Vogelsang: Der Nachthimmel soll zum Weltkulturerbe werden

Vogelsang: Der Nachthimmel soll zum Weltkulturerbe werden

Die Milchstraße mit eigenen Augen und eine wirklich dunkle Nacht erleben — beides ist im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen nur noch an wenigen Orten möglich. Doch es gibt prominente Fürsprecher, die sich für den Schutz des nächtlichen Sternenhimmels einsetzen — so die ehemalige neuseeländische Ministerin Margaret Austin.

Sie befindet sich aktuell auf Europa-Reise und legte einen Zwischenstopp im Nationalpark-Zentrum Eifel ein. Ihr Besuch im hiesigen Sternenpark war Anlass einer Zusammenkunft hochkarätiger Astronomie-Experten, die sich über die Schattenseiten des Lichts austauschten.

Austin, die viele Jahre Mitglied des neuseeländischen Parlaments und Ministerin war, engagiert sich für den Schutz des nächtlichen Sternenhimmels. Sie war Vorsitzende der neuseeländischen Unesco-Nationalkommission und treibt Bemühungen vorwärts, „die natürliche Nacht und den sternenreichen Nachthimmel als Weltkulturerbe unter Schutz zu stellen“.

Das wäre — sollte es soweit kommen — ein bahnbrechender Fortschritt in den weltweiten Anstrengungen, den Wert der Nacht wieder ins Bewusstsein zu bringen und der Nacht ihre Dunkelheit zurückzugeben.

Nacht hat eine Funktion

Sterne und Sternbilder intensiv zu erleben, ist vielerorts schon jetzt kaum noch möglich. Eine Ausnahme im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen bildet der Nationalpark Eifel: Das Gebiet wurde 2014 als erster International „Dark Sky Park“ in Deutschland von der „International Dark Sky Association“ (IDA) ausgewiesen — heute gibt es bundesweit nur drei dieser Sternenparke und ein Sternenreservat.

In klaren Nächten können Besucher vom Nationalpark Eifel aus die Milchstraße mit eigenen Augen sehen. „Pate“ des nächtlichen Sternenhimmels ist der Kölner Astronom und Beleuchtungsberater Harald Bardenhagen, der mit diversen Angeboten — beispielsweise Sternenwanderungen und Sternenbeobachtungen — die Sterne, den Nachthimmel und dessen Schutz näher bringt.

„Wir machen einen Fehler, wenn wir beim Thema Natur und Naturschutz die Funktion der Nacht mit ihrer Dunkelheit vergessen“, mahnt Bardenhagen, der mit Begeisterung für die Sache kämpft und mit der Nationalparkverwaltung Eifel kooperiert.

Im Austausch mit Prof. Dr. Walter R. Erdelen (ehemaliger Beigeordneter Generaldirektor für Naturwissenschaften der Unesco), Harald Bardenhagen, Dr. Wolfgang Herrmann (Astropeiler Stockert e.V.), Dipl.-Ing. Erwin Finken (Eifelastronomen e.V.) und Michael Lammertz (stellvertretender Leiter der Nationalparkverwaltung Eifel), betonte Austin die Wichtigkeit, den nächtlichen Himmel zu schützen. Berichte aus ihrer Heimat zeigen, dass die Akteure vor Ort vor ähnlichen Herausforderungen stehen, wie ihre Mitstreiter in Deutschland.

„Wir müssen uns weltweit austauschen und den Schutz des Nachthimmels auch der nächsten Generation vermitteln“, betonte sie. Sie regte an, sich weltweit in Netzwerken zu verbinden, um dem „klaren Bedarf an Austausch“ nachzukommen.