BVR macht Verkehrsführung verantwortlich: Buskunden klagen über viele Ausfälle

BVR macht Verkehrsführung verantwortlich : Buskunden klagen über viele Ausfälle

Kommt er? Kommt er nicht? Das sind die Fragen, die sich Carmen Krämer und ihr Freund nahezu täglich auf dem Weg zur Arbeit nach Aachen stellen. Mit ihm, dem Bus, verbindet die junge Wissenschaftlerin aus Imgenbroich eine Art Hassliebe. Wobei derzeit der Hass überwiegt.

Denn der Vorsatz, das Auto künftig stehen zu lassen und mit dem Bus zur Arbeit an die Hochschule in Aachen zu fahren, lässt sich derzeit kaum noch umsetzen. „Das Ganze ist wie Roulette spielen und ähnlich teuer. Die Preise sind für den Service eine Unverschämtheit“, klagt Krämer.

Immer wieder würden Busse einfach gar nicht mehr kommen. Oft sitzt die 32-Jährige dann an der Umsteigehaltestelle in Roetgen fest. Derzeit hätten die Busprobleme den absoluten Höhepunkt erreicht: „Seit zwei Wochen fällt etwa die Hälfte der Busse aus. Vergangene Woche Dienstag stand mein Freund von 18 bis 20.30 Uhr an der Haltestelle Alter Posthof in Aachen – vier Busse kamen einfach nicht!“ Ein großes Problem  seien auch fehlende elektronische Anzeigetafeln in der Eifel. In Aachen gebe es die zwar, aber dort würden oftmals auch Busse angekündigt, die überhaupt nicht fahren.

Ritter sieht keine schnelle Lösung

Die zuständige Busverkehr Rheinland GmbH (BVR) begründet die Ausfälle mit der enormen Beeinträchtigung des Verkehrs durch die einspurige Verkehrsführung am Ortsausgang Roetgen. „Wird die Verspätung dann zu groß, kann es passieren, dass ein Bus komplett ausfällt“, sagt ein BVR-Sprecher. Wenn der Verkehr dort nun wieder ohne Baustellenampel fließen könne, sei Besserung in Sicht. „Zurzeit gibt es beträchtliche Verzögerungen durch die Baustelle Fringshaus nach Roetgen, teilweise mit Verspätungen bis zu einer halben Stunde. Dies führt sicherlich zu einer allgemein gereizten Stimmung bei den Busnutzern. Sie wollen die Zeit eben nicht auf der Strecke verlieren, sondern zügig nach Aachen kommen“, bestätigt Margareta Ritter, die Bürgermeisterin Monschaus.

Tatsächlich erweist sich der Umsteigepunkt Roetgen-Post als Achillesferse des Busplans – denn durch die immensen Verspätungen erreichen Nutzer dort oft nicht den Anschlussbus. „Dies führt in Roetgen auf dem morgendlichen Weg dazu, dass die Verknüpfung so lange nicht warten und erst mit dem nächsten Takt bedient werden kann, und nach Feierabend in Imgenbroich die Anbindung an den Netliner ebenso nicht warten kann. Gebuchte Fahrten auf den Netliner müssen dann auf den nächsten Bus verlegt werden“, erläutert Ritter. Ihr Fazit: „Ich sehe da keine schnelle Lösung und hoffe auf die Geduld der Nutzer.“

„Anbindung an Aachen ist gut“

Dass die Kunden allerdings auch in Aachen oft im Ungewissen bleiben, ob der Bus Richtung Eifel überhaupt fährt, ärgert auch Paul Heesel von der Aseag. „Wir sind an dem Thema dran“, verspricht der Pressesprecher. Technisch sei es derzeit nicht einfach, einen Busausfall auf den Anzeigetafeln zu vermelden. „Unsere Techniker arbeiten an der Programmierung.“

Krämer mag sich mit den Erklärungen aber nicht zufrieden geben: „Die Baustelle in Roetgen kann ein Grund für Verspätungen sein, aber nicht für die vielen Totalausfälle.“ Margareta Ritter rechnet hingegen damit, dass der Busverkehr nach Abschluss der Bauarbeiten an der B258 wieder weitgehend planmäßig verläuft. „Insgesamt sind wir froh, dass die Bundesstraße ertüchtigt wird, weil der Verkehr dann deutlich flüssiger fließen wird“, sagt die CDU-Politikerin. Insbesondere der zweispurige Anstieg von Roetgen nach Fringshaus werde zu klaren Verbesserungen führen, prognostiziert sie.

Grundsätzlich sei die Anbindung an Aachen trotz aller Klagen vergleichsweise gut: „Seit der Umstellung auf einen halbstündigen Takt bei den beiden Schnellbuslinien verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg derjenigen, die auf den Bus umgestiegen sind.“ Werner Krickel, Fraktionschef der Monschauer Grünen, teilt diese Einschätzung. „Suchen Sie einen solchen Takt mal in vergleichbaren ländlichen Räumen!“ Krickel räumt ein, dass die Verbindung ab 19 Uhr sowie am Wochenende grundsätzlich verbesserungswürdig sei.

Daran werde jedoch gearbeitet, was allerdings schwierig sei. Denn diese Entscheidungen würden in der AVV-Verbandsversammlung in erster Linie von den Bürgermeistern der betroffenen Kommunen gefällt. Dort geht es schlicht und ergreifend ums Geld: Fährt ein Bus – wie im Fall der Verbindung von Aachen in die Eifel – durch mehrere Gemeinden, wird der Verlust nach einem Schlüssel verteilt, der sich aus den in einer Gemeinde gefahrenen Kilometern und Stunden errechnet. Das führt erfahrungsgemäß zu schwierigen Verhandlungen.

Das Geld ist allerdings auch für Carmen Krämer ein Thema: „140 Euro pro Person und Monat sind für solchen Ärger definitiv zu viel! So vergrault man Menschen, die umweltfreundlich pendeln wollen.“

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