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Nordeifel: „Das ist besser als rumhängen”

Nordeifel : „Das ist besser als rumhängen”

Jugendliche sind konsumorientiert, engagieren sich zu wenig für gesellschaftliche Belange und oft auf ihren Vorteil aus. Dieses Bild von jungen Menschen entwirft eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung, die am Montag veröffentlicht wurde. Doch das Bild in den Köpfen vieler Erwachsener stimmt so nicht.

Viele Jugendliche engagieren sich auf vielfältige Art und Weise. Nur: Dies wird oft nicht zur Kenntnis genommen.

Auch in unserer Region gibt es Beispiele dafür, dass Jugendliche eben nicht immer nur auf ihren Vorteil aus sind - wie zum Beispiel die Pfadfinder aus Lammersdorf. Sie haben einen alten Eisenbahnwaggon renoviert, den sie als Jugendtreff nutzen. Regelmäßig werden dort Veranstaltungen organisiert - neulich erst gab es beispielsweise einen Infoabend über die rechtsextreme Szene.

Zu den Angeboten im „Waggon” gehört zudem Hausaufgabenbetreuung für Grundschüler. Zweimal wöchentlich helfen Jugendliche den Schülern bei ihren Hausaufgaben. Aber auch größere Projekte werden von den Pfadfindern organisiert und veranstaltet. Am 11. August etwa steigt wieder das Rockfestival „Kreisch am Teich”, was mittlerweile einen festen Platz im Veranstaltungskalender der Region hat.

Mittlerweile haben die Pfadfinder auch einen eignen Zeltplatz: „Wir haben den Zeltplatz in Dedenborn übernommen und wieder hergerichtet. Jetzt halten wir ihn in Schuss und vermieten ihn auch an andere Gruppen”, erzählt Thorsten Karl, der seit über 20 Jahren bei den Pfadfindern aktiv ist. Ferienlager bieten die Pfadfinder auch an. Derzeit sind 40 Kinder auf Fereienfreizeit in Österreich.

Die Ferienspiele in Monschau werden von der Jugendeinrichtung des Bischof-Vogt-Hauses (BVH) veranstaltet und wären ohne das ehrenamtliche Engagment von Jugendlichen gar nicht möglich. „Wir sind bei der Betreuung der Kinder auf die Jugendlichen angewiesen, alleine wäre das nicht zu schaffen”, sagt Eva-Maria Lindt, die Leiterin der offenen Jugenarbeit im BVH. Man merkt den 14 bis 18 Jahre alten Jugendlichen an, dass sie Spass an ihrer Aufgabe haben, gerne Verantwortung übernehmen.

„Mir macht es Spass, mit Kindern zu arbeiten, und ich habe schon oft bei den Ferienspielen mitgemacht. Im BVH betreue ich einmal in der Woche auch den Kindernachmittag”, erzählt die 18-jährige Viktoria Ivers aus Monschau.

Viele der jungen Betreuerhaben früher selber an den Ferienspielen teilgenommen, so wie Sarah Jane Kall. „Mit Kindern arbeite ich gerne, nicht nur hier bei den Ferienspielen. Im Schwimmverein bringe ich den Sechs- bis Siebenjährigen das Schwimmen bei.” Lisa Breuer ist bereits im dritten Jahr selbst in der Verantwortung: „Früher war ich auch als Betreuerin bei „Vater-Kind-Wochenenden” tätig. Jetzt kümmere ich mich um die Oster- und Weihnachtsvorbereitungen im BVH. Das heißt, ich bastel und singe mit den Kindern.” Der 14-jährige Phillip Lupprian ist oft im BVH und dort durch ein Praktikum auf die Ferienspiele aufmerksam geworden. „In den Ferien habe ich wirklich genug Zeit; das ist sinnvoller als zuhause rumzuhängen”, sagt er.

„Erwachsene sollten das Engagement junger Menschen stärker anerkennen” - das hat Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, bei der Vorstellung der Studie in Gütersloh gesagt. Gut so: Denn wenn Einsatz und Engagement der Jugendlichen von der Gesellschaft mehr Anerkennug erführe, dann wären noch mehr Jugendliche bereit, sich zu engagieren.