Roetgen: Das Holz verbringt den Sommer im Gemeindewald

Roetgen: Das Holz verbringt den Sommer im Gemeindewald

Der Roetgener Gemeindeförster Wolfgang Klubert ist zwar kein Fußballtrainer, aber dennoch wurde er auch er in diesem Sommer gezwungen, seine Taktik zu ändern. Die Taktik bestand bislang darin, dass im zeitigen Frühsommer dass zum Verkauf bestimmte Holz eingeschlagen wurde.

Dann wurde es entrindet, und wenn der Sommer kam, lag es bereit zum Abtransport aus dem Wald. Der tiefere Sinn dieser Taktik besteht darin, dass man die trockenen Monate des Jahres dazu nutzt, um mit schweren Rückefahrzeugen in den Wald zu gelangen, was in den Herbstmonaten zwangsläufig mit Schäden an Wegen und dem Waldboden verbunden wäre.

Sitzgelegenheit: Roetgens Gemeindeförster Wolfgang Klubert muss sich mit dem Abtransport des eingeschlagenen Holzes gedulden. Der Waldboden ist nach den straken Regenfällen im Juni zu nass. Oberhanlb des Vorbeckens im Roetgener Staatsforst hinterließen die Rückearbeiten tiefe Spuren. Foto: P. Stollenwerk

Das eingeschlagene Holz lag auch in diesem Jahr wieder pünktlich am Boden, aber die Rückefahrzeuge sind bisher zum Stillstand verurteilt. Das anhaltende nasse Sommerwetter hat auch die Forstwirtschaft aus dem Tritt gebracht. Viele Förster, nicht nur der Roetgener, bleiben regelrecht auf ihrem Holz sitzen. „Seit zwei Monaten haben wir kein Holz mehr rücken können“, beschreibt Wolfgang Klubert die Situation.

Die Witterung lasse einfach kein schonendes Arbeiten zu. Inzwischen habe er sogar den planmäßigen Einschlag von nicht entrindetem Holz gestoppt, um der Gefahr zu entgehen, dass das Holz dann im Wald zu lange liegenbleibt und möglicherweise an Wert verliert.

Die Wetterprognosen geben dem Gemeindeförster nun Hoffnung, dass ab Mitte Juli endlich die Rückefahrzeuge anrücken können. Erste kleine Abtransporte von Stammholz im Bereich Münsterwald gab es bereits im Laufe der Woche.

Man müsse jetzt aktiv werden, weil sonst Erlös-Verluste drohten. Dennoch, warnt Klubert vor, müsse in diesem Jahr vergleichsweise mit mehr Rückeschäden als sonst üblich gerechnet werden. Gleichzeitig hofft er dabei auf das Verständnis der Bürger.

Der Gemeindewald Roetgen sei besonders anfällig bei anhaltender Nässe, da sich der Standort im sensiblen Bereich der Vennabdachung befinde. In diesem Bereich finde man nicht nur verdichtete Böden sondern es falle auch deutlich mehr Niederschlag.

Dennoch ist Wolfgang Klubert in den zurückliegenden Wochen mehrmals von Bürger auf Rückearbeiten im Roetgener Wald angesprochen. Durch die Nähe der Bestände zur Kommune ist der Wald stets stark von Besuchern frequentiert.

Im Bereich oberhalb des Vorbeckens der Dreilägerbachtalsperre sind bereits seit Wochen Rückearbeiten im Gange, die für Irritationen und Verärgerung bei einigen Bürgern gesorgt haben. Bis zu einem halbe Meter tiefe Spuren haben die Rückefahrzeuge im Wald hinterlassen; der durchnässte Waldboden ist massiv zerfurcht.

Was viele Bürger nicht wissen: Sie befinden sich hier nicht mehr im Gemeindewald Roetgen, sondern im Staatsforst. Warum herrschen nun in zwei benachbarten Zuständigkeitsbereichen unterschiedliche Auffassungen über forstwirtschaftliche Maßnahmen?

Beim Landesbetrieb Wald und Holz, genauer beim zuständigen Forstamt Rureifel-Jülicher Börde mit Sitz in Hürtgenwald weiß man um die Problematik. Forstdirektor Robert Jansen spricht von einer „Ausnahmesituation“ in diesem Sommer. Aktuell würden rund 10.000 Festmeter Stammholz in mehreren Abteilungen des Staatsforstamtes zum Abtransport bereit liegen, aber die Rückefahrzeuge könnten der Nässe wegen nicht in die Bestände fahren.

Zuletzt im Jahr 1991 sei die Situation vergleichbar gewesen. „Die Holzkäufer sitzen uns im Nacken“, beschreibt Robert Jansen das Dilemma. Daher habe man in Einzelfällen, „wenn es sich eben noch vertreten ließ“, bereits Holz gerückt. Diese betreffe auch den angesprochenen Bestand in Roetgen. Einzelne Holzverkäufer hätten auf Preisnachlässe gepocht, weil durch die langen Liegezeiten das Holz bereits Qualitätseinbußen zeige.

Er hoffe nun, dass es, wie prognostiziert, endlich trockener werde. In jedem Falle müsse man in diesem Jahr mit deutlich umfangreicheren Rückeschäden rechnen. Jansen bittet die Bevölkerung daher auch um Verständnis: „Das ist in diesem Sommer eine Gratwanderung. Wo Waldwege beschädigt werden, werden wir diese auch wieder herstellen.“

(P. St.)