Der Eifeler Karneval ist vielfältig aufgestellt

Der Eifeler Karneval ist vielfältig aufgestellt : Weniger „Ballermann-Karneval“, mehr „handgemachter“ Fastelovend?

Trotz aller Begeisterung für den Fastelovend, müssen sich viele Karnevalsvereine mit sinkenden Besucherzahlen auf ihren Sitzungen, dem zwiespältigen Trend zum „Ballermann-Karneval“ und der Suche nach neuen Veranstaltungsformaten beschäftigen, um das Brauchtum lebendig zu halten.

Von Karnevalisten aus der Eifel ist zu hören, dass sie das Brauchtum Karneval in der Region stärken wollen und sich zum „handgemachten“ Fastelovend bekennen. Das passt zu dem, was kürzlich auch vom Karnevalsolymp, dem Festkomitee Kölner Karneval, zu vernehmen war. Dort will man sogar für traditionelle Sitzungen mit Tanzgruppe und Korps im Programm ein Siegel vergeben. Solch ein „Gütesiegel“ ist für die Eifel jedoch wohl kein Thema, wie etwa Guido Lennartz und Norbert Frohnhoff vom Stammtisch Eifeler Karnevalisten meinen. Torsten Gerards von der KG Sonnenfunken drückt es so aus: „Das Gütesiegel Eifel reicht.“

Vielfach wird über sinkende Besucherzahlen bei den Sitzungen in der Eifel geklagt. Aber nicht überall. Beispielsweise platzt in Höfen die Vereinshalle regelmäßig aus allen Nähten, der Antoniushof in Rurberg ist auch immer gut gefüllt, und in Kesternich sieht es auch zufriedenstellend aus.

Leicht hat es der Karneval hier sicher nicht. Das Publikum scheint immer professionellere Veranstaltungsformate zu fordern, was die Veranstalter vor allem Geld kostet. Eine fünfstellige Summe für eine Band aus der großen Stadt am Rhing ist beispielsweise nicht ungewöhnlich. Diese Kosten sind jedoch über einen vertretbaren Eintrittspreis nicht zu kompensieren. Eine Hürde für die Topgruppen ist die ungünstige Lage der Eifel. In der Zeit der An- und Rückfahrt könnte man in Köln auf vier bis fünf Sitzungen Geld verdienen.

Dass es auch anders geht, zeigt sich sowohl in der Eifel, als auch in den Kölner Veedeln, wozu Dieter Kaczmarek aus Simmerath anmerkt: „Es geht auch ohne Vier-Sterne-Gruppen, da der eigentliche Fastelovend handgemacht ist. Gottseidank kann man das in der Eifel noch finden.“ Immer wieder kann man auf hiesigen Sitzungen erleben, wie kreative eigene Kräfte und vergleichsweise preiswerte Bands aus der Region stehenden Beifall erhalten. Das Geheimnis der erfolgreichen Programmgestalter: Das richtige Näschen und die gesunde Mischung machen es aus.

Als Beispiel für handgemachten Karneval kann man die Lumpensitzung in Imgenbroich anführen. Hier haben die Ömscher Jonge und Mädcher ein Format gefunden, das sich immer größerer Beliebtheit erfreut.

Beim Karnevalsnachwuchs sieht es in der Eifel nicht schlecht aus. Hier zeigen die Vereine großes Engagement, das auch außerhalb gewürdigt wird. Georg Hardt von den Höfener Biebesse wurde wegen seier Verdienste in diesem Bereich im letzten Jahr als erster Eifeler vom Bund Deutscher Karneval ausgezeichnet.

In den Vereinen werden auch immer wieder neue Ideen entwickelt. Ein Beispiel ist der nun erstmals stattfindende Geisterzug am Karnevalssamstag in Simmerath. Für diesen haben sich schon viele Interessierte gemeldet, und Norbert Brewer von den Sonnenfunken ist hoffnungsvoll: „Das könnte eine große Nummer werden.“

Ein einfaches und sich verbreitendes Rezept für gutes Programm haben die Vereine darin gefunden, befreundete Gesellschaften zu ihren Sitzungen einladen. Das ist kostengünstig, bereichert das Programm und lässt das Publikum über den lokalen Tellerrand blicken.

Darüber hinaus gibt es jede Menge Ideen und Wünsche. So etwa den eines Simmerather Karnevalisten: „Wenn ich zaubern könnte, würde ich in Simmerath nach dem Wegfall vom Saal Wilden eine neue, dringend notwendige zentrale Feierstätte schaffen.“

Das Fazit ist: Es sieht gar nicht so schlecht aus für den Fastelovend in der Eifel, der viele Facetten und Ausprägungen hat.

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