Das Ende des Ersten Weltkrieges in den Monschauer Zeitungen

Vor 100 Jahren: Das Ende des Ersten Weltkrieges in den Monschauer Zeitungen

Vor 100 Jahren, am 11. November 1918, wurde in einem Salonwagen der französischen Eisenbahnen in Compiegne ein Waffenstillstand unterzeichnet, der auch das Ende des 1. Weltkrieges bedeutete, der Millionen Tote gefordert hatte.

Hier sollen nicht die Bedingungen und Folgen dieses Vertrages analysiert, sondern einige seiner Auswirkungen auf die hiesige Region anhand von Presseberichten dargestellt werden.

Die erste Ausgabe des Montjoie'r Volksblattes nach Beendigung des Krieges erschien am 16. November 1918. Auf der Titelseite wird über ziemlich chaotische Zustände in Berlin und anderen Teilen des Deutschen Reiches berichtet. Da der Kaiser abgedankt hatte und nach Holland geflüchtet war, gab es nicht mehr überall funktionierende Verwaltungen. Stattdessen bildeten sich Arbeiter- und Soldatenräte, die bis zum Inkrafttreten einer neuen Verfassung die Geschicke der Gemeinden lenken sollten. Die Zeitung berichtet: „Wie in allen Städten des deutschen Reiches hat sich auch hier ein Soldaten- und Bürgerrat gebildet.“

Dieser Rat sah es als seine erste Aufgabe an, die Verpflegung der Bevölkerung sicherzustellen und die von den Schlachtfeldern zurückkehrenden Soldaten zu versorgen. Die Behörden mit ihren Beamten und Angestellten bleiben erhalten, nur waren sie jetzt unter der Kontrolle des Arbeiter- und Soldatenrates. Auf einer Bürgerversammlung in Monschau wurden in diesen Rat gewählt: Heinrich Bongards, Carl Stollenwerk, Wilhelm Wolter und Josef Bergs. Am 28. November wurde durch Schellenklang bekannt gemacht, das dieser Soldatenrat aufgehoben wurde.

Nach Beendigung des Krieges mussten die deutschen Truppen binnen weniger Wochen Frankreich und Belgien verlassen und nach Deutschland zurückkehren. Am 22. November berichtet die Zeitung, dass Truppenverbände in mustergültiger Ordnung durch Monschau ziehen. Viele dieser Soldaten auf dem Rückmarsch fanden abends Quartier in der Stadt. „Sogar die Kirchen beider Konfessionen waren zur Unterbringung der Truppen zur Verfügung gestellt worden, Privathäuser erhielten eine Belegung bis zu 50 Mann und mehr“. Pferde mussten die Nächte auf den Straßen verbringen, Marktplatz und Nebenstraßen waren vollgepfropft mit Pferden und Fuhrwerken.

In der Nacht zum 24. November waren 4000 Mann in der Stadt einquartiert, dazu mussten 800 Pferde versorgt werden. Ähnlich wie in Monschau und teilweise noch stärker waren Soldaten in den umliegenden Dörfern einquartiert worden. Am 29. November passierte noch eine Sanitätskolonne die Stadt. Danach wartete man auf die feindlichen Besatzer. In einer Bekanntmachung ruft der Bürgermeister von Monschau, Dr. Davids, zur Bildung einer Bürgerwehr auf: „Die Zeitumstände machen die Bildung einer Bürgerwehr zum Schutze unserer Vaterstadt unbedingt erforderlich.“ Aufgenommen können in diese Bürgerwehr alle unbescholtenen Bürger zwischen 25 und 60 Jahren. Auch Militärpersonen, die aus der Armee entlassen wurden, können ebenfalls Aufnahme finden. Der Dienst erfolgt in Tages- und Nachtschicht gegen Bezahlung.

Am 18. November wurden allen Zensurbestimmungen für die Presse aufgehoben, auch ausländische Zeitungen durften wieder ausgelegt werden. Die Sparkasse empfiehlt, bei der zunehmenden Unsicherheit alle entbehrlichen Gelder der Sparkasse anzuvertrauen. In den umliegenden Städten wie Aachen, Stolberg und Eschweiler herrschte immer noch große Not und Hunger. Der Landrat des Kreises Monschau fordert die Bauern der Region auf, alle nicht selbst benötigte Butter abzuliefern, um die Not in den Städten zu mildern. „Bauer, zeige Dich gewachsen deiner Aufgabe, bedenke die Folgen, die es hat, wenn du deine Butter nicht ablieferst. Du bist es, auf den sich heute die Ordnung stützt; sorge durch restlose Ablieferung der von Dir verlangten Butter, dass keine Lebensmittelunruhen ausbrechen, denn Ruhe und Ordnung ist das Notwendigste, dessen unser Vaterland unter den heutigen Verhältnissen bedarf.“ So stand es am 19. November im „Stadt- und Landboten“, der zweiten Zeitung im Kreis Monschau.

Und wofür wurde in dieser Notzeit geworben in Zeitungsannoncen? Die Möbelhandlung Roscheda hatte Särge aller Größen auf Lager, ebenso Rodelschlitten. Die Witwe Matulat verkaufte in einem Laden gegenüber der Aukirche Schreibpapier, Rasierseife und Toilettenseife. Die unverheiratete Catharina Gerards aus Rohren verkaufte am 18. November ihren gesamten Hausrat, dazu eine Schubkarre, 20 Zentner Heu und eine Ziege, anschließend ließ sie in der Gaststätte Dederichs ihr Haus versteigern. Häufig in den Anzeigen wurden Tiere angeboten: Pferde, Schafe, Hunde, Ochsen, Rinder, Ziegen. Die Fa. Salzburg in der Stadtstraße warb für neue Kalender: Benzigers Marienkalender, Antoniuskalender, Christlicher Familienkalender.

Mehr von Aachener Zeitung