Rurberg: Bistro am Badesee in Rurberg startet durch

Rurberg : Bistro am Badesee in Rurberg startet durch

Der Start hätte in der Tat besser sein können: Die Eröffnung des Bistros am Badesee in Rurberg war eigentlich schon im Vorjahr geplant, aber eine Vielzahl von Auflagen durchkreuzte diese Pläne. Inzwischen läuft der Betrieb, aber wenige Tage nach der Eröffnung am 1. März machten sich gleich zweimal Einbrecher im Lokal zu schaffen.

Zwei große Scheiben gingen dabei zu Bruch. Als jetzt kürzlich noch bei der Mitgliederversammlung des CDU-Ortsverbandes Rurberg-Woffelsbach Klage darüber geführt wurde, dass das Bistro am Badesee immer noch nicht geöffnet habe, war für die neuen Betreiber der Zeitpunkt gekommen, einmal für klare Sicht zu sorgen.

Auch von der idyllische Lage am Badesee bezieht für das umgestaltete Bistro im Untergeschoss des Antoniushofes Rurberg seine Attraktivität. Foto: P. Stollenwerk

„Die größte Herausforderung für uns scheint in der Tat darin zu bestehen, dass wir auf uns aufmerksam müssen“, sagt Inhaber Hermann Stormanns. Er ist Initiator und Leiter des Projekt-Kontors Eifel, einer seit 2014 tätigen Beschäftigungsinitiative für inklusive Projekte. Dabei ist das Projektkontor mit seinen inzwischen über 35 Beschäftigten schon nach kurzer Zeit zu einer festen Größe in der Gemeinde Simmerath geworden, vor allem im Bereich Gastronomie und Service.

In der noch jungen Firmengeschichte ist mit der Übernahme des Bistros am Badesee in Rurberg ein weiteres Standbein geschaffen worden. Konzipiert wurde das Projekt-Kontor Eifel als Unternehmen, das Menschen mit und ohne Handicaps beschäftigen soll, verbunden mit dem langfristigen Ziel, für die Mitarbeiter sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze zu schaffen. Der Pachtvertrag für das Bistro am Badesee gilt bereits ab 1. April 2017, aber zunächst gelang es nur, ab 10. Juni den angeschlossenen Kiosk des insgesamt 100 Quadratmeter umfassenden Laden- und Gastronomiebereichs zu öffnen.

Das Projekt-Kontor Eifel hatte bei der Ausschreibung die Gemeinde Simmerath als Eigentümer überzeugt, so dass ein zunächst befristeter Pachtvertrag bis zum 31. Dezember 2021 unterzeichnet wurde. Aus der Sicht der Gemeinde Simmerath ist das Bistro am Badesee von großer touristischer Bedeutung und ein Aushängeschild für das Rurseezentrum.

„Man hat uns praktisch ein leer geräumtes Gebäude übergeben“, erläutern Hermann Stormanns und Vertriebsprojektleiter Dirk Fingerhuth. Man habe bei der Neueinrichtung des Bistros nicht nur umfangreiche Neuanschaffungen tätigen, sondern auch umfangreiche und kostspielige Baumaßnahmen vornehmen müssen, um die Anforderungen des Gesundheitsamtes zu erfüllen. Eine nagelneue Küche musste angeschafft werden, und für die gastronomischen Anforderungen reichte die vorhandene Stromzufuhr nicht aus. So addierten sich die Verzögerungen über den Zeitraum eines Jahres.

Immerhin habe man im Sommer an einigen Tagen eine sogenannte Außentheke aufgebaut, „was uns einen kleinen Vorgeschmack auf den zu erwartenden Andrang brachte“, erzählen die beiden Projektverantwortlichen, die jetzt durchstarten möchten. Vermutlich werde sich das Bistro am Badesee als bislang umsatzstärkstes Element herausstellen, sagen sie.

Das Konzept des Bistros mit seinem maritimen Charakter ist vielseitig angelegt und setzt auf ein neues Image: Von Terrassengastronomie, über Frühstücksangebote bis hin zu Events am Abend reicht das Angebot. Die Karte ist abgestimmt mit „Lupos Restaurant“ auf dem Gelände des Aachener Bootsclub im Woffelsbacher Schilsbachtal am Rursee. Außer Montags hat das Bistro von 8 bis 21 Uhr geöffnet. „Lupos Currywurst“ vom Metzger, der „Rurburger“, Flammkuchen und verschienene Suppen im Weckglas sollen laut Dirk Fingerhuth dafür sorgen, „dass eine hochwertige Bistro-Qualität angeboten wird“.

Von der neu gestalteten Terrasse des Bistros hat man einen entspannten und unverstellten Blick auf den Honigberg und über den Badesee bis ins Eiserbachtal. („Man kann den See sehen, und braucht kein Meer mehr“, ist als Werbespruch in der engeren Auswahl). Trotz der Traumlage des Bistros ist das romantische Plätzchen im Untergeschoss des Antoniushofes noch ein Geheimtipp. Mit Beginn der neuen Saison hoffen die neuen Betreiber nun, dass das neue gastronomische Angebot in Rurberg ein stärkere Wahrnehmung erfährt.

Brücke zum Arbeitsmarkt für Menschen mit und ohne Behinderung

Das Unternehmen Projekt-Kontor Eifel in der Nordeifel (Firmensitz ist Steckenborn) versteht sich als Brücke zum Arbeitsmarkt und soll Menschen eine Beschäftigungsmöglichkeiten geben, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance finden. Dies geschieht in erster Linie durch gleichberechtigte Beschäftigung von Menschen mit und ohne Behinderung. Begonnen hat das Unternehmen im Jahr 2014 mit zwei Mitarbeitern. Gestartet wurde mit dem Projekt „Füllhorn“.

In einem ehemaligen Geschäftsgebäude in Steckenborn werden ganzjährig die 23 Senfsorten der historischen Senfmühle Monschau abgefüllt und kommissioniert. Allein im vergangenen Jahr wurde eine Umsatzsteigerung in Höhe von 40.000 Euro erzielt. Das Projekt „Huusmeester“ bietet Objektpflege, Handwerkerservice, Gartenarbeit, Entrümpelungen und hauswirtschaftliche Versorgung an. Zur sogenannten „Lupo-Gruppe“ des Projekt-Kontors gehören der Dorfladen in Woffelsbach, Lupos Restaurant im Aachener Bootsclub in Woffelsbach und jetzt Lupos Bistro am Badesee mit Kiosk.

Bislang konnten 19 Vollzeit-Arbeitsplätze geschaffen werden sowie 16 Teilzeitstellen. Von den 19 Festangestellten haben sechs Mitarbeiter einen Schwerbehindertenausweis, bei den Teilzeitkräften sind es vier. Drei weitere Stellen sollen noch im Laufe des Jahres eingerichtet werden. Das Auftragsvolumen für das Jahr 2018 ist ausgelastet.

Weitere Wachstumsraten verspricht sich das Unternehmen durch die engere Zusammenarbeit mit Betreuungsbüros. Da es um Arbeitsplätze für Menschen mit Förderbedarf geht, strebt das Projekt-Kontor Eifel auch eine verstärkte Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland an. Firmengründer Hermann Stormanns verfügt über eine fast 30-jährige Erfahrung im Umgang mit besonderen Bedürfnissen.

(P. St.)
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