Simmerath: Der Simmerather Musikpavillon wird zweckentfremdet

Simmerath: Der Simmerather Musikpavillon wird zweckentfremdet

Genau 25 Jahre ist her, seitdem der Musikpavillon am Rathausplatz gebaut wurde. Einst als Treffpunkt für die musikinteressierte Bevölkerung der Gemeinde gedacht, erfüllte das spitzwinkelige Bauwerk über viele Jahre seine Funktion, und bot den Musikvereinen ein Dach über dem Kopf.

Viele Veranstaltungen fanden hier statt, die Simmerather Tage der Volksmusik gehörten lange Zeit zum festen Bestandteil des Angebotes, später auch das Public Viewing bei großen Fußballereignissen. Dann aber wurden die Veranstaltungen immer seltener. Maifest und Simmerather Markt sind auf dem sogenannten Dorfplatz noch übrig geblieben.

In den zurückliegenden Jahren ist der Musikpavillon aber auch zum Haupttreffpunkt einer kleinen Minderheit geworden, die das Bauwerk inzwischen zweckentfremdet haben. Eine kleine Gruppe Jugendlicher findet sich regelmäßig ein, wogegen prinzipiell nichts einzuwenden wäre. Aber verbunden ist der Aufenthalt in der Regel mit zurückbleibenden leeren Flaschen, Scherben und Getränkedosen, die sich hier fast täglich finden. Auch die Vandalismus-Schäden am Musikpavillon sind nicht zu übersehen.

Die vom Boden aus erreichbaren Innenflächen sind übersät mit Farbsprühereien. „Ich ärgere mich jeden Tag schwarz, wenn ich am Musikpavillon vorbeigehe“, sagt Günter Kaulen, der Leiter der Strukturabteilung der Gemeindeverwaltung Simmerath, aber auch ihm sind die Hände gebunden. „Es ist einfach traurig“, sagt er. Mitte vorigen Jahres waren die Farbschmierereien im Vorfeld der Veranstaltung „Vielklang“ in einer teuren und aufwendigen Aktion von Bauhof der Gemeinde beseitigt worden.

Aber der neue Glanz war nicht von langer Dauer. Wenige Wochen später sah es aus wie vorher; den frisch gereinigten weißen Flächen konnten Farbsprüher offenbar nicht widerstehen.

Transparente Wartebereiche

Vor der nächsten Veranstaltung am Musikpavillon, dem Vielklang-Festival am 2. September, findet nun keine erneute Reinigungsaktion statt, auch weil der Veranstalter den Pavillon als Backstagebereich nutzt, und die eigentliche Bühne davor aufgebaut wird.

Eine kleine Szene von Jugendlichen, die vor einiger Zeit noch am Bushof anzutreffen war, hat ihre Aktivitäten nun ans Rathaus verlagert. Seitdem die ebenfalls mit Farbe besprühten Holzwartehäuschen abgerissen und durch transparente Wartebereiche ersetzt wurden, übte der Bushof offensichtlich keine große Anziehungskraft mehr aus.

Auch die Polizei hat den Musikpavillon im Blick, kann aber hier „keine auffällige Situation“ und auch kein erhöhtes Einsatzaufkommen im zurückliegenden halben Jahr erkennen. Allerdings, so Aachens Polizeisprecher Paul Kemen, sei es bereits zu mehreren Einsätzen wegen Streitigkeiten und Schlägereien im Bereich des Musikpavillons gekommen.

Der Musikpavillon war Anfang Juni 1992 pünktlich zum Auftakt der 11. Tage der Volksmusik eingeweiht worden. Vier Jahre zuvor war der entsprechende Ratsbeschluss erfolgt, nachdem alternative Lösungen, wie ein überdachter Vorbau am Rathaus als Wetterschutz für die Musikvereine, verworfen worden waren.

Der Pavillon wurde damals wesentliches Teilstück die Gestaltung des neuen Simmerather Dorfmittelpunktes gesehen, aber dennoch konnten viele Bürger die hohe Investitionssumme von 265.000 D-Mark nicht nachvollziehen. Die Kritiker bezweifelten zudem, dass der ideale Standort für den Pavillon gewählt worden sei. So mancher hätte die Einrichtung damals lieber am Rursee gesehen.

(P. St.)