Mögliche Ansiedlung von Norma: CDU Höfen lädt ein zur Informationsveranstaltung

Mögliche Ansiedlung von Norma : CDU Höfen lädt ein zur Informationsveranstaltung

Hoch ging es her bei der Bürgerinformationsveranstaltung in der Vereinshalle Höfen. Der CDU-Ortsverband hatte am Donnerstagabend eingeladen, es ging um die „Ansiedlung eines Norma-Marktes in Höfen“.

Höfens CDU hatte sich klar positioniert. In einem Schreiben, das an alle Höfener Haushalte gegangen war, erklärte sie: „Wir als Vorstand des Ortsverbandes der CDU haben nach sorgfältiger Abwägung einstimmig beschlossen, dieses Vorhaben vollumfänglich zu unterstützen.“ Man sehe in der Norma-Ansiedlung einen „Mosaikstein, um die Lebensqualität in unserem Ort zu erhalten“.

Ebenso deutlich positionierte sich Doro Breuer, die in Höfen den kleinen Frischmarkt betreibt. Sie ließ ebenfalls ein Rundschreiben in Höfen verteilen, worin sie die Bürgerinformationsveranstaltung „wohl eher eine vom CDU-Ortsverband getragene Werbeveranstaltung für eine Ansiedlung eines solchen Marktes“ nennt. Sie zählt die Besonderheiten ihres Frischmarktes auf, beispielsweise „zentraler Treffpunkt für Jung und Alt“, „Abgabe von Kleinstmengen“, „Versorgung von Vereins- und Dorffesten auf Kommission“ oder Bringservice von schweren Einkaufstaschen und Getränkekisten. Unmissverständlich kündigt sie an: „Die Ansiedlung eines Discounters würde uns jedoch dazu zwingen, das Geschäft zu schließen.“

Grundstück am Ortsrand

Zur Infoveranstaltung strömten die Höfener in großer Zahl, alle Altersgruppen waren vertreten. Immer wieder wurden Stühle hereingetragen, damit alle Platz fanden. Heinz Mertens, der Vorsitzende des Höfener CDU-Ortsverbands und Ortsvorsteher, begrüßte die vielen Menschen. Es sei ihm ein Anliegen, umfassend zu informieren, deshalb seien auch drei Herren anwesend, die mit der Planung des Norma-Marktes befasst seien.

Dem Vortrag von Alfred Rausch, Expansionsleiter bei Norma, hörte man mehr oder weniger geduldig zu, denn er befasste sich mit der Historie des Unternehmens und dessen sozialem Engagement.

Von der CDU Höfen stellten sich Georg Ungermann, Peter Theißen, Josef Melchior, Heinz Mertens den Fragen; das Bauvorhaben wurde vorgestellt von Alfred Rausch, Dr. Rainer Kummer und Gerd Graf (Bild unten rechts, v. l.

Doch dann kam er auf den Punkt: Bei der Suche nach neuen Standorten in der Eifel sei man auf das Grundstück von Hans Jürgen Kirch am Ortsrand von Höfen gestoßen. „Mit Herrn Kirch haben wir einen Erbpachtvertrag abgeschlossen, der nur zum Tragen kommt, wenn wirklich gebaut wird. Das Unternehmen wäre dann im äußersten Fall für 70 Jahre gebunden“, so Rausch. Südlich von Monschau sieht er einen „absoluten Bedarf an Versorgung“. Dafür erntete er Lacher aus einer Ecke.

Höfen ist nicht normal

Dr. Rainer Kummer von der Firma Futura Consult unterstützte ihn und berichtete, er habe sich sehr intensiv mit der Bedarfsplanung befasst. „Auf die Gesamtstadt Monschau gesehen, ist relativ viel Versorgung da. Aber die Orte Höfen, Kalterherberg und Rohren haben kleine Läden, die nicht annähernd die in Deutschland normale Größe und Versorgungskapazität aufweisen.“

Gerd Graf, der in Montabaur ein Architekturbüro leitet, zeigte seinen Entwurf für das neue Gebäude. Es soll 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche aufweisen, dazu einen Backshop und eine überdachte Terrasse. Belanglosigkeiten wie „der Laden öffnet sich für den Ankommenden“ wurden teils stirnrunzelnd zur Kenntnis genommen. Eine Bürgerin merkte an, dass sie die bestehenden Norma-Läden, die sie kennt, nicht schön findet: „Aufschnitt liegt neben Klamotten.“

Dazu musste Rausch zugeben, dass etwa in Simmerath die gepachtete Immobilie aus dem Jahre 1994 stamme und nicht mehr zeitgemäß sei. Neue Märkte in Euskirchen und nahe Heinsberg wiesen eine andere Größe und bessere Ausstattung auf, was er mit Fotos belegte.

