Rurberg: Darts auf hohem Niveau: „Rurseepower“ mehr als Kneipensportler

Rurberg: Darts auf hohem Niveau: „Rurseepower“ mehr als Kneipensportler

„Vergiss nicht, dich aufzuwärmen“, motiviert Michael Paffen, langjähriger Dartsspieler und Kapitän des Teams „Rursee Power“, seinen Mitspieler Dominik Lannott. Denn wie fast jedes Wochenende werden im „Bistro am Badesee“ am Abend wieder die Dartpfeile geworfen.

Es geht um Spaß, aber in erster Linie um Meisterschaftspunkte. Michael Paffens Team spielt zurzeit in der zweithöchsten deutschen Klasse, der Bezirksoberliga. „Je höher man spielt, desto ernster nimmt man den Sport“, erklärt er.

Mindestens jeden zweiten Tag trainieren er und seine Mannschaft. Um zeitlich nicht in Bedrängnis zu kommen, habe jeder Spieler seinen eigenen Dartautomat zu Hause stehen. „Mit Kneipensport hat das nichts mehr gemeinsam“, betont der Kapitän. Auch für Norbert Latz, ebenfalls Spieler des Teams „Rursee Power“, ist die Einstufung von Darts als „Kneipensport“ längst nicht mehr zutreffend. „Nirgendwo wird so freundlich und fair gespielt wie beim Darts“, sagt er. Latz spielt bereits seit 16 Jahren. Ein Besuch in einer Kneipe, in der Darts gespielt wurde, brachte ihn zu dem Sport. „Nachdem ich es einmal probiert hatte, war es wie ein Rausch“, erinnert er sich.

Neben dem Sport an sich, ist es aber auch die Geselligkeit, die Mitspieler Manfred Münch an diesem Mannschaftssport begeistert. „Das Team ist wie eine zweite Familie.“ Auch er hat schon langjährige Erfahrung im Darts, denn er spielt schon seit 30 Jahren.

„Um ein erfolgreicher Dartspieler zu werden ist vor allem pure Konzentration, Nervenstärke und ganz viel Übung gefragt“, erklärt Paffen. Durch die Übung werde die Wurftechnik, also das Finden der richtigen Abwurfhöhe und das gezielte Abwerfen der Pfeile, ein automatischer Vorgang, der bei fehlender Übung verloren gehe. Eine einheitliche Wurftechnik gebe es jedoch nicht. „Jeder Spieler spielt auf seine eigene Art, aber die guten Spieler erkennt man sofort“, erklärt er weiter. Doch nicht nur die Wurftechnik sei wichtig, um ein erfolgreicher Spieler zu werden, sondern auch Kopfrechnen, denn man muss seine Würfe genau kalkulieren, um exakt auf den siegbringenden Wert Null zu kommen. Bei einem Wurf, der zu einem Punktestand unter dem Wert Null führt, also zu Minuspunkten, wird die gesamte Punktzahl des Durchgangs nicht gewertet und der Spieler muss bis zur nächste Runde warten und sein Glück erneut versuchen.

Neben den fünf Elektro-Dartautomaten, die im „Bistro am Badesee“ zu finden sind, gibt es hier ebenfalls noch zwei spezielle Dartautomaten. Mit ihnen kann man per Internetverbindung sowohl Trainings- oder Spaßspiele als auch weltweite Länderspiele austragen. Spanien, Portugal, Finnland, Norwegen, Österreich und die Schweiz sind nur einige der insgesamt 17 Länder, gegen die im „Bistro am Badesee“ gespielt werden kann. Die Automaten sind mit drei Kameras ausgestattet, die den Spielverlauf vor Ort aus verschiedenen Perspektiven aufzeichnen und an die gegnerische Mannschaft übertragen.

Die Mannschaften bei diesem so bezeichneten „Radikal Darts“ bestehen aus vier bis sieben Spielern. Die Bestimmung der Spielstärke erfolgt durch die Errechnung des Mannschaftsdurchschnitts der PPK (Points per Dart). Um einen fairen Wettbewerb sicher zu stellen, verfügt das Radikal-Darts-System über Fernschiedsrichter, die so genannten „Kopfgeldjäger“, die sich in Spanien aufhalten und die Spiele kontrollieren. Von Schiedsrichtern bemerktes Fehlverhalten wie Übertretung der Abwurflinie oder ein Wurf, der von einer nicht registrierten Person ausgeübt wurde, können auch nach Beendigung des Spiels das Ergebnis verändern.

Zu Hause vor dem Fernseher verfolgen die Männer des Teams „Rursee Power“ mit Begeisterung die Wettkämpfe der Profidartsspieler. Absoluter Favorit der Männer ist der schottische Weltmeister Gary Anderson. „Er ist ein ruhiger, unauffälliger Mensch und ein guter Spieler“, wird er von Manfred Münch beschrieben.

Die Besitzerin des Lokals „Bistro am Badesee“, Judith Paffen, bedauert, dass der Dartsport bei vielen jungen Leuten noch nicht richtig angekommen sei, obwohl er laut Ehemann Michael Paffen, „immer beliebter“ wird. „Bei Interesse einfach vorbeikommen“, empfiehlt der Teamchef.

(ys)
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