Nordeifel: Der tägliche Schulweg als echte Herausforderung

Nordeifel: Der tägliche Schulweg als echte Herausforderung

Der Morgen des 13. Juli sollte für Jannis Mertens eigentlich einer wie jeder andere werden. Wie an allen Schultagen stand der 16-Jährige an der Haltestelle Roetgen Markt, um auf seinen Bus Richtung Aachen zu warten. Doch der Bus, der dann kam, verschlechterte die Laune des Schülers, je mehr er sich der Bushaltestelle näherte.

Der Qualm aus dem Motorraum sollte nichts Gutes verheißen. „Nach ein paar hundert Metern war die Fahrt wegen Verdacht auf Motorschaden auch schon vorbei”, sagt Mertens, der das Aachener Rhein-Maas-Gymnasium besucht. Doch der Ärger über die verzögerte Hinfahrt und die generelle Platznot seien „noch die kleinsten Probleme” gewesen.

Dieser Vorfall kurz vor den Sommerferien brachte für den Roetgener das Fass zum Überlaufen. „Es ist schließlich nicht so, dass die eingesetzten Busse ansonsten in einwandfreiem Zustand wären.”

Er beklagt sich über gebrochene Haltestreben, nicht aufgehende Türen, ausgerissene Dichtungen, klappernde Scheiben - und fehlende Erste-Hilfe-Kästen. „Das alles spricht nicht für eine sorgsame Instandhaltung”, sagt Mertens: „Das sind eklatante Mängel.”

In den vergangenen Wochen schilderte er der für die in der Eifel eingesetzten Busse zuständigen Regionalverkehr Euregio Maas-Rhein GmbH (RVE) mehrmals diesen „untragbaren” Sachverhalt per Schriftwechsel - ohne jedoch für ihn befriedigende Antworten über den Zustand der Schulbusse zu erhalten. „Okay, dann muss man eben zu drastischeren Mitteln greifen und zum Beispiel den TÜV informieren”, kündigt der Schüler an. Für ihn ist der tägliche Weg zur Schule mittlerweile eine echte Herausforderung. „Man hat immer ein ungutes Gefühl.”

Karlheinz Huppertz sieht die Ausführungen des Schülers weniger dramatisch: „Alle eingesetzten Fahrzeuge entsprechen den rechtlichen Bestimmungen”, sagt der Leiter des Regio-Centers und verweist auf eine Regelung, die am 31. Dezember 2010 in Kraft tritt: Dann dürfen alle eingesetzten Busse maximal 14 Jahre alt sein.

Außerdem, so Huppertz weiter, „werden die in unserem Auftrag eingesetzten Fahrzeuge ständig von insgesamt drei Prüfern im AVV-Gebiet auf eventuelle Mängel kontrolliert”. Huppertz wirft Mertens vor, „den Sachverhalt überkritisch zu sehen”.

Doch: Nachdem ein Schulbus im vergangenen Februar in Monschau-Imgenbroich beim Anfahren ein Rad verlor, sieht sich Jannis Mertens bestätigt. „Man möchte sich nicht vorstellen, wenn das einem vollbesetzten Bus bei voller Fahrt passiert...”

Dieser Vorfall rief auch die Stadt Monschau auf den Plan. „Wir hinterfragen das Alter der Busse und auch der Fahrer”, sagt Bürgermeisterin Margareta Ritter. Im Frühjahr sei der verantwortliche Busfahrer nicht auf Aussagen der Schulkinder eingegangen, die darauf hingewiesen hätten, dass mit dem Bus etwa nicht in Ordnung sei. Die Warnungen halfen nicht.

Im neuen Schuljahr soll deshalb verstärkt kontrolliert werden. „Es gibt noch Handlungsbedarf, ganz klar”, sagt Ritter. Da der Schultransport „zu 70 Prozent” über Subunternehmen ablaufe, müsse man denen jedoch die Zeit geben, auf die geforderten Veränderungen wie Alter und Sicherheitsstandard zu reagieren. „Wir wollen den Eltern natürlich das Gefühl geben, dass ihre Kinder sicher zur Schule gehen”, ergänzt die Bürgermeisterin.

Der schwere Unfall auf der Monschauer Straße in Aachen, bei dem 19 Menschen zum Teil schwer verletzt urden, spielt für Jannis Mertens eine Rolle. „Bei der Sicherheit von Schulkindern hört die Toleranz auf.” Überhaupt: „Wie können eigentlich Reisebusse eingesetzt werden, die doch ursprünglich für Langstrecken vorgesehen sind”, fragt Jannis Mertens. Er vermutet, dass es sich um ausgemusterte Modelle handelt.

Beim unter anderem für den Schülertransport zuständigen Busunternehmen Bustouristik Nordeifel wird auf die regelmäßige Wartung der eingesetzten Busse verwiesen. Karlheinz Huppertz versichert: „Wir tun alles für die Sicherheit.” Dazu würden auch Kooperationen mit Polizei und Gemeinden zählen, um mögliche Schäden schnellstmöglich zu entdecken und auch Anregungen bezüglich der Sicherheit aufzunehmen.

Auch Bushaltestellen im Fokus

„Wir sehen, dass da Bewegung drin ist”, sagt Margareta Ritter, „das ist aber auch nötig.” Zusätzlich sollen nach den Ferien auch Bushaltestellen verstärkt auf ihre Sicherheit überprüft werden.

Jannis Mertens freut sich auf das neue Schuljahr, das am 30. August beginnt. Er wird dann die Jahrgangsstufe 12 besuchen. Worauf er sich nicht ganz so sehr freut, ist der Weg nach Aachen. „Ich muss zugeben, dass ich mich bei dem Gedanken an den täglichen Transport nicht so wohl fühle.”

Denn: „Ich gehe davon aus, dass in nächster Zeit im Sinne der Sicherheit nicht mehr getan wird.”