Beschäftigte der GdG zu Besuch im Ex-Trappistenkloster

Zu Besuch im Ex-Trappistenkloster : Die letzten Novizen flohen aus Mariawald

Zu einem Ausflug ins aufgegebene Trappistenkloster Mariawald hatte GdG-Leiter Pfarrer Erik Pühringer kürzlich die Beschäftigten der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) St. Barbara Mechernich eingeladen.

Es wurde eine Zeitreise in die noch nicht lange zu Ende gegangene monastische Ära auf dem Kermeter, die mit dem Kauf einer Pieta vor 550 Jahren begonnen hatte. Der Erwerber namens Fluiter, Strohdachdecker aus Heimbach, änderte fortan sein ganzes Leben, wurde Einsiedler und ungewollt Wallfahrtsleiter, denn den hohen Kermeter überquerende Händler und Handwerker berichteten im ganzen Umland von der wundertätigen Madonna mit dem getöteten Christus auf dem Schoß und dem zum Mönch umgewandelten Strohdachdecker. Es dauerte nicht lange, und die Menschen strömten herbei, so dass Fluiter die Wallfahrt über den Kopf wuchs und er Rat und Hilfe im Kloster Bottenbroich bei Kerpen suchte. Die Zisterzienser nahmen sich der Sache an, das ging 300 Jahre gut, dann wurden sie im Zuge der Säkularisierung von Napoleon vertrieben.

Wolfgang Nowak und Bernd Lutz erzählten die Geschichte der zuletzt von einer Handvoll Trappisten bevölkerten Abtei den in zwei Gruppen aufgeteilten Mechernicher Kirchenmitarbeitern. Ein Kamerateam des Westdeutschen Rundfunks, das Statisten für eine Mariawald-Reportage brauchte, begleitete die eine Gruppe, die Nowak führte. Bernd Lutz, der sich seit 2009 im Kloster engagiert und viele intensive Gespräche mit Mönchen führte, gab der anderen Gruppe recht intime Einblicke in die Mentalität der „schweigenden Mönche“, die am Ende gar kein Schweigeorden mehr waren und wohl mehr aus Nachwuchssorgen als aus brennender Überzeugung auf den katholischen Traditionalismus setzten.

Dom Josef, der letzte und abgesetzte Abt von Mariawald, hatte im Alleingang bei Papst Benedikt XVI. in Rom die Erlaubnis erwirkt, zur alten Ordensregel der Trappisten zurückzukehren. Einige seiner Mitbrüder, die er nicht zu Rate gezogen hatte, waren entsetzt. Angeblich warteten weltweit zwölf Aspiranten auf ein solches Trappistenkloster, das sie mit auf eine liturgische und monastische Reise zurück ins Mittelalter nehmen würde. Die Rechnung ging auch zunächst auf, so Bernd Lutz, der selbst aus Berg und damit aus den 14 Pfarreien der GdG St. Barbara kommt. Fünf Novizen meldeten sich an, waren aber letztlich mit den realen Verhältnissen in Mariawald völlig überfordert. Lutz: „Die Mönche vor Ort hatten kaum Zeit, sich um die Novizen zu kümmern, die meiste Zeit nahm die Pflege der alten Mitbrüder in Anspruch.“ Die geplante Reise ins Mittelalter geriet zur Stippvisite, auch wenn Fans des außerordentlichen Messritus aus dem weiten Umland herbei pilgerten, um Mariawalder Messen im alten Stil zu feiern.

Die Mechernicher Kirchenbeschäftigten hörten und staunten über die Alltagsschilderungen aus dem Leben der Trappisten. Zur vegetarischen Kost gab es schonmal Bier und Wein, so Lutz, aber wenn die Glocke im Refektorium läutete, war das Essen zu Ende – auch, wenn man noch nicht aufgegessen hatte. „Nichts war Genuss, alles auf Gebet und Notwendigkeit ausgerichtet, auch das Essen“, was die Mönche nicht davon abhielt, „draußen“ mal eine Currywurst mit Fritten zu sich zu nehmen, wenn sie denn mal die Klausur aus wichtigen geschäftlichen Gründen, beispielsweise für die Landwirtschaft, verlassen durften. Dass die Mariawalder Mönche nachts in Särgen schliefen, sei ein Märchen, berichtete Bernd Lutz.

Im Gegenteil: Die Trappisten seien eine der wenigen Gemeinschaften in Deutschland, die von Staatsseite die Erlaubnis hätten, ihre Toten ohne Särge beizusetzen. Die Mönche wurden im Habit – die Kapuze über den Kopf gezogen – drei Tage in der schlichten Kirche aufgebahrt, ehe sie auf einer Bahre ins Grab gelegt wurden. „Die letzten zwölf Bahren hat Bruder Jordan, unser Schreiner, angefertigt“, so Bernd Lutz: „Auf der Nummer 11 wurde er selbst begraben.“ Die zwölfte steht jetzt im Kreuzgang als Anschauungsobjekt bei Führungen – unmittelbar neben dem Kukullen-Raum, in dem sich die Mönche von der Arbeit waschen und ihre Arbeitskittel gegen bessere Kutten für die Gebetszeiten und Messen tauschen konnten.

Pfarrer Erik Pühringer konnte Bernd Lutz‘ Erläuterungen hier und da aus eigenem Erleben und aus theologischer Sicht bereichern. So erklärte er staunenden Frauen aus der Gruppe, die sich wunderten, dass auch Werke aus der feministischen Literatur und Eugen Drewermanns Schriften in der 30.000 Bände fassenden Mönchsbibliothek zu finden waren: „Das ist Theologie. Man beschäftigt sich auch mit den Theorien und Ansichten, die nicht direkte Lehrmeinung sind.“ Nach der Klosterführung, die übrigens keinen weiten Bogen um die frühere Brauerei und die noch immer betriebene Klosterlikörfabrikation machte, gab es in der Klostergaststätte ein leckeres Mittagessen. Wobei sich die drei Dutzend Mechernicher Kirchenleute nicht auf die legendäre Erbsensuppe beschränken mussten.

(pp)