Der Vogel des Jahres 2019: die Feldlerche

Natur unserer Heimat : Die Feldlerche verschwindet aus unserer Region

Als wir als Kinder in den 40er und 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts draußen auf dem Feld arbeiten mussten, hörte man überall dort, wo offene Landschaft war, in den Monaten März bis Juli zahlreiche Feldlerchen singen.

In dem Buch „Die Vogelfauna der Rheinprovinz“ aus dem Jahr 1905 berichtet der Verfasser Le Roi, dass diese Vogelart in der Rheinprovinz so häufig sei wie die Spatzen. Im Jahr 1957 hält der Ornithologe Neubaur sie im freien Gelände, besonders auf kultivierten Böden, für außerordentlich häufig. In der Abhandlung „Die Brutvögel des Gebietes Roetgen – Monschau – Nideggen 1971-1975“ schreibt der Verfasser Udo Bick: Vorkommen „auf Feldern und Wiesen des Monschauer Heckenlandes, der Hochfläche von Vosssenack und Schmidt, des mittleren Rurtales; gelegentlich in jungen Fichtenkulturen des Monschauer Waldgebietes“.

Im Jahr 1984 gilt die Feldlerche bei Mildenberger (“Die Vögel des Rheinlandes“) als die häufigste Vogelart der Ackerbaulandschaft. Allerdings macht er damals schon darauf aufmerksam, dass Rückgänge in der Anzahl der Bruten festzustellen sind.

Bevor die Menschen hier siedelten und Felder und Dörfer anlegten, wuchs in unserer Region dichter Urwald.

Damals hätte man hier vergeblich nach Lerchen gesucht. Sie ist ein Steppenvogel gewesen und brütet auch heute nur im freien und offenen Gelände. Der Getreideanbau und die geringe Düngung auf dem Grünland förderten die Ausbreitung der Lerche auch in unserer Region. Seit Ende der 1950er Jahre, besonders aber in den 1960er und 1970er Jahren wurde der Getreideanbau in unserer Region völlig aufgegeben, die Getreidefelder wurden zu Grünland.

Da zunächst noch nicht sehr intensiv gedüngt wurde und das Grünland nicht mit Großmaschinen bearbeitet wurde, blieben noch viele Reviere für Feldlerchen erhalten. So gibt es aus den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch Nachweise singender Lerchen: im Bereich Höfen-Rohren-Alzen, im Bereich Witzerath-Kesternich-Strauch-Rollesbroich, zwischen Steckenborn und Woffelsbach, oberhalb von Rurberg sowie im Gebiet Konzen-Eicherscheid.

Im Laufe dieser Jahre verschwanden nach und nach die Feldraine, weil Bauern das Grünland kauften oder pachteten, intensiv düngten und schon im Mai die erste Mahd tätigten für Silage. Heute wird das Gras mindestensdreimal in einem Jahr gemäht, so dass Vögel, die am Boden brüten, keine Chance haben, ihre Eier auszubrüten und Junge großzuziehen. Gleiches gilt für das Rebhuhn, das in unserer Region schon seit Jahrzehnten verschwunden ist. Im Jahr 2018 wurden im Gebiet Monschau-Simmerath nur noch sechs singende Lerchen während der Brutzeit vernommen, im Jahr 2017 waren es nur vier.

Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis die Feldlerche aus unserer Region als Brutvogel verschwunden ist. Ursachen für den dramatischen Rückgang dieses Vogels im ehemaligen Kreis Monschau sind also nicht die momentane Klimaverschiebung und nicht die Bearbeitung des Bodens mit Herbiziden und Insektiziden. Es sind die Aufgabe der Gras-Feld-Wirtschaft zugunsten einer reinen Grünlandbewirtschaftung und die intensive Düngung mit Kunstdünger und Gülle. Auch die intensive Beweidung des Grünlandes mit großen Kuhherden gibt den Lerchen keine Chance zu überleben.

Wenn man Lebensräume für Lerchen und andere Feldvögel erhalten will, müssen sich Landwirte und Politiker zusammensetzen, um Möglichkeiten zu finden, etwas für den Erhalt der Natur unserer Heimat zu tun. Da Heimat auch die Natur einbezieht, wäre es auch für die Heimatvereine eine reizvolle Aufgabe, sich mit dem Überleben von Tier- und Pflanzenarten zu beschäftigen.

Wer noch gerne singende Lerchen in der Natur hören möchte, sollte sich in den Frühlings- und Sommermonaten im Nationalpark auf die Dreiborner Hochfläche oder die Hochfläche bei Wollseifen begeben. Dort singen noch viele Lerchen.

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