Gemünd: Bestseller über „Ordensburg” Vogelsang neu aufgelegt

Gemünd: Bestseller über „Ordensburg” Vogelsang neu aufgelegt

Der Bestseller über die NS „Ordensburg” Vogelsang vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) ist neu aufgelegt. Die jetzt erschienene vierte Auflage greift die kunsthistorische Bedeutung und die laufende Konversion auf.

Vogelsang in der Eifel südlich von Aachen war die frühere Kaderschmiede der NSDAP. Gebäude und Areal wurden bis 2005 als NATO-Truppenübungsplatz unter belgischer Hoheit genutzt. Als einziges erhaltenes Landschaftsdenkmal aus der NS-Zeit sei das Denkmal ein Unikat, sagte LVR-Denkmalpflegerin Monika Herzog am Dienstag bei der Vorstellung in Gemünd.

Das wissenschaftliche Grundlagenwerk ist das bestverkaufte Buch in der Reihe „Arbeitshefte der rheinischen Denkmalpflege”. Die Auflagen aus den Jahren 1988, 2003 und 2008 seien vergriffen, teilte der LVR mit. Hauptteil ist die Monografie der Kunsthistorikern Ruth Schmitz-Ehmke - bis heute richtungsweisend für die Erforschung der Ordensburgen im Dritten Reich.

Als Schmitz-Ehmke die Burg in den 80er Jahren erforschte, galt der Gebäudekomplex in der Eifel noch als Schandfleck und Altlast. „Das Gebiet war Sperrgebiet und man durfte nicht fotografieren”, erinnerte Herzog zur Buchvorstellung an die schwierigen Umstände der Erforschung. Herzog hat das wissenschaftliche Grundlagenwerk bearbeitet, aktualisiert und ergänzt.

„Vogelsang ist die am besten erforschte Burg”, sagte die Denkmalpflegerin. Das Buch ordne das Bauwerk in Zeit, Politik und Ideologie ein. Zum ersten Mal werden in der neuen Auflage auch die beiden anderen Schulungsstätten für das NSDAP-Führungspersonal, die Ordensburgen Krössingsee und Sonthofen, mit Bebilderungen aufgenommen. Diese „Ordensburgen” werden noch militärisch genutzt.

Das Buch schreibt die Geschichte Vogelsangs fort und beschreibt die ersten konkreten Schritte der zivilen Nutzung: Architektenwettbewerbe und erste Umbauplanung, neues Image als internationaler Platz und Ort der Bildung. Das Areal steht seit 1989 unter Denkmalschutz.

Der Kreis Euskirchen und die Eifelregion bemühen sich seit Jahren um eine zivile Umnutzung von Vogelsang mit 70.000 Quadratmetern Nutzfläche. Der Komplex liegt im Nationalpark Eifel oberhalb des Urftsees. Im nächsten Jahr soll der Umbau des zentralen Gebäudes „Adlerhof” starten.

Geplant sind eine Ausstellung zum Nationalpark Eifel, ein NS-Dokumentationszentrum und ein „Schaufenster Eifel-Ardennen”, in dem sich die Eifelregion vorstellt. Ebenfalls im nächsten Jahr soll Baustart für die neue Jugendherberge mit Jugendwaldheim sein. Durch diese „Zugpferde” soll die jährliche Besucherzahl auf 300.000 steigen.