Bruder Theo Call will Knabenseminar mit Strom versorgen

Afrikahilfe aus Konzen : Arbeiten am Wasserkraftwerk in Tansania stehen derzeit still

Der Afrikamissionar Bruder Theo Call aus Konzen engagiert sich seit Jahrzehnten in seiner Wahlheimat Tansania. Bereits seit rund drei Jahren plant er, in dem Ort Iterambogo ein Wasserkraftwerk an einem Bach zu errichten, um ein nahegelegenes Knabenseminar, eine Art katholische Jungenschule, mit Strom zu versorgen.

Teile der Vorbereitung sind geschafft, doch nun stehen die Arbeiten still, denn Bruder Theo Call hat gesundheitliche Probleme und wird derzeit in Deutschland behandelt.

Bereits Anfang 2018 wurde der 80-Jährige für eine Augenoperation in ein Krankenhaus in Deutschland eingewiesen. Nach längerer Genesungszeit konnte er im August wieder zurück nach Tansania. Doch wenige Woche später traten Herzprobleme auf. Theo Call musste erneut operiert werden. Aktuell ist er in Reha. Da er auch schon seit Jahren Knieprobleme habe, werde sich auch darum direkt gekümmert, sagt der Vorsitzende des Fördervereins „Bruder Theo Call – Weißer Vater der Afrika Missionare“, Martin Krings. Doch in Tansania kann den Missionar keiner ersetzen. „Ohne Bruder Theo und sein enormes Fachwissen und seine Erfahrung laufen die Arbeiten dort sehr schleppend. Er ist der Einzige, der über alles Bescheid weiß“, sagt Krings.

Geliefert wurde die Wasserdurchflussturbine bereits vor rund drei Jahren. Auch ein Kanal, durch den das Wasser läuft, ist schon zu großen Teilen angelegt. Seinerzeit spendete der Förderverein rund 160.000 Euro für das Projekt, weitere 200.000 Euro steuerte Misereor bei. Nun fehlen noch 130.000 Euro, mit denen die restlichen Arbeiten bezahlt werden sollen. „Wir werden alles dafür tun, dass bei seiner Rückkehr nach Tansania die benötigten Mittel zur Verfügung stehen“, so Krings.

Rund 400 Jungen sollen von der Turbine profitieren, denn derzeit gibt es nur bedingt Strom von einem Dieselstromaggregat. „Für Glühbirnen reicht es, aber das war es dann auch quasi schon“, sagt Geschäftsführer Dieter Johnen. Eine Wasserpumpe beispielsweise gibt es aktuell nicht. Die Schüler tragen das Wasser, das zum Kochen und Waschen benötigt wird, täglich mit Eimern vom Bach zur Schule. Das soll sich bald ändern. Wenn die Stromversorgung geregelt ist, könnten auch mobile Geräte wie Laptops für den Unterricht genutzt werden. So soll es für die Jungen möglich werden, an der Schule ihr Abitur oder Fach-Abitur zu machen, statt nur den Realschulabschluss. Eine Schwesternschule in der Nähe soll ebenfalls mit Strom versorgt werden. „Bruder Theo brennt darauf, wieder zurückzukehren. Und er macht unheimliche Fortschritte“, sagt Johnen.

Bruder Theo Call plant, mit einer Wasserkraftturbine ein Knabenseminar in Iterambogo mit Strom zu versorgen. Foto: Elke Krings

„Die Arbeiter dort brauchen jemanden, der ihnen sagt, was sie tun müssen. Ich selbst kann keine schweren Steine mehr schleppen, aber ich kann ihnen sagen, wo die Steine hinmüssen“, schrieb Bruder Theo dazu an die Mitglieder des Vereins. Ein Entwicklungshelfer soll den Missionar für einige Zeit vor Ort unterstützen. „Sobald Bruder Theo wieder fit ist und ein Entwicklungshelfer gefunden ist, fliegen wir wieder mit ihm runter“, erklärt Krings. Einmal im Jahr fahre man ohnehin, um sich über die Fortschritte zu informieren.

Die Turbine ist nur eins von vielen Projekten, die Bruder Theo in mehr als fünf Jahrzehnten mit Hilfe des Fördervereins bereits verwirklicht hat. Der gelernte Schmied legte unter anderem Brunnen an, baute Kirchen, sanierte Gebäude, installierte Pumpen und Solaranlagen und baute sichere Unterkünfte für Menschen mit Albinismus, die in Tansania aufgrund eines Aberglaubens verfolgt werden.

Um den Betrieb der Werkstätten, die Bruder Theo in den vergangenen Jahrzehnten in Kabanga errichtet hat, kümmert sich derzeit und voraussichtlich auch künftig der Bischof Joseph Mlola aus der Diözese Kigoma, der auch Iterambogo zugeordnet ist. Am Donnerstag, 7. Februar, kommt der Bischof nach Konzen, um Bruder Theo, der extra für diesen Tag eine Pause von der Reha-Maßnahme macht, seine Anerkennung auszudrücken und gemeinsam mit ihm einen Gottesdienst zu feiern.

Dieser findet ab 18 Uhr in der katholischen Kirche in Konzen, Kirchenweg 21, statt. Im Anschluss gibt es eine Gabe. Der Bischof macht darüber hinaus einen Abstecher zum Aachener Dom und spricht mit dem Kindermissionswerk.

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