Rohren: Das Journalisten-Seminar in Rohren feiert Jubiläum

Rohren: Das Journalisten-Seminar in Rohren feiert Jubiläum

Es werden wohl nur wenige Einwohner Rohrens vermuten, wer in den letzten 25 Jahren so alles an ihrer Haustür vorbei gefahren ist und sich in ihrem Dorf aufgehalten hat — Martin Schulz und Rainer Eppelmann sind da nur zwei Beispiele einer langen Liste.

Und in diesem Jahr war erst am Sonntag der langjährige Leiter der Tagesschau in Berlin, Hans-Joachim Lorenz, hier zu Gast. Doch was genau zieht diese Leute ausgerechnet nach Rohren? Es sind 17 junge Nachwuchsjournalisten, die zehn Tage lang das „Journalistenseminar Rohren“ besuchen und einen Härtetest in den Bereichen Print, Radio, Fernsehen und Online durchlaufen. Und unter anderem dürfen sie eben diese Persönlichkeiten auf einer eigenen Pressekonferenz löchern, um im Anschluss einen Artikel zu verfassen.

Jetzt feiert das Seminar Jubiläum — seit einem viertel Jahrhundert kommen jeden Sommer aufs Neue junge und am Journalismus interessierte Menschen in das kleine Dorf Rohren.

Fester Bestandteil des Seminars ist seit 1990 Ulrich Adrian, ARD-Korrespondent in Warschau (zuvor war er Korrespondent in Washington, sowie Studio-Leiter in New York). 1989 hielt er einen Vortrag an der RWTH Aachen. Im Anschluss fragte ihn Rainer Seidel, der zu dieser Zeit noch Berufsberater der Agentur für Arbeit in Aachen war, ob er zufrieden sei — doch das war Ulrich Adrian eben nicht, denn die Leute hätten ja schließlich nur zugehört und gar nichts gemacht. Daraufhin schlug Rainer Seidel vor, ein Seminar ins Leben zu rufen, damit die Teilnehmer selbst aktiv werden können. Und es dauerte kein Jahr, da zog es die ersten Nachwuchsjournalisten zu eben diesem Seminar.

Warum das Seminar jetzt ausgerechnet in Rohren ist, liegt daran, dass Adrian und Seidel einen stillen Ort suchten. Eben einen Ort, an dem sich die Teilnehmer — fast schon etwas abgeschnitten — völlig auf den Journalismus konzentrieren können. Somit fiel die Wahl auf Rohren und das hier stehende Alpenvereinshaus.

Gerade mal halb so lang wie die jetzigen Seminare, also nur fünf Tage, dauerte das erste Seminar mit 15 Teilnehmern. Und eine Onlineredaktion habe es da natürlich noch nicht gegeben, erinnert sich Ulrich Adrian an diese Zeit zurück — es gab Radio und Zeitung und zum Equipment zählten Schreibmaschine und Kassettenrekorder.

Bis zu Seidels Pensionierung leiteten er und Adrian das Seminar ganze 16 Jahre lang gemeinsam. Im Anschluss wurden dann ehemalige Teilnehmer unterstützende Leiter an Ulrich Adrians Seite. Namentlich Michael Latz vom NDR (Hamburg) und Theresa Tropper von der Deutschen Welle (Berlin). Und auch seine Frau Astrid Adrian, die ebenfalls Journalistin ist, hilft den Seminarteilnehmern auf ihrem Weg in den Journalismus mit zahlreichen Tipps beim Schreiben von Artikeln.

Träger des Seminars ist die Agentur für Arbeit Aachen. Zusätzlich hat sich ein Förderverein gegründet, um langfristig die Existenz des Seminars zu sichern — insgesamt 126 ehemalige Teilnehmer aus ganz Deutschland sind hier Mitglied. Nach 25 Jahren ist Ulrich Adrian besonders stolz darauf, dass das alles nach dieser Zeit noch funktioniert — und das bei allen Widrigkeiten, schließlich musste er einige Jahre aus den USA und nun aus Warschau immer rechtzeitig zum Seminar in der Eifel sein.

Fast 400 ehemalige Schüler und Studenten, die damals im Alter von 18 bis 25 Jahren waren, können sich mittlerweile zu den „Rohrenern“ zählen, wie sich die Seminarteilnehmer nennen. Zu 80 Prozent werden die Teilnehmer dann auch Journalisten. „Wir haben riesige Karrieren hervorgebracht“, berichtet Adrian. Frank Bräutigam, Leiter des ARD-Rechtsstudios in Karlsruhe oder auch Oliver Schmidt, Chef des aktuellen Sportstudios vom ZDF, der jetzt auch öfter während der Fußball-Weltmeisterschaft zu hören war, zählen zu den einstigen Teilnehmern des Journalistenseminars.

Seit vergangener Woche Mittwoch hinterlassen nun zum 25. Mal Nachwuchsjournalisten ihre Fußspuren in Rohren. Bis zum morgigen Freitag werden sie noch eine eigene Fernsehsendung auf die Beine stellen, sowie eine dreistündige Radiosendung. Dafür sind sie rund um die Eifel auf Terminen unterwegs. Im Alpenvereinshaus werden dann Artikel geschrieben, oder es wird sich auf die anstehenden Sendungen vorbereitet. Zudem gibt es jede Menge Wissen rund um Interviews, Ethik und Moral oder Berufsperspektiven im Journalismus. Der diesjährige Berufsberater ist dabei Lothar Droege von der Agentur für Arbeit. Zusätzlich werden die neuen „Rohrener“ in ihrer Allgemeinbildung getestet. Ganz nebenbei führen die Teilnehmer dann noch einen Onlineblogg und twittern fleißig.

Doch nicht nur die Arbeit macht das Seminar in Rohren aus, es ist eben auch die Gemeinschaft, die sich unter den einzelnen Jahrgängen bildet, aber auch das riesige Netzwerk, dass zusammenhält. „Rohren kannst du nicht beschreiben, Rohren kannst du nur fühlen“, sagt Ulrich Adrian. „Das macht die einmalige Atmosphäre des Hauses, die 18 Stunden Arbeit am Tag — aber nachvollziehen kann das kein Mensch.“

Doch am vergangenen Samstagabend war den Teilnehmern eine kurze Pause gegönnt, denn dieser Abend war ganz dem silbernen Jubiläum gewidmet. Aus ganz Deutschland reisten die Ehemaligen an, um gemeinsam 25 Jahre Rohren zu feiern. Sie feierten zusammen und lobten natürlich auch Ulrich Adrian: „Du bist der strenge, aber wohlwollende Lehrer“, fassten es seine Journalistenschützlinge zusammen, denn sie wissen, dass sie alle viel von ihm gelernt haben. Und auch Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter war zu Besuch und zeigte sich begeistert von dem Seminar. Als wegweisende Worte gab sie den versammelten Journalisten mit auf den Weg, dass sie stets ihre Neugierde behalten sollten.

Nächster Termin

Ulrich Adrian äußerte dann noch einen Wunsch an die versammelten Ehemaligen, denn auch er wird irgendwann pensioniert: „Ich bitte euch, macht Rohren weiter. Die Idee ist einfach zu gut, um sie sterben zu lassen.“ Wenn sich die Teilnehmer das zu Herzen nehmen, dann wird vielleicht tatsächlich in 25 Jahren ein goldenes Jubiläum in Rohren gefeiert.

Natürlich steht auch schon der Termin für das 26. Seminar in Rohren fest: vom 15. bis zum 24. Juli 2015 ist es wieder soweit.

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