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Bald Flaute bei der Windkraft?

Bald Flaute bei der Windkraft?

Kreis Aachen. Der Windkraft geht im Kreis Aachen langsam die Luft aus - zumindest was Genehmigung und Bau neuer Anlagen betrifft.

Dies meint Franz-W. Iven, Dezernent für Immissionsschutz der Kölner Bezirksregierung. Zwar sei die Windkraft „noch immer ein heißes Thema”, wie etwa die Diskussion in Würselen um die Genehmigung von vier neuen Anlagen derzeit zeige.

Doch „der Boom, der Ende der 90er Jahre durch die rechtliche Privilegierung und finanzielle Förderung einsetzte, ebbt langsam ab”, sagt der Mann von der Bezirksregierung, die teilweise für Genehmigungsverfahren im Kreis zuständig ist.

52 Anlagen im Kreis

52 Windkraftanlagen im Kreis sind in der bald öffentlich zugänglich Datenbank der Bezirksregierung (www.bezreg-koeln.nrw.de) registriert. Diese sind entweder in Betrieb, bereits genehmigt oder befinden sich im Genehmigungsverfahren.

Dass sich die Zahl signifikant erhöht, glaubt Iven nicht. So seien die Konzentrationszonen, die fast alle Kreiskommunen auf Empfehlung der Landes- und Be- zirksregierung eingerichtet haben, um einen Wildwuchs zu vermeiden, „zum Großteil bebaut”. Damit sind viele lukrative, weil „windige” Standorte vergeben.

Zudem werden die Anlagen künftig durch die Novellierung des Erneuerbare-Energie-Gesetzes als Renditeobjekt an Reiz verlieren, weil die Förderung noch in diesem Jahr stärker als früher geplant gesenkt wird. Stattdessen soll der Ersatz älterer durch leistungsstärkere Anlagen gefördert werden.

Das wird vielleicht die Windkraftgegner freuen, da moderne Anlagen in der Regel leiser als die älteren Jahrgangs sind. Denn das Rauschen, das verursacht wird, wenn ein Rotorblatt am Mast vorbeikreist, ist ein zentraler Be- schwerdegrund, weiß Wulf Böckenhaupt, der beim Staatlichen Umweltamt Aachen für die Überwachung von Windkraftanlagen zuständig ist.

Zwar ist im Kreis auf Grund von Beschwerden, die der Dezernent überprüft, noch keine Anlage abgebaut worden. Doch Einwände können auch erfolgreich sein. So müssen auf der Halde Nierchen in Eschweiler sechs der neun Anlagen nachts abgeschaltet werden. Der Grund: Lärmbelästigung. Für ein gravierenderes Problem hält Böckenhaupt den Schattenwurf. „Wenn der durch die Rotoren verursachte Schatten durchs Haus wandert, ist das eine erhebliche Belästigung.” Doch neueste Technik vermag es inzwischen, das Problem durch eine Abschaltautomatik zu bewältigen.

Im vorigen Jahr bearbeitete der Dezernent drei Beschwerden in Stadt und Kreis, derzeit liegen zwei auf dem Tisch. Im Vergleich zu den Auseinandersetzungen während eines Genehmigungsverfahrens recht wenige. „Wenn die Anlage einmal steht, finden sich viele damit ab”, meint Böckenhaupt. Wobei es auch notorische Beschwerdeführer gebe, die nie zur Ruhe kämen. Dennoch: „Aus der Diskussion ist inzwischen viel Dampf raus. Die Beschwerden lassen nach.”

Die mit Abstand meisten Windkraftanlagen stehen in der Nordeifel. Im Laufe des vergangenen Jahres wurde der Windpark Brath bei Höfen mit gut einem Dutzend Anlagen errichtet. Für 2004 erlebt die Windkraft trotz nachlassender Begeisterung dennoch einmal einen Aufschwung, wenn der Windpark Michelshof bei Strauch installiert wird.