Berufswunsch Kraftfahrer: Zwei Flüchtlinge starten ihre Ausbildung

Integration über Beruf: Zwei Flüchtlinge starten mit Ausbildung zum Kraftfahrer in die Zukunft

Zwei junge Männer aus Marokko und Afghanistan beginnen eine Ausbildung zum Kraftfahrer bei einem Speditionsunternehmen in Kalterherberg. Sie sind ein Beispiel dafür, wie Integration über den Beruf gelingen kann – auch wenn dafür manch eine Hürde überwunden werden muss.

Was lange Wege bedeuten, wissen Aissam Naour und Arshed Dalazat nur zu gut. Beide haben eine weite Reise hinter sich, bei der sie mehrere Tausend Kilometer bis nach Deutschland zurückgelegt haben. In Monschau wollen sie eine neue Zukunft beginnen – als Lastkraftwagenfahrer.

Naour und Dalazat sind Auszubildende bei einem Speditionsunternehmen in Kalterherberg. Weite Wege werden die beiden Flüchtlinge als auch künftig zurücklegen. Doch wie landet man ausgerechnet bei einem Betrieb in der Eifel? Aissam Naour hatte sich zunächst im Bereich der Lagerlogistik beworben. Als eine Zusage aus Kalterherberg kam, war für ihn klar, die Ausbildung dort anzutreten. Denn: „Es ist nicht sehr leicht, eine Arbeit in Deutschland zu finden“, sagt Naour aus seiner Erfahrung heraus. Das einzige Problem: Sowohl Naour als auch Dalazat waren erst dem Ausländeramt Düren zugeteilt. Um den Wohnsitz wechseln zu können, damit der Weg zur Arbeit nicht zu lang wird, war ein Wechsel zum Ausländeramt der Städteregion Aachen nötig. „Das hat uns viele Schwierigkeiten bereitet“, erinnert sich Ralf Wendorff, der Ausbilder des Speditionsunternehmens. „Gut sechs Monate haben wir uns darum bemüht, die beiden in die Eifel zu holen.“

Als es dann endlich so weit war, wurde Naour klar: Lagerlogistik ist nicht das Richtige für ihn. „Er war unglücklich, das hatte keinen Zweck“, erzählt Wendorff. Also wechselte Naour die Abteilung und begann im Sommer des vergangenen Jahres eine Ausbildung zum Kraftfahrer. „Ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit bekommen habe“, sagt der 25-Jährige. In seinem Heimatland Marokko habe er an der Universität studiert, sagt Naour. Das sei sehr theoretisch gewesen, so dass man danach nicht wisse, wie man es anwenden kann. Die Mischung aus Praxis und Theorie in seiner Ausbildung gefällt ihm deutlich besser.

Ähnlich geht es Arshed Dalazat, der aus Afghanistan nach Deutschland gekommen ist. In seiner Heimat hat der 18-Jährige ständige Unruhen erlebt. Die Ausbildung sieht er als Chance für sein Leben. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit. Aber ich kann mir auch vorstellen, später einmal zu studieren.“

Eine ungewisse Zukunft

Allerdings ist noch nicht sicher, ob Dalazat und Naour auch nach der Ausbildung in Deutschland bleiben können. Die Sicherung des eigenen Lebensunterhalts erhöht aber die Chancen auf eine Niederlassungserlaubnis. Für Geschäftsführer Bernd Kreutz ist es nicht zu verstehen, warum den jungen Männern so viele Hürden im Weg stehen. Aus diesem Grund hatte er auch den EU-Abgeordneten Arndt Kohn aus Stolberg zum Gespräch in den Betrieb eingeladen. Der Abgeordnete stimmt Kreutz zu: „Wir brauchen mehr Bewegung in der Politik. Es sollte nicht länger der Gedanke vorherrschen, dass Zuwanderer uns auf der Tasche liegen und man nichts mit ihnen anfangen kann. Denn sie sind ein echter Gewinn.“

Das sieht auch der Speditionschef so: „Wir brauchen Arbeitskräfte“, beginnt Kreutz. „Deutschlandweit gibt es einen Fahrermangel, der noch mehr zunehmen wird: In den nächsten Jahren gehen bis zu 50.000 Fahrer in Rente, aber nur 25.000 Auszubildende kommen nach.“ Viele seiner Speditionskollegen hätten bereits Probleme, Nachwuchs zu finden.

Zwar habe man mit 30 Auszubildenden in Kalterherberg momentan keine Nachwuchssorgen. Dennoch sind Dalazat und Naour für das Speditionsunternehmen eine Bereicherung, sagt Kreutz. Von Vorurteilen hält er nichts: „Wir stellen niemanden unter Generalverdacht. Alle Azubis werden hier gleichermaßen geachtet und geschätzt – egal ob sie aus Afghanistan, Marokko oder Imgenbroich kommen.“

Ungünstig für die beiden Zuwanderer ist allerdings die Grenznähe der Eifel zu Belgien. Ohne deutsche Staatsbürgerschaft ist es Naour und Dalazat eigentlich nicht erlaubt, die Grenze zu überschreiten. Als Kraftfahrer hier in der Region gehören Fahrten ins Ausland aber zum Berufsalltag. Zum Beispiel durchkreuzt man schon bei einer Fahrt von Roetgen nach Konzen über die B258 ein Stück belgischen Boden. „Das ist ein europäisches Problem“, sagt Arndt Kohn. Würden Regelungen wie diese in den EU-Ländern angeglichen, wäre vieles einfacher - da sind sich alle bei dem Treffen in Kalterherberg einig.

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