Der Hahnen-Club in Rott wird 50

50 Jahre Hahnenköppen in Rott : „Alexander der Große“ wird zum Vollstrecker

Seit 50 Jahren geht es in Rott den Hähnen an den Kragen: Zeit für ein großes Fest. Zum Jubiläum strahlt Majestät Alex Hoffmann.

Seit einem halben Jahrhundert trifft sich der Hahnen-Club alljährlich zu Ende des Sommers, um einem alten Brauchtum nachzugehen: dem Hahnenköppen! 50 Mal schon und kein bisschen leise – das war dann auch Grund genug, das Jubelfest in einem größeren Rahmen aufzuziehen. Bürgermeister Jorma Klauss fand es schön und treffend, dass der Verein seinen runden Geburtstag im Rahmen der Befreiungsfeierlichkeiten mit einer Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal in Rott mit eingebunden habe.

In der Tat, zum „50.“ durfte es etwas mehr sein: Die Ouvertüre zum eigentlichen Spektakel hatte es in sich. Zunächst der Festzug, für den Bürgermeister Jorma Klauss im Gespräch mit unserer Zeitung lobende Worte fand: „So einen schönen Umzug hat es in Rott selten gegeben“, lobte er den Festauftakt. Der Verein habe etwas Tolles auf die Beine gestellt. Dem „Geburtstagskind“ überbrachte er die Glückwünsche der Gemeinde Roetgen und wünschte weiterhin viel Freude. Den bunten Zug durch Rott bildeten die Ortsvereine, musikalisch eingebunden waren der Musikverein Rott und das Trommler- und Pfeifercorps Zweifall. Da schwärmte natürlich auch „Oberhahn“ und Vorsitzender Volker Scheer ob so viel Resonanz und Zuspruch. Bei der Kranzniederlegung ging Scheer in seiner Ansprache gezielt auf die Ereignisse vor 75 Jahren ein, fand beeindruckende, mahnende Worte.

Großes Bewerberfeld

Nach dem offiziellen Teil nahte im „Hühnerstall“ bei Hütten das Großereignis, das berühmt-berüchtigte Hahnenköppen, bei dem es auch diesmal wieder dem Hahn im Korb (oder Eimer) gehörig an die Gurgel gehen sollte. Am Start war auch der erste König von 1969, Herbert Bortot, und ein zehnköpfiges Bewerberfeld, denn niemand wollte versäumen, den Titel „Jubiläumskönig“ zu erringen. Die noch amtierende Königin Christiane Gutzeit hatte im Vorfeld bereits versprochen, ihr Bestes geben und den Titel verteidigen zu wollen. Auch ihr Mann Heinz-Peter Straeten führte Gleiches im Schilde, war er doch  mehrmals schon der „King unter den Hähnen.“ Nicht zuletzt trat Hahnen-Boss Volker Scheer zum obligatorischen  „Pflichtschlag“ an, überließ dann dem „harten Kern“ das weitere Gefecht mit dem stumpfen Säbel auf der Bühne.

Siehe da, anders als in den Jahren zuvor, schien der Gockel diesmal etwas „baufälliger“ angefertigt worden zu sein, denn bei jedem Schlag hatte man das Gefühl: „Heute tut sich eher was.“ Ob Bortot, Gutzeit, Straeten, alle waren sie darauf bedacht, rasch zum Ziel zu kommen. Damit es diesmal nicht wieder unendlich lange dauert, wurde der Gockel ein wenig „loser“ hergerichtet.

Hatten sie Alex Hoffmann nicht auf der Rechnung? In all den Jahren war er häufig nur der „Vorbereiter“, ging stets leer aus, weil andere Hahnenköpper den Rest erledigten. Nicht im Jubiläumsjahr, da war es mit dem 56. Schlag „Alexander der Große“, der unter großem Jubel endlich am Ziel war und sogar den 50. Königstitel einheimsen konnte. „Ich bin jetzt zum ersten Mal König, wollte eigentlich in jedem Jahr schon diesen Titel gewinnen“, sagt er unserer Zeitung. Vom „Vorbereiter“ zum „Vollstrecker“ – ein schönes Gefühl. Freude herrschte auch bei Königin Lettie, die erst einmal den Nachwuchs zu Bett bringen musste, um am Abend kräftig mit ihrem Alex und der ganzen Hahnenschar die Rotter Hahnenkirmes gebührend zu feiern. Darunter auch die Verlierer Bortot, Gutzeit und Straeten. Letzterer sagte, dass er hinter Alex dran gewesen wäre und auch seine Christiane gute Chancen gehabt hätte. Die Ära Straeten-Gutzeit ist erst einmal unterbrochen. „Es ist schön, dass jetzt mal ein anderer den Sieg errungen hat“, so Straeten. Mit einem „leider nicht“ gab sich Bortot zufrieden. Unisono war aber zu hören: „Im nächsten Jahr greifen wir wieder an!“

So verrückt ist die Hahnenwelt

Natürlich drehte sich alles bei der großen Gaudi um Rott, Hahn-Club, „O‘zapft ist“ und draußen, unter der Linde, um Grillhändl und Schweinshaxen, Radi, Musi und den neuen König Alex. Hierzu hatte man eigens die Coverband „Voices“ engagiert.

Was war denn da nur los? Einige ältere Damen legten bei Volker Scheer Beschwerde über die „zu laute Musik“ ein. „Das müssen Sie regeln, man kann sein eigenes Wort nicht verstehen“, hieß es. Nun, bisher habe man Musik vom Band gehabt, die konnte man leiser drehen, so Scheer. Zum Jubiläum wurde extra eine Live-Band besorgt, jetzt sei es „zu laut.“ So verrückt ist die „Hahnenwelt.“ Dennoch: Volker Scheer und sein ganzes Team schwärmten „in leisen Tönen“ von einem tollen Fest mit einer Super-Resonanz.

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