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Buch über Aachener Landsturmmänner im Ersten Weltkrieg

Aachener Landsturmmänner im Ersten Weltkrieg : Das letzte Aufgebot für den Notfall

Wenn Kriege sich über Jahre hinziehen und immer mehr Soldaten ihr Leben lassen, wird fast niemand mehr vom Kriegsdienst verschont. Alle personellen Reserven müssen aktiviert werden.

Dann ergeht der Befehl des Regimes, dass alle „waffenfähigen“ Männer aufgeboten werden müssen, um die Heimat zu verteidigen. In Erinnerung geblieben ist dabei der sogenannte „Volkssturm“, den das NS-Regime im Oktober 1944 in letzter Verzweiflung gegen den drohenden Untergang rekrutierte. Doch diese Form der Mobilmachung für den Notfall gab es auch schon im Ersten Weltkrieg (1914-1918).

In der Geschichtsschreibung haben die damals so bezeichneten „Landssturmmänner“ aber kaum Beachtung gefunden. Dieser bislang wenig beachteten Form des Soldatenlebens verschafft nun ein soeben erschienenes reich bebildertes Buch Zugang: Der Herzogenrather Autor Wolfgang Klein hat unter dem Titel „1914 -1918 Aachener Landsturmmänner“ eine umfangreiche regionale Dokumentation über die Landsturm-Bataillone Aachen, Deutz, Düren, Eschweiler, Jülich, Monschau und Rheydt verfasst. Im Mittelpunkt der detaillierten Recherchearbeit steht dabei nicht das grauenvolle Kriegsgeschehen an der Front, sondern das Soldatenleben in der Heimat und abseits der Fronten.

Gerade die Fotos, die fast überwiegend in den Jahren 1914 bis 1916 entstanden, zeigen ein friedliches Bild. Die Landsturmmänner inszenieren posenreich ihr Soldatenleben. Viele der Aufnahmen dienten dabei auch Feldpostkarten, und die stolz dreinblickenden Männer mit ihren glatt gebügelten Uniformen wollten ihre Bedeutung für die Kriegsführung gestenreich unterstreichen und damit wohl den Angehörigen deutlich machen, dass kein Grund zur Sorge besteht. Zu diesem Zeitpunkt aber konnte noch keiner der Abgebildeten wissen, wie lang und entbehrungsreich der Krieg sein würde.

Im Verlauf des Ersten Weltkrieges wurden insgesamt über 850 Landsturm-Infantrie-Bataillone aufgestellt, ein kleiner Teil davon auch im ehemaligen Regierungsbezirk Aachen. Die Landsturmpflicht für Männer zwischen 17 und 45 Jahren galt nicht in Friedenszeiten, sondern nur in Fällen dringender Not, wenn beispielsweise das Vaterland bedroht wurde. Eigentlich sollte der Landsturm nur zum Schutz der Heimat eingesetzt werden, doch weil mit dem Fortgang des Krieges immer mehr Soldaten ihr Leben ließen, wurden die Männer auch häufig zum Fronteinsatz herangezogen. Aachen zählte dabei zu den größten Mobilmachungszentren im Westen.

Als am 4. August 1914 deutsche Truppen die belgische Grenze bei Gemmenich zum neutralen Belgien überschritten, waren auch die Landsturm-Bataillone Aachen und Montjoie im Einsatz. Auch die Eifelstraßen gehörten zu den wichtigen Aufmarschgebieten. Das Landsturm-Infantrie-Bataillon Montjoie VIII.20 wurde am 2. August 1914 aufgestellt. Die darin zusammengezogenen rund 2600 Mann wurden in den ersten Kriegswochen vor allen als Bahnwachen zur Sicherung der Vennbahnstrecke zwischen Konzen und Burg-Reuland oder beim Grenzschutz eingesetzt. In der Endphase des Krieges lösten sich die Landsturmbataillone im November 1918 auf. Auf dem Aachener Waldfriedhof existiert auch heute noch ein gesonderter Bereich, der als Ehrenfriedhof angelegt ist. Hier fanden 2455 Kriegstote ihre letzte Ruhestätte, darunter auch 60 Landsturmmänner aus dem Raum Aachen.