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Nordeifel: Das erste Auto als Sensation

Nordeifel : Das erste Auto als Sensation

So um die 11.000 Fahrzeuge passieren täglich die Ortsdurchfahrt in Imgenbroich, Tendenz: steigend. Wer von einer Nebenstraße in Imgenbroich auf die Bundesstraße will, muss große Geduld haben und sehr aufmerksam sein, um eine Lücke im Verkehrsstrom zu erwischen.

Im Jahr 2004: Das Auto ist längst eine Selbstverständlichkeit. In vielen Familien hat jeder ein eigenes Auto. Ende August des vergangenen Jahres waren im Kreis Aachen allein 176365 Pkw angemeldet. Zum Stand 31. August 2003 gab es in der Stadt Monschau 7199 Pkw, in der Gemeinde Simmerath waren es 8381 Pkw und in der Gemeinde Roetgen 4511.

„Ohne Pferde”

Rückblick auf den 21. Juni 1894: Heute auf den Tag genau vor 110 Jahren passierte zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt Monschau ein Auto die hiesigen Straßen - und die Menschen staunten und wunderten sich sehr. Zu diesem sensationellen Ereignis schrieb damals das Montjoie Volksblatt:

„Heute (am 21. Juni 1894) passierte, von Malmedy kommend und auf Eupen oder Aachen durchfahrend, zum ersten Male unsere Stadt ein herrschaftliches Gefährt, welches zwei Insassen trug und nicht von Pferden gezogen, sondern von einem Gasmotor oder einer Benzinmaschine fortbewegt und von einer Person mittels einer Art Steuer bei Straßenbiegungen gelenkt wurde. Man kann sich die Verwunderung denken, mit der das Publikum dem Vehikel folgte.” Bemerkenswert ist der letzte Satz des Beitrages vor nunmehr 110 Jahren: „Natürlich gibt es auch viele Leute, die sich über nichts mehr wundern.”

Die ersten Raser

Auch damals gab es unter den wenigen Autofahrern schon Rüpel und Rowdys, die auf nichts Rücksicht nahmen. Dazu lesen wir im Montjoier Volksblatt vom 18. Mai 1901: „Gestern Abend passierten verschiedene Automobile in solch rasendem Tempo die Straßen unserer Stadt, dass es fast unbegreiflich ist, wie dies bei den scharfen Kurven ohne Unfälle geschehen kann. Wie wir vernehmen, sollen auf dem Hargard und auch in Roetgen je ein Hund überfahren worden sein.” Damals schon forderte die Öffentlich „geeignete Vorkehrungen” gegen die Raser auf den Straßen.

Ordnung geschaffen

Wenig später, am 1. Oktober 1901, sah der Regierungspräsident in Aachen allen Grund, auf den Straßen Ordnung zu schaffen und Regelungen zu erlassen: „Fuhrwerke haben stets auf der rechten Seite der Fahrbahn zu fahren, das Überholen eines Fuhrwerkes hat stets auf der linken Seite zu erfolgen.” Wer der Regel missachtete, musste mit einem „Knöllchen” rechen: 60 Mark.

Nur wenige Menschen konnten sich früher ein Auto leisten. Der Bäcker Jakob Thoma war der erste Mann in Konzen, der sich ein Auto anschaffte, das war im Jahr 1925.

Keine Verkehrsprobleme

Dazu lesen wir in einem Beitrag von Manfred Huppertz im Buch „1100 Jahre Konzen” dies: Das erste Auto stand überwiegend in der Garage, es wurde nur ganz selten als Transportmittel benutzt. Für die Jungen des Ortes war es auch kurz nach dem Kriege eine besondere Attraktion, wenn ein Auto die Straße passierte. Man lief zusammen und bestaunte das blinkende Blech und fachsimpelte über PS und Geschwindigkeit.

Dem Vernehmen nach soll 1898 das erste Auto durch Konzen gefahren sein. So gab es nach dem 2. Weltkrieg auch kaum Verkehrsprobleme. Ungeniert rodelten die Kinder die Hohe Straße herunter und überquerten dabei die Bundesstraße. Durch das Wirtschaftswunder wurde vieles jedoch schnell anders.”

Heute, im Jahr 2004, leben rund 36.000 Menschen in der Nordeifel, knapp 20.100 von ihnen haben ein Auto. Das Auto gehört heute zur „Ausstattung” eines Erwachsenen wie die Armbanduhr und das Fernsehgerät.