Aachen: Bombardier: Kraft macht sich für Aachen stark

Aachen: Bombardier: Kraft macht sich für Aachen stark

Gibt es einen sehr klugen Menschen in der Unternehmensleitung von Bombardier? Wenn ja, dann sollte er sich mal in Aachen melden - und das nicht nur, weil der Betriebsratsvorsitzende des vom Aus bedrohten Aachener Standorts hofft, „dass ein sehr kluger Mensch von Bombardier auf uns zukommt und sagt, wir müssen noch mal miteinander reden”.

Nein, es geht auch um das Image eines Weltkonzerns. Selten hat ein Unternehmen derart verbale Prügel bezogen wie Bombardier nach Bekanntgabe der Schließung des Aachener Werks mit 600 Beschäftigten. Und nicht nur von Gewerkschaftern.

Denn die schlechte Nachricht hat am Freitag die Landesregierung mobilisiert. NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) kritisierte vormittags vor den Werkstoren die Entscheidung als „unternehmenspolitische Torheit”, die „nicht gerade intelligent eingefädelt” worden sei. Diese „Kurzschlussreaktion” müsse revidiert werden, zumal eine Schließung für den Konzern „sehr, sehr teuer” werde. „Dieses Geld könnte man besser in Forschung und Entwicklung investieren.”

Nachmittags schlug NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) in die gleiche Kerbe. Er überbrachte die Botschaft, dass sich Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei der Konzernspitze in Kanada für Aachen stark machen wolle. Duin selbst bekundete nach ersten Gesprächen: „Ich kann es nicht verstehen. Es kann nicht sein, dass das Werk zugemacht wird, das hervorragende Qualität abliefert und Überstunden macht.”

In Berlin will sich die Aachener Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt (SPD) - nicht zum ersten Mal - für das Werk einsetzen. Zuletzt hatte sie dies 2010 getan, als Bombardier 200 Mitarbeiter entließ, die Konzernspitze aber zugleich von einem „Bekenntnis zu Aachen” sprach. „Wir sind zusammen belogen und betrogen worden”, geißelte Schmidt am Freitag diese Unternehmenspolitik: „Es gab die klare Aussage, dass das Werk erhalten bleibt. Dieses Wort hat man einfach gebrochen.”

Mitglieder des Kabinetts Kraft werden sich in Aachen weiter die Klinke in die Hand geben. Nächste Woche besucht Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) das Werk. Außerdem wird es Gespräche geben. Und vielleicht kommt ja auch ein sehr kluger Mensch aus der Konzernspitze hinzu.

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