Roetgen: Bundesstraße 258: Politiker lehnen Ortsumgehung weiter ab

Roetgen: Bundesstraße 258: Politiker lehnen Ortsumgehung weiter ab

Die Pendler, die zurzeit die Umleitung durch den Ortskern von Roetgen nehmen müssen, sind genervt. Bei vielen Anwohnern liegen die Nerven blank, und etliche Eltern machen sich Sorgen um die Sicherheit ihrer Kinder. Die Autos, die täglich zu Tausenden durch den Ort rollen, sorgen seit vielen Jahren immer wieder für Diskussionen.

Auch eine Ortsumgehung war lange Zeit ein Thema, das schließlich mit einem bindenden Beschluss des Roetgener Gemeinderates beerdigt werden sollte. Bei verschiedenen Gelegenheiten lebt die Diskussion aber immer wieder auf. So auch jetzt.

Nach langen Diskussionen sei diese Option vor Jahren aus allen Planungen gestrichen worden. „Und das auch mit einer gewissen Berechtigung“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Roetgener SPD, Klaus Onasch. Damals habe man festgestellt, dass es im Grunde nur eine sinnvolle Ortsumgehung geben könne. Die müsste dann von Münsterbildchen in Richtung Dreilägerbachtalsperre führen, diese möglicherweise mit Hilfe einer Brücke überqueren, um dann an Fringshaus wieder auf die Bundesstraße 258 zu stoßen.

Andere Alternativen seien noch schwieriger zu realisieren, da die Trasse dann über belgisches Gebiet führen müsse. Außerdem werde die Fahrstrecke für die Pendler dann länger. Die Chancen für eine Ortsumgehung lägen daher planungsrechtlich bei nahezu null, sagt Onasch.

Des Weiteren sei eine Ortsumgehung keine Lösung für die aktuellen Probleme im Ort. Schließlich würde es rund zehn Jahre dauern, bis ein solches Vorhaben realisiert werden könne. „Die aktuelle Situation ist kein guter Ratgeber in dieser Fragestellung“, sagt Onasch. Inzwischen hätten sich an der B258 auch viele Geschäfte entwickelt, die dann keine Chance hätten, zu überleben, erklärt Onasch. Es gebe also viele Gründe, die gegen eine Ortsumgehung sprechen.

Auch die CDU will weiter an dem Ratsbeschluss festhalten. Es gebe keine sinnvolle Lösung, die andere Wohngebiete des Ortes nichts belasten würde. „Eine Ortsumgehung würde das Problem nur verlagern“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende, Michael Seidel. Eine Ortsumgehung müsse daher weit um Roetgen herum geführt werden. Das sei der Grund, warum die CDU bei ihrer Meinung bleibe, dass es keine Ortsumgehung auf Roetgener Gebiet geben dürfe. Hinzu komme, dass eine Ortsumgehung entweder Naturschutzgebiete auf belgischer Seite oder die Dreilägerbachtalsperre tangieren würde.

Nicht aus dem Blick verlieren dürfe man auch die Geschäfte, die sich an der B258 angesiedelt haben. Deshalb sei die beste Lösung, den Verkehr nach wie vor über die B258 zu führen.

Für Silvia Bourceau, die Fraktionsvorsitzende der UWG, ist es verständlich, dass angesichts der Situation auch wieder kontrovers über eine Ortsumgehung diskutiert wird. „Die Lösung liegt aber nicht auf der Hand“, sagt sie. Eine Ortsumgehung sei aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nur sehr schwer umsetzbar. „Es wäre wichtig, die Bürger zu befragen — dazu gehören die Anwohner, aber auch die Geschäftsleute“, sagt Bourceau. Sie würde die Angelegenheit gerne zum Anlass nehmen, die drei Nordeifelkommunen an einen Tisch zu bringen, „um gemeinsam nach einer Lösung für die B258 zwischen Fringshaus und Relais Königsberg zu suchen“.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Gerd Pagnia, äußert Verständnis dafür, dass der Wunsch nach einer Ortsumgehung angesichts der aktuellen Verkehrssituation im Ortskern wieder aufkommt. Die Bedingungen für eine Ortsumgehung hätten sich im Lauf der Jahre aber nicht geändert, wenn überhaupt hätten sie sich durch zusätzliche Bebauung noch verschlechtert. Eine Ortsumgehung sei aus den bereits genannten Gründen weder im Westen noch im Osten Roetgens möglich. „Es gibt einfach keine Möglichkeit, selbst wenn man es wollte. Außerdem fänden wir es nicht richtig, Roetgen abzuschneiden“, sagt Pagnia.

Bei Franz-Josef Zwingmann, dem Fraktionsvorsitzendem der FDP, stößt eine Ortsumgehung auf grundsätzliche Ablehnung. „Wir brauchen keine Schnellstraßen“, sagt er. Eine Ortsumgehung sei ohnehin nicht möglich. Wenn überhaupt dann über belgisches Gebiet. „Aber da werden die Belgier nicht mitspielen.“

Bei „normalem Verkehr“ sieht die Fraktionsvorsitzende der PRB, Anita Buchsteiner, keine Notwendigkeit für eine Ortsumgehung. Insbesondere mit Blick auf die Roetgener Geschäftswelt hält sie eine Ortsumgehung für nicht zielführend. „Zumal in der Vergangenheit verschiedene Optionen geprüft und für Roetgen als nicht wünschenswert eingeschätzt wurden“, sagt Buchsteiner.

Baumaßnahmen, wie zurzeit auf der B258 in Roetgen, seien nichts Ungewöhnliches, sagt Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss. Solche Maßnahmen gebe es auf allen Landes- und Bundesstraßen und auch auf Autobahnen. „Das bedeutet immer Einschränkungen. Das heißt aber nicht, dass eine Ortsumgehung nötig wäre“, sagt Klauss. Außerdem sei die B258 schon so etwas wie eine Umgehungsstraße, da sie nicht durch den Ortskern, sondern daran vorbei laufe. Auch der Bürgermeister kann sich keinen sinnvollen Verlauf einer Ortsumgehung vorstellen.

„Vor dem Bau von zusätzlichen Straßen sollte man die Energie lieber in die Entwicklung des ÖPNV stecken“, sagt Klauss, der davon überzeugt ist, „dass der ÖPNV bei einem zukunftsweisenden Konzept für die Nordeifel im Vordergrund stehen muss“.