Eicherscheid: Beatles-Tributeband: Den Vorbildern ganz nah

Eicherscheid: Beatles-Tributeband: Den Vorbildern ganz nah

Muss man als Musiker einer Beatles-Coverband den Höfner-Bass links spielen, eine Nickel-Brille tragen, sich eine Pilzkopf-Frisur föhnen, von links und rechts gemeinsam in ein Mikro singen oder gar bunte Uniformen tragen? Muss man nicht.

Die Beatles-Tribute-Band „Ringo playing the Beatles“ huldigt allenfalls mit schmalen Krawatten als optisches Erkennungsmerkmal und einigen Original-Instrumenten der berühmtesten Band der Pop-Geschichte aus Liverpool. Ansonsten setzt das Quintett vielmehr auf musikalische Ausdruckskraft und lässt es aus den alten Vox-Verstärkern mächtig krachen.

So auch am Freitagbend in der Tenne in Eicherscheid, wo die Band aus Aachen im Rahmen des Kulturfestivals der Städteregion mit enormer Spielfreude und ausgereiften Arrangements das Publikum mit dem ewig frischen Brit-Pop der 60er- und 70er-Jahre mitriss. Dass bei freiem Eintritt nur gut 100 Besucher das Konzert besuchten, änderte nichts daran, dass die Fans die gute, alte Zeit der Pop-Musik, die Band und sich selbst feierten.

Zu Beginn des Konzertes hatte Moderator Achim Kaiser die Besucher kurz eingestimmt und das „beste Sound-Erlebnis nach den Beatles“ angekündigt. Seinen Dank richtete er an die Organisatorin und Kulturreferentin Dr. Nina-Mika Helfmeier und eine kleine Preisfrage an Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, der sich nicht nur als großer Fan der Beatles bekannte, sondern sich auch auskannte mit der Vita der „Fab Four.“ So wusste er, dass „Love me do“ die erste Hit-Single der Beatles war und keineswegs Ringo Starr, sondern Pete Best der erste Drummer des Quartetts war.

Dann folgte Hit auf Hit: Unsterbliche Nummern wie „Let it be“, „Twist and Shout“ oder „Come together“ waren geeignet, um die Textsicherheit des Publikums zu testen, aber den Karaoke-Sänger natürlich total überfordern, denn obwohl viele Beatles-Titel sich tief als Drei-Minuten- Ohrwürmer verewigt haben, ist deren Musik ziemlich komplex. Aber auch eine noch so gute Tribute-Band stößt an ihre Grenzen. Bei den höchsten Tönen von „Help“ hört man natürlich dreimal so genau hin.

„Es ist super hier, eine tolle Location, und ich habe das Gefühl, dass die Leute alle Songs kennen“, sagte Keyboarder Joonas Lorenz in der Pause, der zuvor beim Titel „I want you“ eine Riesenshow abgeliefert hatte und die Tastatur einem Härtetest aussetzte.

Unterschätzter Trommler

Die musikalische Vorliebe der Band gehört keineswegs nur den ersten fünf Jahren der Beatles, ihr wahres musikalisches Werk schufen die Musik-Giganten mit den anschließenden Studio-Alben. Gerade bei den nicht so bekannten Stücken konnte Lead-Sänger und Gitarrist Markus Sander sein ausgedehntes Stimmvolumen ausreizen, Bassist Thomas Wosnitza schuf ihm dafür eine stabile Grundlage, während Marc Aretz punktgenau und sauber seine Gitarren-Soli platzierte.

Dass alles so richtig nach Beatles klingt, ist in hohem Maße auch Drummer Marc Aretz zu verdanken, dem es gelingt, den stumpfen und manchmal etwas holprigen Ringo-Sound zu spielen. Der „vierte Beatle“ dürfte wohl zu den am meisten unterschätzten Trommlern in der Popmusik gehören. Ob der Garagenrock der vier Liverpooler am Anfang wohl auch so satt klang?

Im zweiten Konzertteil legte Band dann noch ein Pfund nach und die Tanzlust beim Publikum steigerte sich ebenfalls. Nach zwei Zugaben und einem musikalischen Inferno zum Abschluss, bei dem die Musiker auch ihre köperliche Elastizität einbanden, endete ein Konzert, das noch länger nachklingen dürfte. Die nächste große Herausforderung steht für „Ringo playing the Beatles“ nun im August an. Dann findet bei der Internationalen „Beatles-Week“ in Liverpool ein großes Band- und Fantreffen statt. Mit der Musik der Beatles ist die Rente sicher.

Mehr von Aachener Zeitung