wieder die Braunkehlchen erfasst, diesmal auch Brutgebiete bei Kalterherberg, Huppenbroich, Witzerath, Paustenbach, Kesternich. Im Bereich Kalterherberg wurden damals mindestens 25 singende Männchen gezählt, im Gebiet am Kluckbach bei Höfen und im Bereich Witzerath (Witzerkuhl) mindestens je drei Brutpaare, im Bereich Paustenbach sechs Brutpaare und bei Kesternich noch ein Brutpaar. Insgesamt haben damals 45 bis 55 Paare der Braunkehlchen im Bereich des alten Kreises Monschau gebrütet.

Auch in den folgenden Jahren wurden an vielen Stellen im alten Kreis Monschau Brutpaare der Braunkehlchen gefunden, von denen hier nur einige aufgeführt sind: 1995 bei Rohren, Strauch, Huppenbroich, Kalterherberg, NSG Lenzbach, Kallbenden bei Bickerath, alter Modellflugplatz an der Kall. Weitere Brutvorkommen in den folgenden Jahren: Feuchtwiesen am Schweizer Hof und Rochuskreuz bei Konzen, am Breitenbach und Klüsenborn bei Kalterherberg, Breufeld bei Strauch.

Im Jahre 2000 aber war die Anzahl der brütenden Paare schon auf 30 bis 35 gesunken. Danach sank deren Anzahl der rapide: 2004 nur noch acht bis zwölf, 2005 fünf bis sieben, 2012 drei bis fünf Paare, und in den letzten Jahren wurde überhaupt kein brütendes Paar mehr gefunden. Der Bestand der Braunkehlchen ist also zur Zeit im alten Kreis Monschau erloschen.

Da fragt man sich natürlich, weshalb die Braunkehlchen in unserer Region nicht mehr als Brutvögel anzutreffen sind. Der Lebensraum der Braunkehlchen sind feuchte Wiesen, Brachen und Feldränder. Wichtig sind einzelne Büsche, hohe Stauden oder Zaunpfähle, welche die Vögel als Sing- und Ansitzwarte nutzen. Diese Lebensräume sind in unserer Heimat weitgehend erhalten geblieben. Einige der Gebiete, wo Braunkehlchen brüteten, wurden zu Naturschutzgebieten, wie z. B. das Feuchtgebiet am Lenzbach.

Aber auch in den Naturschutzgebieten fehlen mittlerweile brütende Braunkehlchen. Klammheimlich und fast unbemerkt muss sich der Lebensraum der Braunkehlchen verändert haben. Die Gebüsche in den ehemaligen Brutgebieten sind dichter und höher geworden. Die Gebiete wurden landwirtschaftlich nicht mehr genutzt, der Boden verfilzte sich. Die Wiesenlandschaften um die Feuchtwiesen und um das Brachland werden seit einigen Jahrzehnten schon sehr früh gemäht, so dass hier keine Insekten mehr aufwachsen konnten. Grundsätzlich muss gesagt werden, dass der Mangel an Insekten die Ursache für den Rückgang der Braunkehlchen ist.

Interessant ist ein Hinweis von Heinz Weishaupt aus Mützenich. Auf dem benachbarten belgischen Truppenübungsplatz Elsenborn gibt es noch viele brütende Braunkehlchen. Wenn hier die Gebüsche zu hoch werden, werden in einem bestimmten Rhythmus Gebiete des Übungsplatzes kontrolliert abgebrannt, so dass sich die Bodenvegetation regenerieren muss. Und in den Gebieten, wo das Gebüsch bewusst kurz gehalten wird, brüten die Braunkehlchen. Natürlich gibt es im Übungsplatz auch keine Wiesen, die von Landwirten schon im Mai zur besten Brutzeit gemäht werden.