Nordeifel: Caritas-Behindertenwerk: Zusatzausbildung für Mitarbeiter

Nordeifel: Caritas-Behindertenwerk: Zusatzausbildung für Mitarbeiter

„Was tue ich, wenn ein Mitarbeiter nicht mehr motiviert ist? Heute weiß ich es. Ich rede mit ihm in seiner Sprache. Auf einem ganz einfachen Level. Das war vor meiner Ausbildung anders.“ Ralf Kather arbeitet in der Caritas-Behindertenwerk GmbH (CBW) in Würselen.

Der 47-Jährige ist für die Teilnehmer im Berufsbildungsbereich zuständig. Wie ein Berufsschullehrer unterrichtet er Beschäftigte in Werkzeugkunde, in Arbeitssicherheit und in Gruppenregeln.

Die Beschäftigten kommen jeden Tag in die Werkstatt, um am Arbeitsalltag teilzuhaben und für eine Arbeit qualifiziert zu werden. Manchmal sind das anspruchsvolle Tätigkeiten, wie Tankdeckel aus vielen Komponenten zusammenzuschrauben. Manchmal sind es leichte Aufgaben, wie DVDs kaputtzumachen.

Ralf Kather ist Elektromeister. Nach einer zweijährigen Zusatzausbildung und dem Abschluss des staatlich geprüften Sozialassistenten mit dem Schwerpunkt Heilerzieher ist er geprüfte Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung in Werkstätten für Menschen mit Behinderung (FAB).

Zwei Jahre hieß es für ihn, einmal wöchentlich die Schulbank drücken. Themen wie die Theorie der Heilerziehung standen auf dem Stundenplan, die Gesundheitslehre, Berufs- und Rechtskunde, aber auch Deutsch, Politik, Sport und viel Wissen um die Werkstatt für Menschen mit Behinderung.

Dabei standen die Planung des Rehabilitationsverlaufs, die Berufs- und Persönlichkeitsförderung und die Gestaltung der Arbeit unter rehabilitativen Aspekten im Fokus.

1900 Euro hat die Ausbildung gekostet und die Prüfung noch mal knapp 200 Euro. „Das hat der Arbeitgeber gezahlt, die CBW“, sagt Ralf Kather. „Wir zahlen unseren Mitarbeitern diese Zusatzausbildung, weil wir die Qualität in unseren acht Werkstätten in der Städteregion hochhalten wollen“, erklärt CBW-Geschäftsführer Michael Doersch.

Aber auch in der Werkstättenverordnung wird festgelegt, dass die Mitarbeiter innerhalb der ersten fünf Jahre bei der CBW die sonderpädagogische Zusatzausbildung machen müssen. Die Mitarbeiter sollen Handlungssicherheit im Umgang mit den beschäftigten Mitarbeitern bekommen. „Und das haben wir nach der Ausbildung“, sagt Ralf Kather.

In allen Werken sind mittlerweile 90 Prozent der Mitarbeiter geprüfte Sozialassistenten. Sie entlasten die Mannschaft um Sozialdienstleiter Fredi Gärtner. „Nach der Fortbildung haben wir einen anderen Background. Wir wissen, dass die Menschen mit Behinderung anders reagieren als die Menschen ohne Behinderung. Das Wissen darum entschärft schwierige Situationen“, sagt Offsetdrucker Andre Mahl.

Der 35-Jährige hat schon seine Ausbildung bei der CBW gemacht und konnte sich als junger Mann gar nicht vorstellen, mal das Wissen eines Sozialassistenten zu haben. „Heute sind viele Situationen mit den behinderten Mitarbeitern selbstverständlich. Weil wir einen großen Erfahrungsschatz nicht nur aus unserer praktischen Arbeit, sondern auch mit den wissenschaftlichen Ergänzungen haben“, betont der Offsetdrucker.

Jeden Tag wieder erfüllt er wie seine Kollegen einen doppelten Auftrag: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Aufträge der Kunden fristgerecht fertig werden. Aber wir müssen auch schauen, dass sich unsere Beschäftigten gut fühlen und wir müssen sie sofort auffangen, falls nötig“, beschreibt Ralf Kather eine Situation, die täglich vorkommen kann.

Was da passieren kann? „Ein Beschäftigter guckt einen anderen Beschäftigten falsch an. Da kann die Situation schnell eskalieren. Also müssen wir sofort mit Fingerspitzengefühl reagieren, um die Reaktion zu analysieren und die Stimmung zu bereinigen“, weiß Ralf Kather. Er hat — ebenso wie die anderen zusätzlich qualifizierten Mitarbeiter — zuhören gelernt.

„Der Stolperstein im Kopf des Beschäftigten muss erkannt und analysiert werden, bevor eine vertrauenswürdige Ebene geschaffen wird und der Mitarbeiter Vertiefungsfragen stellen kann, die aus einer vertrackten Situation herausführen können“, konkretisiert Fredi Gärtner, der genauso wie seine ganzen Kollegen mit den Beschäftigten so umgehen muss, wie der das gerade fordert.