Einruhr: Der große Tag der Nordic Walker und Mountainbiker

Einruhr: Der große Tag der Nordic Walker und Mountainbiker

Die Straßen sind leer, es schallen keine Mikrofonansagen durch das Tal und auch Applaus ist noch nicht zu vernehmen. Es herrscht eine erstaunliche Ruhe am Samstagmorgen im 700- Seelen-Dorf Einruhr. Wieso erstaunlich?

Eigentlich steht rund um die 13. Auflage des Rursee-Marathons auch an diesem Samstag schon ein buntes Programm auf dem Plan: Die Walker wollen sich auf ihre 16,5 Kilometer lange Strecke entlang des Sees machen, die Fünf-Kilometer-Läufer möchten die Strecke möglichst schnell absolvieren und auch die Mountainbiker suchen ihre Herausforderungen im hügeligen Terrain.

Trügerische Ruhe

Noch ist allerdings niemand zu sehen, der gut ausgerüstet die sportliche Aufgabe sucht. Solche spielen sich derzeit noch hinter den Einruhrer Türen ab. Dort wuseln fleißige Heinzelmännchen hin und her und richten die letzten Dinge, bevor der erste Startschuss an diesem Tag fällt. Es gilt, Tee zu kochen und diesen mit anderen Getränken an unterschiedlichen Verpflegungspunkten zu verteilen. „Wir bereiten hier gerade 100 Liter Zitronentee vor”, erklärt Kati Kratz und fährt fort „der ist aber nur für die Mountainbiker, die gleich starten, für die Walker und Läufer braucht es da mindestens noch mal so viel.”

Ein paar Meter weiter am Festzelt bietet sich ein ähnliches Bild. Große Behälter werden mit heißem Wasser gefüllt und dann verladen. Die Reise geht in Richtung Urftseemauer, wo später die Walker bei einer herrlichen Aussicht zum ersten Mal verpflegt werden.

So nach und nach finden immer mehr Autos ihren Weg in den Ort, immer mehr Frauen und Männer in hautengen Hosen versammeln sich am Startbanner der Walker. Doch bevor es für diese auf die Strecke geht, macht sich eine kleine Gruppe auf in die Tiefen des Nationalparks. Angeführt wird diese von Nationalparkranger Hans-Peter Förster und seinem Hund Astor. „Wir machen eine Tour, die ganz flexibel auf Ihre Wünsche zurecht geschnitten werden kann. Wir können eine Stunde, aber auch durchaus drei Stunden gemeinsam die Umgebung erkunden”, erklärt dieser auf dem ansteigenden Weg zur Dreiborner Hochfläche.

Den Teilnehmern der Wanderung gefallen der bunte Herbstwald und die schönen Ausblicke. Zurück nach Einruhr wollen sie so schnell nicht mehr. „Der Herr Förster hat uns einiges über die Tiere, die Pflanzen und Bäume im Nationalpark erklärt. Die Informationen hat er aber wirklich geschickt mit einigen hochprozentigen Getränken verbunden”, erzählen die Wanderer begeistert, als sie nach über drei Stunden in das warme Festzelt strömen.

Härter als der WM-Kurs

In der Zwischenzeit war es mit der morgendlichen Ruhe in Einruhr endgültig vorbei. Eine lange Schlange von über 180 Walkern, begleitet von lauten, rhythmischen Klack-Klack-Klack-Geräuschen, hatte sich ebenso auf den Weg gemacht wie etwa 150 saubere und gut gelaunte Mountainbiker. Letztgenannte waren allerdings nach der 40 Kilometer langen Eifelhöhentour, die auch über die neue Urftseebrücke führte, nicht mehr wiederzuerkennen. Die ehemals sauberen Gesichter ähnelten nun eher denen von Masernkranken und nach der sportlichen Betätigung duschten nicht die Beteiligten zuerst, sondern ihre Fahrräder. Zur Schlangenbildung kam es daher auch nur vor der „Fahrradwaschstation”. Die Zweiradfans nahmen es mit Humor: „Wer was erleben will, muss eben leiden.”

Gelitten haben auch die Walker, zumindest berichtet dies die Erstplatzierte der Frauen, Barbara Schuchmann: „Die Strecke ist doch sehr hügelig und anstrengend.” Schuchmann weiß als amtierende Weltmeisterin im Nordic Walking, wovon sie spricht: „Die Weltmeisterschaftsstrecke in Kärnten war weniger anstrengend als hier. Aber nichtsdestotrotz hat es bei diesem schönen Wetter viel Spaß gemacht.”

Seinen Spaß hatte auch der Gewinner des Gesamtklassements über die 16,5 Kilometer lange Walking Strecke, denn Friedel Heinen gewann zum vierten Mal in Folge in Einruhr. Der Westdeutsche Meister im Gehen mag nicht nur die Strecke: „Ich mache aus dieser Veranstaltung hier in Einruhr meist einen Kurzurlaub. Die Landschaft und vor allen Dingen die familiäre Atmosphäre hier lohnen sich immer wieder. Auch wenn der Wettkampf für mich eher als Trainingslauf dient.”

Von einem Trainingslauf konnte Marvin Haas nicht gerade sprechen. Er startete zum ersten Mal bei einem Fünf-Kilometer-Lauf, der zum Abschluss des Tages in Einruhr stattfand. „Das war richtig hart, der Muskelkater wird wohl schon bald kommen”, erklärte er mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Der 13-Jährige war dabei nur fünf Minuten langsamer als der Sieger des Laufes, Pascal Langer aus Büttgenbach (00:17:14). Siegerin bei den Frauen wurde die Eicherscheiderin Marion Braun.

Nach den ersten sportlichen Höchstleistungen stand für Mitorganisator Ralph Thoma in jedem Falle fest: „Wir sind warmgelaufen, der Marathon kann kommen.” Und der kam dann am Sonntag auch.