Nordeifel: Brunftzeit: Böcke sind jetzt „benebelt”

Nordeifel: Brunftzeit: Böcke sind jetzt „benebelt”

Es ist in den letzten Tagen wieder wärmer geworden. Das spürt auch der Rehbock. Im Moment läuft er leicht neben der Spur, er ist ein wenig von der Rolle, unvorsichtig, überdreht und kaum wiederzuerkennen.

Der Bock hat in diesen Wochen nur ein Ziel vor Augen: das weibliche Reh - die Ricke. Es ist Brunftzeit oder Blattzeit wie der Jäger sagt, und in dieser vierwöchigen Phase spielen die Rehböcke leicht verrückt. „Sie sind regelrecht benebelt”, beschreibt Konrad Hecker, der Leiter des Regionalforstamtes Rureifel-Jülicher Börde mit Sitz in Hürtgenwald den aktuellen Gefühlszustand des Rehwildes im Eifeler Wald.

Dass die Rehböcke derzeit etwas stürmisch sind, haben auch schon manche Autofahrer erfahren. „Als ich von Fringshaus nach Lammersdorf fuhr, stand plötzlich ein Reh an der rechten Straßenseite. Zum Glück lief es aber wieder zurück in den Straßengraben”, berichtet ein Autofahrer von einer noch harmlos verlaufenen Begegnung am Vormittag.

Andere Autofahrer gerieten mehr in Bedrängnis, denn das Rehwild ist in diesen Tagen der Brunftzeit nur ganz schwer auszurechnen. Zu jeder Tageszeit, und nicht nur wie sonst in der Dämmerung, können einem jetzt die leicht erregten Waldbewohner begegnen.

Etwa am 20. Juli beginnt die Blattzeit und dauert bis etwa 20. August. In diesen vier Wochen ist höchste Vorsicht geboten, wobei die Aktivitäten des Rehbockes stark temperatur- und witterungsabhängig sind. Da am Wochenende wieder steigende Temperaturen zu erwarten sind, dürften die Paarungs-Aktivitäten des Rehwildes dann ihren Höhepunkt erleben, vermutet Konrad Hecker heftige Bewegungsaktivitäten im Wald, aber auch auf den Straßen, wenn die Böcke nichts anders im Sinn haben als die Ricken zu bedrängen.

„Danach dürfte es dann gelaufen sein.” Die Aktivitäten der Böcke orientieren sich dabei an den Äsungszeiten. Etwa alle zwei Stunden ziehen sie im wahrsten Sinne des Wortes ihre Kreise in einem Radius von rund 100 Metern in der ständigen Erwartung, dass die Ricke sich willig zeigt.

„Das Fatale dabei ist, dass die Böcke vom Duft der Damen so betört werden, dass ihre Wahrnehmung gestört ist,” erklärt Konrad Hecker die Tatsache, dass die Tiere unvorsichtig werden und Gefahrensituationen nicht mehr instinktiv erahnen. So passiert es dann, dass ein betörter Rehbock plötzlich mitten auf der Straße steht. Aber auch die Ricken haben sich nicht mehr 100-prozentig unter Kontrolle, wenn sie „ständig von den gierigen Kerlen bedrängt werden.”

Daher, so der Förster, sollten die Autofahrer jetzt in besonderem Maße das Verkehrszeichen „Wildwechsel” beachten und auch ernst nehmen.

Dass es in diesen Tagen verstärkt zu Wildunfällen kommt, die als Versicherungsschaden gemeldet werden, kann Mario Graff von der Provinzial-Versicherung in Simmerath bislang nicht bestätigen, wenngleich es in der waldreichen Region stets einen leicht erhöhten Anteil an Wildschäden gebe. Daher, so der Tipp des Versicherungskaufmannes, sollten Kfz-Halter stets eine Kasko-Versicherung abschließen, um bei Wildschäden auf der sicheren Seite zu sein. Allerdings müsse der Geschädigte in jedem Falle nachweisen, dass es sich auch um einen Wildunfall handele.

Haare an der Stoßstange würden als Indiz akzeptiert, noch besser aber sei es, wenn die Polizei hinzugerufen werde, oder ein Förster eine Kollision mit Wild bestätigen kann. In alten Versicherungspolicen, darauf weist Mario Graff hin, seien oftmals nur Unfälle mit Haarwild abgedeckt worden. Die meisten Gesellschaften aber seien inzwischen dazu übergegangen den Schutz um Unfälle mit Wirbeltieren zu erweitern. Dann spielt es keine Rolle mehr, ob Schaf, Pferd, Rind oder Bussard einem Auto in die Quere kommen.

In der Blattzeit kommt übrigens nicht jeder Rehbock zum Zuge, je nachdem wie stark die männliche Konkurrenz ist, erläutert Konrad Hecker. Die „starken Jungs” unter den Rehböcken bedienen mitunter ein halbes Dutzend Ricken, während andere sich glücklich schätzen, wenn sie einmal erfolgreich sind.

Der Spaß aber hat wie gesagt bald ein Ende, doch Wildwechsel ist immer ein Thema, wenn man weiß, dass in den Wäldern der Nordeifel schätzungsweise 10 Stück Rehwild pro 100 Hektar Fläche vorkommen.