Imgenbroich: Caritas geht mit Therapiehunden neue Wege

Imgenbroich : Caritas geht mit Therapiehunden neue Wege

„Isabela sitz.“ Markus (56) schaut auf den Hund und spricht. Seitdem Markus mit dem niederländischen Hütehund arbeitet, redet er. „Als ich seinen Wunsch, die Hunde zu streicheln, gehört habe, hatte ich Tränen in den Augen. Zuvor hatte ich Markus niemals reden hören.“

Franz-Josef Wilden, Betriebsleiter im Werk 5 der Caritas Betriebs- und Werkstätten GmbH (CBW) in Imgenbroich, ist immer noch bewegt, wenn er an den Moment vor vier Monaten denkt. Damals hatte er die Entscheidung getroffen, im heilpädagogischen Arbeitsbereich der Werkstatt, dem sogenannten HPA-Bereich, für Menschen mit Behinderung Therapiehunde einzusetzen. „Dort sind es die schwerstmehrfachbehinderten Menschen, die täglich zu uns kommen und sich auf Abwechslung freuen“, erklärt Anna Farrensteiner, Gruppenleiterin im HPA-Bereich.

Die beiden Therapiehunde von Elke Lachmann aus Stolberg vom Centre for Service and Therapy Dogs Germany sind jede Woche zwei Stunden bei der CBW. Dann kommen die gut erzogenen niederländischen Hütehunde, die eine Größe von rund 50 Zentimetern haben, an die Seite ihrer Trainerin und warten auf Kommandos.

„Meine Hunde sind solide aufgebaut. Sie gehorchen, haben aber auch viel Selbstvertrauen und gehen mit den Menschen mit Behinderung sehr feinfühlig um. Die Hunde dürfen keine reinen Befehlsempfänger sein, sie müssen eine gute Intuition haben.“ Elke Lachmann begleitet die Hunde bis in den Gruppenraum der schwerstmehrfachbehinderten Menschen. So auch vor acht Wochen. Schnell hatten sich beide Hunde mit Jaqueline angefreundet, einer jungen 20-jährigen Frau, die häufig liegen muss. „Immer wieder krampft der Körper von Jaqueline“, beschreibt Anna Farrensteiner ihre tägliche Arbeit.

Das Unbegreifliche geschah

Als Jaqueline vor acht Wochen wieder einmal krampfte und die Hunde in der Nähe waren, legte sich der eine auf eine Seite der jungen Frau, der andere auf die andere Seite und das Unbegreifliche geschah: „Jaqueline hörte sofort auf zu krampfen“, erzählt Projektleiterin Farrensteiner, die jeweils die Beschäftigten für das Hundetraining einteilt. Jede Woche kommen die Hunde. Dann haben einige Beschäftigte Einzelstunden mit den Tieren, andere in kleinen Gruppen.

„Beschäftigte, die geistige und körperliche Handicaps haben, aber auch spastisch behindert oder Epileptiker sind, nehmen an diesem Pilotprojekt teil“, sagt Anna Farrensteiner, die längst beobachtet hat, „dass Beschäftigte und Mitarbeiter der CBW gute Laune haben, wenn die Tiere in die Werkstatt kommen.“

Als Therapiehunde sind die neunjährige Catalina und die 18 Monate alte Isabela keine Spielhunde. Wenn sie da sind, wird hart gearbeitet. „Es ist faszinierend, was man mit Hunden alles erreichen kann“, fasst Betriebsleiter Wilden die Erfahrungen der letzten Wochen zusammen. Ziel der Arbeit mit den Hunden ist, dass die Beschäftigten der CBW am Arbeitsleben teilhaben. „Wenn einer nach einem halben Jahr Nichtreden sagt: Darf ich den Hund streicheln? Dann sind die Hunde die Eisbrecher und der erste Schritt für Markus, wieder am Leben teilzuhaben“, urteilt Franz-Josef Wilden.

Deshalb gilt das Pilotprojekt als Erfolg. „Unsere Aufgabe ist es, die Leute auf dem ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Das ist das Ziel einer Werkstatt. Wenn wir einige Beschäftigten in einem ersten Schritt wieder am Leben teilhaben lassen, sind die Therapiehunde für diese Beschäftigte das richtige Instrument zur Integration“, sagt CBW-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Michael Doersch.

(red)