Dedenborn: Dedenborn: Ein ganzes Haus voller Tiere, Kot und Urin

Dedenborn: Dedenborn: Ein ganzes Haus voller Tiere, Kot und Urin

Allein vom Gedanken an den Gestank wird einem schon blümerant. 36 Chihuahuas, drei Katzen und ein Papagei sind über Wochen, vielleicht sogar über Monate nicht vor die Tür gekommen und haben ein Haus in Dedenborn in eine Kloake verwandelt. Aufgeflogen war die Sache in der vergangenen Woche.

Da boten die Hausbewohner Welpen zum Verkauf an, und einer der Interessenten sah die Zustände dort. Der Mann informierte umgehend das Ordnungsamt der Gemeinde Simmerath, von dort wurden unverzüglich die Veterinäre des Kreises Aachen alarmiert.

Die Behördenvertreter beschlagnahmten die verwahrlosten Tiere, die augenscheinlich in einem schlechten Zustand waren. Sie wurden von Tierärzten versorgt und entwurmt und in verschiedenen Tierheimen und bei Tierschutzvereinen untergebracht. Die meisten von ihnen sind inzwischen schon weitervermittelt, wie Holger Benend, Pressesprecher des Kreises Aachen, erklärte: „Die Tiere kommen definitiv nicht zu der Familie zurück.”

Für jedes Tier wird ein Dossier angelegt und an die Staatsanwaltschaft Aachen weitergegeben, die zu entscheiden hat, ob sich die bisherigen Halter wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz vor Gericht verantworten müssen. Benend: „In jedem Falle wird der Kreis Aachen ein Tierhaltungsverbot für die Familie beantragen.”

Bruno Wilden, Leiter des Simmerather Ordnungsamtes, rang zunächst nach zutreffenden Vokabeln, um die schier unvorstellbaren Zustände in diesem Haus zu beschreiben, eine Anhäufung von Kot und Urin, eine Infektionsherd erster Ordnung. „Alles muss raus”, erklärte Wilden, auch Tapeten und Böden, weil das Haus von oben bis unter desinfiziert werden muss, bevor es wieder bewohnt werden darf.

Die Bewohner leben derzeit in einer Souterrainwohnung, die laut Wilden „nicht kontaminiert” ist und im Wohnwagen eines Bekannten auf einem Campingplatz. Dort sind sie keinen Gesundheitsgefährdungen mehr ausgesetzt, wie Ordnungsamt, Jugendamt und Gesundheitsamt gemeinsam festgestellt haben.

Die Bewohner wollen in absehbarer Zeit wieder in ihr Haus zurück. Wilden: „Wir geben den Leuten diese Chance.” Zuvor müssen sie allerdings das Gebäude komplett ausräumen. Die Gemeinde hat das nötige Equipment für die Abfallbeseitigung bereitgestellt. So schnell wie möglich soll mit der Desinfektion begonnen werden.

Die Polizei brauchte nicht einzugreifen, wie Bruno Wilden berichtete. Rein vorsorglich war der zuständige Polizeiposten in Rurberg informiert worden: „Die Beamten brauchten allerdings nicht anzurücken, die Leute waren einsichtig. Ich hatte den Eindruck, einige Familienmitglieder waren sogar froh, dass es zu Ende war.”

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