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Nordeifel: Benzin-Zeche wird auch in der Eifel oft geprellt

Nordeifel : Benzin-Zeche wird auch in der Eifel oft geprellt

Es war am vergangenen Wochenende, da ist es wieder einmal passiert: Ein Wagen fuhr an der Imgenbroicher Total-Tankstelle vor, der Fahrer tankte für gut 80 Euro, stieg wieder in seinen Pkw und fuhr davon. Auf und davon, einfach so.

Zu schnell, als dass sich die Tankwärtin das Nummernschild merken konnte. Sie konnte gerade noch registrieren, dass es sich um ein Auto aus Polen handelte.

In diesem Monat war es bereits das zweite Mal, dass an der Tankstelle von Pächter Hans Peter Mingers die Benzin-Zeche geprellt wurde. „Wir haben Anzeige erstattet, aber was will man da machen”, sagt er und zuckt mit den Schultern.

Mingers: „So wie das bisher war, hatten wir an für sich keinen Grund zu klagen.” Bisher kam es nämlich im Jahr höchstens drei bis vier Mal zu Betrügereien an seiner Anlage.

Dass es diesen Monat bereits zwei Mal passiert ist, stimmt Mingers jedoch nachdenklich.

Die Spritpreise an den Zapfsäulen setzen zu immer neuen Rekordjagden an und mit den steigenden Kosten für Benzin kommen auch immer mehr Menschen auf die Idee sich dieser zu entziehen

So verzeichnet die Polizei Aachen einen starken Anstieg beim Spritklau an Tankstellen in Stadt und Kreis Aachen. Waren es im ersten Halbjahr 2007 noch 275 Delikte, so beläuft sich diese Zahl für die ersten vier Monate diesen Jahres auf 398.

Darin nicht enthalten sind die gleichsam steigenden Benzindiebstähle aus Pkw, Lkw und Arbeitsmaschinen, die statistisch noch nicht erfasst werden.

„Dabei handelt es sich um Diebstahl aus dem Pkw, ob dabei das Radio, der Laptop oder eben Sprit geklaut wird, wird nicht gesondert erfasst”, erklärt Karl Völker, Leiter der Pressestelle bei der Aachener Polizei.

Ganz andere Fluchtmöglichkeiten

Die Betrügereien an der Zapfsäule in der Nordeifel werden zwar ebenfalls nicht gesondert erfasst, aber Paul Kemen geht davon aus, dass auch in unserer Region der Trend steigend ist. „Ich gehe davon aus, dass die Zahlen auch in der Eifel gleichmäßig gestiegen sind”, sagt der Polizeibeamte.

Vor allem die Grenznähe würde zu einer Erhöhung der Straftaten beitragen. „Da sind die Fluchtmöglichkeiten ganz anders”, weiß Kemen.

Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren

Wer jetzt auf krumme Gedanken kommt, sollte aber bedenken: Der Gesetzgeber sieht für den Klau an der Zapfsäule ordentliche Strafen vor. „Eine Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren” drohe den Spritdieben, so Karl Völker. Mit 30 Prozent ist die Aufklärungsquote der Polizei allerdings nicht besonders hoch.

Ein Grund hierfür ist sicherlich der Einfallsreichtum der Ganoven: Da werden Nummernschilder gefälscht, oder gleich ganz entfernt und man ist um Ausreden nicht verlegen.

Wilfried Mathee, Pächter der Aral-Tankstelle in Roetgen, kennt diese nur zur Genüge. So komme es schon einmal häufiger vor, dass Kunden, die die Benzin-Zeche prellen würden und anschließend ertappt werden, sagen sie hätten vergessen zu zahlen. „Manche legen es darauf an”, meint Mathee.

Sein Kollege aus Höfen, Jürgen Kirch, kann ihm da nur beipflichten, es sei mittlerweile schon ein Volkssport, an der Zapfsäule nicht zu zahlen.

Sieben bis zehn Mal pro Jahr wird die Rechnung in Höfen nicht beglichen, eine steigende Tendenz will Kirch jedoch nicht erkennen. Auch Wilfried Mathee meint, dass die Zahl der Betrügereien an seiner Tankstelle weitestgehend gleich geblieben ist. Mit zwei bis drei Mal pro Monat kommt es in Roetgen aber weitaus öfter zum Spritklau.

Dennoch: „Im Vergleich zu Aachen hält es sich zum Glück noch in Grenzen”, sagt Mathee. „Wir haben eine Videoüberwachung, die schreckt sicherlich einige ab, aber ganz ist man davor nicht gefeit.”

Aber was kann man gegen die dreisten Benzindiebe unternehmen? Tanken nur per Vorauskasse oder gegen Hinterlegung einer Kaution, wie es an manchen Tankstellen in Belgien schon an der Tagesordnung ist? „Das ist in Deutschland unüblich, das wird kein deutscher Kunde mitmachen”, ist sich Mathee sicher.

Man könne aber auch nicht in jedem Kunden einen potentiellen Dieb sehen, so der Tankstellenpächter weiter. „Diebstahl ist nicht gleich Diebstahl, viele vergessen tatsächlich einfach nur zu zahlen, weil sie in Gedanken sind.”

In der Stadt ist das anders

Dann kämen sie später wieder, melden sich telefonisch oder Mathee lässt bei seinen Kunden einfach durchklingeln, schließlich kenne er seine Pappenheimer. „In der Stadt, wo man anonym ist, mag das aber sicher anders sein.”