Es gab eine Reihe von kritischen Fragen und Anmerkungen aus der Versammlung. Beide Seiten, die Gegner und die Befürworter, wurden oft mit Applaus bedacht.

„Wir sind überversorgt“, glaubt ein älterer Herr, der schon über 60 Jahre in Höfen wohnt. Ein anderer meinte: „Von Höfen, Rohren, Kalterherberg und ein paar Belgiern kann Norma nicht leben.“ Ein Gesprächsteilnehmer warnte: „Wehret den Anfängen! Wo einer ist, da kommen auch andere.“ Und die Sorgen der Anwohner wurden laut, sie müssten dann womöglich „ständig auf Norma-Reklame gucken“ — oder ob gar eine Schallschutzwand gebaut werden müsste.

Auf andere Prioritäten wurde auch aufmerksam gemacht (Bild unten links). Fotos: A. Lauscher.

Der stellvertretende Vorsitzende des Konsum in Rohren meldete sich zu Wort und fand aufmerksame Zuhörer: „Unser Dorfladen ist Mittelpunkt und sozialer Treffpunkt und wird mit viel Liebe betrieben. Norma wird ein Sargnagel unseres Dorflädchens sein. Ich verstehe nicht, dass die CDU Höfen einen Supermarkt will. Der ist überflüssig.“

Dagegen wandte ein Familienvater ein: „Wenn sich meine Kinder in 15 Jahren entscheiden, ob sie gehen oder bleiben, dann kann ein Supermarkt mit ausschlaggebend sein.“ Ein anderer zählte auf: „Vor einigen Jahren hatten wir noch einen Metzger, zwei Läden, sogar ein Sägewerk. Sollten wir nicht jemanden, der dem Abwärtstrend entgegenwirkt, mit Kusshand aufnehmen?“

Mehrmals wurde in Redebeiträgen auf Wanderer und Touristen hingewiesen, die den Ort Höfen schön und liebenswert finden; da würde kein Supermarkt hin passen. Einer meinte: „Ich will das Dorf im Grünen und nicht das Dorf am Norma!“ Dem hielt ein anderer Diskussionsteilnehmer leidenschaftlich entgegen: „Was habt ihr vor zwölf Jahren gegen den Nationalpark gewettert! Und jetzt geht es wieder darum, unseren Ort attraktiv zu gestalten und nicht zu warten, bis alles kaputt geht.“

Viele Lacher und Applaus erhielt der Senior Karl Heinz Pontzen, als er ausrief: „Alles was neu ist, ist schlecht: das Nationalparktor, eine Handy-Empfangsstation … Norma wird ein Erfolg werden. Die heute dagegen schreien, gehen als Erste da einkaufen!“

Es wurde auch nach den Arbeitsplätzen gefragt, die Norma bieten würde. Man sei bestrebt, zwei Auszubildende einzustellen und mehrere Angestellte für eine 30-Stunden-Woche, dazu einige Aushilfen, lautete die Auskunft.

Von jungen Eltern wurde eingewandt, man brauche keinen Norma, vielmehr seien bezahlbare Baugrundstücke und Kindergartenplätze wichtig. Das Gesamtkonzept fehle, man solle eine Gruppe bilden, die die brennenden Themen angehe. „Es ist jeder eingeladen, mit uns zu diskutieren. Wir müssen eins nach dem anderen abarbeiten“, sagte Heinz Mertens. Er werde einiges aus der Versammlung mitnehmen in den Stadtrat. „Es ist wichtig für den Zusammenhalt im Ort, dass man offen diskutiert.“

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