Lammersdorf: Biogasanlage: Statt Mais kommt Fett in die Verarbeitung

Lammersdorf: Biogasanlage: Statt Mais kommt Fett in die Verarbeitung

Wer nach dem Winter mal so eben 500 Liter Heizöl nachtanken wollte, dem verschlug es bei einem Preis von über einem Euro pro Liter leicht den Atem.

Ähnliche Reaktionen stellen sich ein, wenn man in diesen Tagen mit dem Auto an die Tankstelle fährt, oder am Jahresende die Stromrechnung für einen vierköpfigen Haushalt mit verbrauchten 5000 kwH und einem Abrechnungsbetrag von 1300 Euro ins Haus flattert.

Bei diesen Energiepreisen denkt man schon einmal häufiger über regenerative Energien nach. Dass eine solche in nicht unerheblichem Maße bei uns vor der Tür auf einem Bauernhof produziert wird, ist vielen nicht bekannt.

Energie für 400 Haushalte

Auf dem Hof der Familie Graff an der Jägerhausstraße in Lammersdorf liefern die zahlreichen Kühe nicht nur jede Menge Milch, sondern dort werden jährlich 2,1 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt. Mit dieser Menge könnten leicht über 400 Vierpersonenhaushalte ein Jahr lang mit Energie versorgt werden.

Möglich macht dies die auf dem Bauernhof installierte Biogasanlage, die von weitem schon an ihren beiden grünen und grauen „Zirkuszeltkuppeln” zu erkennen sind. Hierbei ist die Anlage auf dem Hof, den Landwirtschaftsmeister Manfred Graff im Januar an seine beiden Söhne Michael (26 Jahre) und Mirko (28 Jahre) übergeben hat, etwas Besonderes.

„Durch die besondere Ausrichtung unserer Anlage,” erläutert Michael Graff dazu, „ist es möglich, auch die Reststoffe aus Fettabscheidern von Gastronomie, Schulen und Lebensmittel verarbeitenden Betrieben in Energie umzuwandeln.” Bei Fettabscheidern handelt es sich um fetthaltiges Abwasser, das in den vorgenannten Betrieben entsteht und dort in entsprechenden Filteranlagen gesammelt wird. Die Reststoffe hieraus werden von einem speziellen Tankwagen der Graffs abgeholt und wandern dann gemeinsam mit der Gülle aus dem Milchviehbetrieb des Bauernhofes in die Biogasanlage.

Michael und Mirko Graff, die im Studium beide den „Bachelor of Science” im Agrarbereich erworben haben und nun in der vierten Generation den Familienbetrieb führen, verweisen mit Stolz darauf, dass sie fast ausschließlich Fette aus der Aachener Region verarbeiten, weil bei ihnen „die ökologische und ökonomische Verwertung einen hohen Stellenwert” hat.

Neben Gülle und Fett wandert seit letztem Jahr auch der Grünschnitt von Gartenbaubetrieben und Kommunen in die Biogasanlage. „Unsere Palette von Bioabfällen ist hierdurch kompletter geworden,” bemerkt Michael Graff hierzu. Da Biogasanlagen im Zusammenhang mit riesigen Maisanbauflächen verstärkt in die Kritik geraten sind, verweisen die beiden Junglandwirte darauf, dass dieses Futter- und Nahrungsmittel in ihrer Anlage keine Verwendung findet.

Wenn Gülle und Fett in die Gärbehälter der Anlage gewandert sind, stellen Bakterien die Vergärung dieses Substrats sicher. Das mit hohem Methananteil (CH4) entstehende Gas wird dann durch Filter- und Kühlanlagen aufbereitet und in den daneben liegenden Blockheizkraftwerken zu Strom und Wärme verbrannt. Der Strom wird dann ins öffentliche Netz eingespeist.

Dass die Einspeisevergütung hierbei mit 10,9 Cent pro Kilowattstunde wesentlich niedriger ist, als bei Biogasanlagen, zu deren Grundlage die zuvor erwähnten Maisanbauflächen gehören, ist nicht nur für den Betreiber verwunderlich.

Die in den Blockheizkraftwerken erzeugte Wärme wird im übrigen auch nicht einfach in den Wind rund um die Lammersdorfer Domänen gepustet. Sie dient zur gesamten Wärmeversorgung des Graff´schen Bauernhofes und des Nachbarhofes. Bei der Biogasanlage, in der im Jahr 9000 Tonnen Rindergülle, 8000 Tonnen Fettabscheider und 2000 Tonnen Festmist verarbeitet werden, fällt angenehm auf, dass eine Geruchsbelästigung kaum gegeben ist.

Interessant ist auch, dass die Gülle nach der energetischen Nutzung in der Anlage nach wie vor wichtige Nährstoffe enthält. Und wenn das Substrat dann im Rahmen der letzten Station des ökologischen Kreislaufs mit dem Güllefass auf der Wiese versprengt wird, dürfte der zufällig vorbeikommende Spaziergänger zudem feststellen, dass diese Gülle auch kaum geruchsintensiv ist.

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